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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Leven; Leventina, Valle; Lever; Levern; Leverrier; Lévesque; Levetzow; Levi

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Leven - Levi.

Leven (Loch L., spr. loch liwen), kleiner See in der schott. Grafschaft Kinroß, mit dem Schloß auf einer Felseninsel, worin man Maria Stuart 1567 zwang, dem Thron zu entsagen.

Leventina, Valle, s. Livinen.

Lever (franz., spr. loweh, das "Aufstehen"), Morgenaufwartung bei einem Fürsten.

Lever (spr. lihwer), Charles James, irischer Romanschriftsteller, geb. 1809 zu Dublin, studierte Medizin in Cambridge und Göttingen und ward dann der Gesandtschaft in Brüssel als Arzt beigegeben. Hier schrieb er seine ersten Romane: "Confessions of Harry Lorrequer" und "Charles O'Malley" (1841), ausgezeichnete, mit sprudelndem Humor entworfene Gemälde des irischen Lebens und Charakters, welche ihm allseitige Anerkennung verschafften. In rascher Folge erschienen: "Arthur O'Leary" (1844, 3 Bde.); "Jack Hinton, the guardsman" (1844); "Tom Burke of Ours" (1844, 2 Bde.); "St. Patrick's Eve" (1845); "The O'Donoghue" (1845); "Roland Cashel" (1850); "The Daltons, or three roads in life" (1852, 2 Bde.); "The Dodd family abroad" (1854); "The fortunes of Glencore" (1857, 3 Bde.); "Davenport Dunn" (1859); "Barrington" (1863); "Luttrell of Arran" (1865); "Sir Brook Fossbrooke" (1866, 3 Bde.); "The Bramleigh of Bishop's Folly" (1868, 3 Bde.); "Lord Kilgobbin" (1872, 3 Bde.) u. a. L. war 1858 zum Vizekonsul in Spezzia ernannt und 1867 nach Triest versetzt worden, wo er 1. Juni 1872 starb. Seine Werke erschienen mehrfach gesammelt und meist auch in deutscher Übersetzung. Vgl. Fitzpatrick, Life of Charles L. (2. Aufl., Lond. 1884).

Levern, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Minden, Kreis Lübbecke, hat eine Schwefelquelle mit Bad, Leinweberei, Viehzucht und (1885) 1139 evang. Einwohner.

Leverrier (spr. lowerrieh), Urbain Jean Joseph, Astronom, geb. 11. März 1811 zu St.-Lô, besuchte seit 1829 das Collège Louis le Grand zu Paris und dann die polytechnische Schule, war darauf zwei Jahre lang als Ingenieur bei der Tabaksverwaltung angestellt, trat hierauf als Lehrer am Collège Stanislas ein und erhielt 1846 die Professur der Mécanique céleste bei der Faculté des sciences. Auf Aragos Anregung hatte er sich mit rechnender Astronomie beschäftigt und den Merkurdurchgang von 1845 sowie die Bahn des Fayeschen Kometen berechnet, worauf er seine Untersuchungen über die Uranusbewegungen begann, die ihn 1846 zu dem Resultat führten, daß die Störungen des Uranus durch einen jenseit desselben stehenden Planeten hervorgebracht werden; er bestimmte auch den Ort dieses Planeten, den dann Galle nahe der bezeichneten Stelle auffand (vgl. Neptun). L. ward 1849 Mitglied der Gesetzgebenden Versammlung, 1852 Senator und 1854 Direktor der Sternwarte; auch wurde er zum Mitglied des Conseil supérieur de l'instruction publique ernannt und war Astronome adjoint beim Bureau des longitudes. Sein großer Ehrgeiz und seine Heftigkeit machten ihn nach und nach einsam in der Gelehrtenwelt; seine Verwaltung des Observatoriums erfuhr mit Recht lebhaften Tadel, und da er sich hierdurch zu maßlosen Schritten hinreißen ließ, so wurde er 1870 von der Direktion der Sternwarte entfernt, nach Delaunays Tod 1873 aber wieder in seine Stellung eingesetzt. Seine zahlreichen Arbeiten, welche unter denen der Neuzeit einen hohen Rang einnehmen, betreffen besonders Bahnbestimmungen und Störungen der Planeten und mehrerer Kometen. Er starb 23. Sept. 1877 in Paris.

Lévesque (spr. lewäk), Pierre Charles, franz. Geschichtschreiber, geb. 28. März 1736 zu Paris, war erst Kupferstecher, besuchte hierauf noch das Collège Mazarin und ward 1773 durch Diderots Empfehlung an die Kaiserin Katharina II. Professor der schönen Wissenschaften an der Kadettenschule in Petersburg. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich (1780) schrieb er: "Histoire de Russie" (Par. 1782, 7 Bde.; neue Aufl. 1800, 8 Bde.; 4. Aufl. 1812), ward Mitglied der Akademie der Inschriften und Professor am Collège Royal; er starb 12. Mai 1812 in Paris. Außer vielen Beiträgen zu den Memoiren des Instituts und mehreren populär-philosophischen Werken schrieb er noch: "La France sous les cinq premiers Valois" (Par. 1787, 4 Bde.), "Histoire critique de la république romaine" (das. 1807, 3 Bde.) und "Études de l'histoire ancienne et de l'histoire de la Grèce" (das. 1811, 5 Bde.) und lieferte eine Übersetzung des Thukydides (das. 1795-97, 4 Bde.).

Levetzow, 1) Ulrike, Freifräulein von, bekannt durch ihre Beziehungen zu Goethe, geb. 4. Febr. 1804 zu Leipzig, lebt als Ehrenstiftsdame "zum Heiligen Grab" auf ihrem Gut Triblitz unfern Leitmeritz in Böhmen. In Karlsbad, wo sie 1822 und 1823 in Begleitung ihrer Mutter verweilte, lernte sie der 73jährige Goethe kennen und faßte zu ihr eine leidenschaftliche Neigung, die Veranlassung zu dem berühmten Gedicht "Trilogie der Leidenschaft" gab.

2) Albert Erdmann Karl Gerhard von, deutscher Politiker, geb. 12. Sept. 1828 zu Gossow bei Königsberg in der Neumark, studierte zu Berlin, Heidelberg und Halle die Rechte, unternahm sodann größere Reisen und trat 1856 als Regierungsassessor in den preußischen Staatsverwaltungsdienst ein. 1860 schied er wieder aus, um sich der Bewirtschaftung seines Guts Gossow zu widmen, war außerdem Kreisdeputierter, befehligte 1866 eine Landwehrschwadron im Kriege gegen Österreich, wurde 1867 Landrat seines heimatlichen Kreises Königsberg i. d. N. und 1876 Landesdirektor der Provinz Brandenburg. Auch ist er Mitglied des brandenburgischen Provinzial- und des neumärkischen Kommunallandtags und präsidierte 1880 und 1881 der brandenburgischen Provinzialsynode. 1867-71 und wieder seit 1877 Mitglied des Reichstags, schloß er sich der deutsch-konservativen Partei an und war 1881-84 erster Präsident desselben. Bei der Neuwahl 1884 unterlag er seinem deutschfreisinnigen Gegenkandidaten. Kurz vorher wurde er zum Mitglied des Staatsrats ernannt. Seit 1887 ist er wieder Mitglied des Reichstags.

Levi (hebr., "Anhänglichkeit"), der dritte Sohn des Jakob, von der Lea, bekannt durch die Grausamkeit, mit welcher er und sein Bruder Simeon die Verführung seiner Schwester Dina an den Sichemiten rächten. Jakob tadelt noch auf dem Sterbebett diese That seiner Söhne. L. starb 137 Jahre alt und hinterließ drei Söhne: Gerson, Kehat (Ahn Moses' und Aarons) und Merari. S. Leviten.

Levi, Leone, engl. Statistiker und Nationalökonom, geb. 6. Juli 1821 zu Ancona, lebte seit 1844 in Liverpool, wo er 1847 naturalisiert ward. Auf seine Anregung wurde daselbst 1849 eine Handelskammer errichtet. Als Sekretär dieser Anstalt veröffentlichte er sein "Commercial law of the world" (1850-52, 4 Bde.; 2. Aufl. 1863 u. d. T.: "International commercial law"), in welchem Werk er eine internationale Handelsgesetzgebung befürwortete und wenigstens erreichte, daß in England die merkantilen Gesetze eine größere Vereinfachung in einzelnen