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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Leuven - Levellers.

hat nur eins derselben, das Vordringen der Zivilisation nach Westen, vollendet. Von seinen dort entstandenen Staffeleibildern sind zu nennen: das Mädchen von Saragossa (1860); die Besitzergreifung von Maryland durch Leonard Calvart (1861); Elisabeth von England im Gefängnis, vom Bischof Cranmer besucht (1862); Auswanderer, von Indianern bedroht; Auszug der Mauren aus der Alhambra. Nachdem er noch den Karton zu einem zweiten großen Wandbild im Kapitol zu Washington, die Aufhebung der Sklaverei, vollendet hatte, starb er 18. Juli 1868 in Washington. Er verfügte über ein glückliches Kompositionstalent und ein seltenes Individualisierungsvermögen; doch leiden seine Werke durch flüchtige Ausführung in Zeichnung und Kolorit. Bei der Wertschätzung seiner Bilder kam bei seinen Lebzeiten mehr das stoffliche als das künstlerische Interesse in Betracht.

Leuven (spr. löfen), niederländ. Name der Stadt Löwen.

Leuwarden (spr. löh-), s. v. w. Leeuwarden.

Leuze (spr. lös'), Stadt in der belg. Provinz Hennegau, Arrondissement Tournai, rechts an der Dender, an der Eisenbahn Brüssel-Tournai, mit Leinweberei, Färberei, höherer Knabenschule, bischöflichem Collège und (1885) 6197 Einw. Hier 18. Sept. 1691 Sieg der Franzosen unter dem Marschall von Luxemburg über die Alliierten.

Léva (Lewenz), Markt im ungar. Komitat Bars, am Perez, mit Schloß, Piaristenkloster, (1881) 6491 ungar. Einwohnern, Weinbau, bedeutenden Pferdemärkten, Untergymnasium und Bezirksgericht. Hier Sieg der Kaiserlichen unter dem Grafen Souches über die Türken 19. Juli 1664.

Levade (spr. -wād, v. franz. lever), in der Reitkunst die schulgerechte Hebung der Vorderfüße des Pferdes.

Levaill. (auch Vaill.), bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Fr. Levaillant (s. d.).

Levaillant (spr. löwajāng), François, Reisender und Ornitholog, geb. 1753 zu Paramaribo im holländischen Guayana von französischen Eltern, kam 1763 nach Europa, bereiste 1780-85 vom Kap aus das Innere Afrikas und starb 22. Nov. 1824 bei Sézanne in der Champagne. Seine Reisen beschrieb er in zwei interessanten und, abgesehen von manchen Übertreibungen und Irrtümern, wertvollen Werken: "Voyage dans l'intérieur de l'Afrique" (Par. 1790, 2. Aufl. 1798) und "Second voyage dans l'intérieur de l'Afrique" (das. 1796, 2. Aufl. 1803), die (beide neu hrsg. von Orse, das. 1855, 2 Bde.) von Forster ins Deutsche übersetzt wurden (Berl. 1799). Noch schrieb er: "Histoire naturelle des oiseaux d'Afrique" (Par. 1796-1812, 6 Bde.); "Histoire naturelle d'une partie d'oiseaux nouveaux et rares de l'Amérique et des Indes" (das. 1801-1804); "Histoire naturelle des cotingas et des todiers" (das. 1804); "Histoire naturelle des perroquets" (das. 1801-1805, 2 Bde.); "Histoire naturelle des oiseaux de paradis" (das. 1803-16) und "Histoire naturelle des calaos" (das. 1804).

Levallois (spr. löwallŏa), Jules, franz. Schriftsteller, geb. 18. Mai 1829 zu Rouen, machte daselbst seine Studien und kam 1850 nach Paris, wo er einige Jahre später in die Redaktion des "Moniteur" eintrat und 1855 Sekretär Sainte-Beuves wurde, welchem er besonders bei der Umarbeitung seiner "Geschichte des Port-Royal" behilflich war. Von 1859 bis 1872 übte er das Amt des litterarischen Kritikers in der "Opinion nationale". Levallois' Hauptwerke sind: "Critique militante", philosophisch-litterarische Studien (1862); "La piété au XIX. siècle" (1864); "Déïsme et christianisme" (1866); "L'année d'un ermite" (1870); "Sainte-Beuve" (1872); "Corneille inconnu" (von der Akademie gekrönt 1876); "La vieille France" (1882); "Autour de Paris, promenades historiques" (1883) und das Sammelwerk "Les contemporains chantés par eux-mêmes" (1868). Mit Streckeisen-Moultou gab er unter dem Titel: "J. J. Rousseau, ses amis et ses ennemis" (1865, 2 Bde.) eine Sammlung bisher unbekannter, an den Genfer Philosophen gerichteter Briefe heraus.

Levallois-Perret (spr. löwallŏa-perrä), Dorf im franz. Departement Seine, Arrondissement St.-Denis, nordwestlich von Paris, unmittelbar vor der Porte d'Asnières gelegen, mit der Stadt durch eine Tramwaylinie verbunden, hat zahlreiche Fabriken, Landhäuser und (1886) 35,649 Einw.

Levāna, altröm. Göttin, welche die neugebornen Kinder von der Erde aufhebt, Personifikation der Sitte, daß der Vater sein vor ihm auf die Erde gelegtes neugebornes Kind aufhob und als solches anerkannte. Nach ihr benannte Jean Paul sein bekanntes Buch über die Erziehung.

Levante (ital., "Morgenland"), im allgemeinen die Europa zunächst gelegenen Teile Westasiens nebst der Türkei, Griechenland und Ägypten; im engern Sinn die asiatischen Küstenregionen am Mittelmeer.

Levantine (franz., spr. -wangtin), vierbindig geköperter, früher aus der Levante eingeführter Seidenstoff, kommt schwarz und in allen Modefarben, auch gemustert vor, dient zu Damenkleidern, Mänteln, Unterfutter etc.

Levantiner Thaler, s. v. w. Mariatheresienthaler.

Levanzo (das Phorbantia der Alten), eine der Ägatischen Inseln (s. d.), ist gebirgig, aber fruchtbar an Getreide, Wein, Obst, Öl und hat (1881) 231 Einw.

Levassor, Pierre, berühmter franz. Komiker, geb. 1808 zu Fontainebleau, lernte als Kaufmann und kehrte auch zu diesem Beruf zurück, nachdem er in Paris und Marseille seit 1826 wenig ermutigende dramatische Versuche gemacht hatte. Glücklicher war er, als er durch Vermittelung der Déjazet ein Engagement am Palais Royal erhielt, wo er sich in kurzer Zeit großen Ruhm erwarb und bis 1856 spielte; nur von 1840 bis 1843 war er Mitglied der Variétés gewesen, auch 1857 dahin zurückgekehrt, um sich in der Folge dem Palais Royal zu widmen. L. machte sich auf wiederholten Kunstreisen auch im Ausland, namentlich in Deutschland, bekannt und starb 14. Jan. 1870 in Paris. Seine Lieblingsfiguren waren Engländer, Bauern und Soldaten, die er mit drastischer Komik darzustellen wußte.

Levatoren (lat.), Hebemuskeln.

Levée (franz., spr. löweh), Aufhebung; Aushebung (von Soldaten etc.); Einsammlung (von Feldfrüchten etc.); im Kartenspiel, besonders im Whistspiel, s. v. w. Stich. L. en masse, allgemeines Aufgebot, Landsturm.

Levellers (Levelers, engl., "Gleichmacher"), religiös-polit. Sekte in England, ging aus den Independenten hervor und war um 1647 besonders in der Armee Cromwells verbreitet. Sie forderte Durchführung der Volkssouveränität, vollkommene Gleichheit aller vor dem Gesetz und für den Einzelnen unbedingte Gewissens- und Kultusfreiheit. Von Cromwell als staatsgefährlich verfolgt, riefen sie die Verschwörung gegen ihn 1658 hervor. Sie verschwanden mit der Restauration. Vgl. Weingarten, Die Revolutionskirchen Englands (Leipz. 1868). L. oder White Boys ist auch der Name einer der ältern Geheimbünde in Irland.