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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Leukäthiopie - Leunis.

durch Menschenhand (durch die Korinther, Römer, Venezianer und Engländer) beseitigt werden mußte. L. ist ungefähr 36 km lang, bis zu 15 km breit, hat einen Flächeninhalt von 285 qkm (5,18 QM.) und besteht aus einer Bergkette (Nomaligebirge) aus weißem Kalk, dem die Insel ihren Namen ("die Weiße") verdankt; sie erhebt sich im Eliasberg bis zu 1180 m Höhe und endigt, im SW. sehr spitz zulaufend, mit dem schroffen Vorgebirge Ducato (von den Alten Leukate, auch Leukadischer Fels genannt), auf welchem sich noch Überreste eines Apollontempels befinden, und von welchem im Altertum Verbrecher ins Meer gestürzt wurden. Auch die Königin Artemisia von Halikarnaß (s. d.) und die Dichterin Sappho fanden nach der Sage durch einen Sprung vom Leukadischen Felsen, dem man die Kraft der Heilung von Liebesqualen zuschrieb, den Tod. Nur der nordöstliche Teil der Insel ist eben; dort lag die alte Stadt L. Die Insel hat keinen Fluß, dagegen viele gute Quellen und ein angenehmes Klima, wird aber öfters durch Erdbeben heimgesucht. Die Bevölkerung belief sich 1879 auf 21,988 Einw. (meist Griechen), welche Handel mit den Landesprodukten (Salz, Öl und Wein) treiben. Die Insel bildet eine Eparchie des griechischen Nomos Kerkyra (Korfu). Die gleichnamige Hauptstadt (bis vor kurzem Hamaxiki genannt), auf einer vorspringenden Landzunge der Ostküste, welche durch einen schmalen Kanal vom griechischen Festland getrennt ist, hat 2 Citadellen, 2 Häfen und (1879) 3434 Einw.; Sitz eines Erzbischofs. 1825 ward sie durch ein Erdbeben fast ganz zerstört. L. wurde 1684 von dem venezianischen Dogen Morosini erobert und blieb in Venedigs Besitz, bis 1800 die Republik der Ionischen Inseln gebildet wurde. S. Karte "Griechenland".

Leukäthiopīe (griech.), s. Albinos.

Leuke, s. Schlangeninsel.

Leuker (Leuci), kelt. Volk im südlichen Gallia belgica, im jetzigen Lothringen zwischen Marne und Mosel, mit der Hauptstadt Tullum (Toul).

Leukippiden, nach griech. Mythus die beiden Töchter des Leukippos, Bruders des Aphareus. Ihre Namen Hilaeira ("die Heiterglänzende") und Phöbe ("die Leuchtende") kennzeichnen sie als Genien des Lichts; ihre Heimat ist bald Messenien, bald Lakonien. Sie wurden mit den Dioskuren vermählt gedacht, die sich ihrer durch Raub bemächtigt hatten.

Leukippos, griech. Philosoph, aus Abdera gebürtig, lebte 510 v. Chr., soll Schüler des Eleaten Parmenides, nach andern des Zeno oder Melissos gewesen sein und gilt als Begründer des atomistischen Systems, das sein Schüler Demokritos (s. d.) weiter ausbildete. L. nahm zweierlei Prinzipien, das Volle und das Leere, an. Das Volle besteht nach ihm in einer Menge sinnlich nicht wahrnehmbarer, unteilbarer, unveränderlicher und undurchdringlicher, einfacher Grundkörper (Atome), welche durch Zwischenräume (das Leere) voneinander getrennt, der Qualität nach sämtlich gleichartig, dagegen der Gestalt nach voneinander verschieden (einige rund, andre würfel-, noch andre pyramidenförmig etc.) sind. Durch die Zusammensetzung derselben werden alle sichtbaren Körper und zwar durch die Mannigfaltigkeit der Zusammensetzung (je nach Zahl, Lage und Gestalt der Atome) alle Mannigfaltigkeit derselben hervorgebracht. Von Schriften des L. selbst haben wir keine Spuren.

Leukocyten, s. v. w. farblose Blutkörperchen, s. Blut, S. 55.

Leukocytōse (griech.), eine vorübergehende Vermehrung der farblosen Blutkörper in ihrem Verhältnis zur Anzahl der roten Blutzellen, während dieselbe Veränderung des Bluts, wenn sie dauernd wird, als Leukämie bezeichnet wird. Gegenüber dem normalen Verhältnis von ca. 350 roten zu 1 farblosen Blutkörper steigt dasselbe bei der L. bis 20:1 zu gunsten der farblosen Körper. L. kommt normal bei der Verdauung vor, als Krankheitssymptom bei Reizungen von Milz und Lymphdrüsen, nach starken Blutverlusten; sie geht ohne Behandlung in Heilung über. Vgl. Virchow, Cellularpathologie (Berl. 1871).

Leukogēn, s. v. w. saures schwefligsaures Natron, s. Schwefligsäuresalze.

Leukogranat, s. Granat.

Leukōm (griech.), s. Hornhautflecke.

Leukopathīe (griech.), s. v. w. Leukäthiopie (s. Albinos); auch s. v. w. Bleichsucht (s. d.).

Leukophoron, s. Bolus.

Leukophyll (griech.), ein Pflanzenfarbstoff (s. Etiolin).

Leukoplakīe (Psoriasis buccalis, Ichthyosis linguae), Bildung weißer Flecke und Schuppen auf der Schleimhaut der Wangen und der Zunge infolge abnormer Wucherung der obersten Epithelschicht. Die L. ist vielfach für eine Teilerscheinung der Syphilis gehalten worden, scheint jedoch auf örtlichen Reizungen zu beruhen, da sie fast ausschließlich bei Männern, namentlich starken Rauchern, vorkommt. Sie ist sehr hartnäckig, namentlich sind Quecksilberkuren ohne Erfolg. Zuweilen entwickelt sich aus der L. Zungenkrebs.

Leukorrhöe, s. v. w. Weißer Fluß.

Leukosaphir, s. Korund.

Leukosyrer ("weiße Syrer"), Name, den die Griechen den assyrischen Kolonisten an der Südküste des Pontus Euxinus gaben zum Unterschied von den dunklern Syrern.

Leukothĕa (griech., "weiße Göttin"), im griech. Mythus die unter die Meeresgötter aufgenommene Ino (s. Athamas). Sie und ihr Bruder Melikertes, als Gott unter dem Namen Palämon verehrt, galten als wohlthätige Dämonen der stürmischen See, welche Bedrängten und Schiffbrüchigen Beistand gewährten. Ein Beispiel davon enthält die Odyssee, wo der schiffbrüchige Odysseus durch einen von L. ihm zugeworfenen Schleier gerettet wird. Vgl. Ritschl, Ino L. (Bonn 1865); Conze in den "Göttinger gelehrten Anzeigen" (1866, Stück 29).

Leuktra, im Altertum Ort in Böotien, südwestlich von Theben, merkwürdig durch den von den Thebanern unter Epameinondas 371 v. Chr. über die Spartaner gewonnenen Sieg, welcher die Übermacht der Spartaner brach. Der thebanische Feldherr errang denselben durch die sogen. schiefe Schlachtordnung, indem er seinem linken Flügel eine Tiefe von 50 m gab und sich mit demselben auf den rechten Flügel der Spartaner warf. König Kleombrotos und 400 Spartiaten, außerdem 1000 Lakedämonier fielen in der Schlacht. Auf dem Feld von Parapunghia sieht man noch einen Tumulus, der wahrscheinlich über den Leichen der dort gefallenen Lakedämonier errichtet wurde.

Leumund, der persönliche Ruf eines Menschen. Die Leumundserforschung ist namentlich in Untersuchungssachen von Wichtigkeit, da es für die Beurteilung der Schuldfrage oft mit darauf ankommt, ob ein Beschuldigter einen guten oder einen bösen L. hat; daher häufig Leumundszeugen vernommen und regelmäßig Leumundszeugnisse beigezogen werden.

Leunis, Johannes, naturwissenschaftl. Schriftsteller, geb. 2. Juni 1802 zu Mahlerten bei Hildesheim, studierte Theologie und Philosophie, wurde