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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Libra - Libysche Wüste.

Zusammenfluß der Isle und der Dordogne und an der Orléansbahn, ist hübsch gebaut und regelmäßig angelegt, hat Boulevards (an Stelle der ehemaligen Ringmauern), ein Stadthaus und Theater, eine Bronzestatue des Herzogs von Decazes (auf dem Marktplatz), einen Uhrturm von 1367 (am Hafen, Überrest der ehemaligen Befestigungen) und (1886) 13,104 Einw., welche Weinbau, Fabrikation von Wollenstoffen und Militärbekleidungen, Schiffbau etc. und lebhaften Handel mit Wein, Getreide, Mehl, Vieh und Branntwein treiben. Neben der Küstenschiffahrt, welche hauptsächlich den Verkehr mit Bordeaux vermittelt (1884 sind von L. 1875 Schiffe mit 46,336 Ton. zur Küstenschiffahrt ausgelaufen), ist die eigentliche Seeschiffahrt von geringem Belang und in neuester Zeit fast völlig eingegangen. L. hat ein Kommunalcollège, eine Bibliothek von 12,000 Bänden, ein Museum, ein Zellengefängnis und ist Sitz eines Gerichtshofs und eines Handelsgerichts. L. wurde 1269 vom englischen Seneschall von Guienne, Roger de Leyburn, gegründet und nach ihm benannt. Vgl. Guinodie, Histoire de L. (2. Aufl., Libourne 1877, 3 Bde.).

Libra (span., "Pfund"), Handelsgewicht à 16 Onza à 8 Ochava; in Spanien und Spanisch-Amerika früher = 460 g; auf Manila 2 Proz. schwerer als das englische Pfund Avoirdupois angenommen; in den La Plata-Staaten = 459,367 g.

Libraire (franz., spr. -ähr), Buchhändler; L.-éditeur, Verlagsbuchhändler.

Librarĭus (lat.), im alten Rom derjenige, der sich mit Büchern beschäftigte, daher Bücherabschreiber, Sekretär, Kopist, Bücherverkäufer; im Mittelalter Bücherverleiher, Buchhändler (vgl. Buchhandel).

Librationen des Mondes (lat.), die scheinbaren "Schwankungen" desselben, welche bewirken, daß wir nicht immer und nicht von allen Punkten der Erde aus dieselben Teile der Mondoberfläche erblicken, so daß uns im ganzen nur etwa drei Siebentel dieser Fläche unsichtbar bleiben. Die von dem verschiedenen Standpunkt des Beobachters auf der Erde herrührende Libration heißt die parallaktische; sie kann nach jeder Seite hin stattfinden, beträgt höchstens etwas über 1°, weil die Entfernung des Mondes vom Erdmittelpunkt ungefähr 60 Erdhalbmesser beträgt, und würde bei größerer Entfernung geringer werden. Die andern ungleich größern L., welche man Libration in Länge und Libration in Breite nennt, werden durch die doppelte Bewegung des Mondes, seinen Umlauf um die Erde und seine genau in derselben Zeit vor sich gehende Rotation, veranlaßt. Erfolgte der Umlauf wie die Rotation ganz gleichförmig, und stände die Rotationsachse senkrecht auf der Ebene der Bahn, so würde ein Beobachter in einem bestimmten Punkte der Erde immer genau dieselben Punkte am Rande des Mondes erblicken. Da aber die Bewegung in der Bahn verschiedene, ziemlich beträchtliche Ungleichheiten zeigt, so wird bald auf der einen, bald auf der entgegengesetzten Seite im Sinn der selenographischen Länge ein bis 7° 35' reichendes Stück der vorher unsichtbaren Seite des Mondes sichtbar. Und da auch die Achse von der senkrechten Lage abweicht, so kann man zeitweilig über den einen und dann wieder über den andern Pol des Mondes um 6° 47' hinaus beobachten; dies ist die Libration in Breite. Auf diese letztere und die parallaktische Libration hat zuerst Galilei 1637 aufmerksam gemacht, die in Länge fanden Hevel und Riccioli. Eine von diesen bloß scheinbaren oder optischen L. verschiedene physische ist vermutet, aber noch nicht sicher durch Beobachtung nachgewiesen worden.

Librerīa, die von Jacopo Sansovino in den Jahren 1536-48 erbaute Bibliothek San Marco an der Piazzetta zu Venedig, welche zur Aufnahme der von Petrarca und den Kardinälen Bessarion und Grimani der Stadt vermachten Büchersammlungen bestimmt war. In der L. gipfelt die Baukunst der venezianischen Hochrenaissance (s. Tafel "Baukunst XII", Fig. 3). Die innern Räume sind mit Gemälden von Tizian, Veronese, Tintoretto u. a. dekoriert. Die Bücher wurden 1812 in den Dogenpalast gebracht, und die innern Räume sind jetzt mit dem Palazzo Reale in Verbindung gebracht. - Auch in Siena gibt es eine zum Dom gehörige L., welche durch zehn Fresken von Pinturicchio kunstgeschichtlich bedeutend ist.

Libretto (ital., "kleines Buch"), Kunstausdruck für den einer Oper zu Grunde liegenden Text (Textbuch); Librettist, der Verfasser eines solchen.

Libreville (spr. libr'wil, auch Plateau), Hauptstadt der franz. Kolonie Gabun (s. d.).

Libri feudōrum (lat.), s. Lehnswesen, S. 632.

Libriformzellen, s. Holz, S. 669.

Liburnĭen, im Altertum das Küstenland Illyriens zwischen Fiume und der Narenta mit den davorliegenden Inseln. Die Liburner, eine südlich bis nach Kerkyra verbreitete illyrische Völkerschaft, hatten sich als kühne Seefahrer, aber auch als Piraten, schon frühzeitig großen Ruf erworben. Um die Mitte des 2. Jahrh. unterwarfen sie sich freiwillig den Römern. Haupthandelsstadt des Landes war Jader (heute Zara), der Versammlungsort des aus 14 Städten bestehenden liburnischen Bundes Scardona. 634 n. Chr. kamen auf Kaiser Heraklios' Einladung die Chrovati (Kroaten) aus ihren Sitzen in Galizien und Südpolen hierher gewandert und machten das Land zu einem slawischen. S. Karte bei "Italia".

Liburnus (Portus L.), lat. Name von Livorno.

Libussa (tschech. Libuša, spr. libuscha), nach der böhm. Sage (etwa um 700) die Gründerin von Prag, die jüngste Tochter Kroks, des Herrn von Wyschehrad. Nach des Vaters Tod wurde L., die sich durch Schönheit, Klugheit und männlichen Charakter auszeichnete, zur Regentin gewählt. Als das Volk, der Frauenherrschaft müde, verlangte, daß sie einen Gatten wähle, trug sie Přemysl, dem Herrn zu Staditz, ihre Hand an. Die Abgesandten trafen ihn, wie er eben, den Pflug in der Hand, das Feld bestellte. Er ward Libussas Gemahl und König. Beide sind die sagenhaften Ahnen des Geschlechts, welches in Böhmen in männlicher Linie bis 1306 regierte. Ein in seiner Echtheit vielbestrittenes Gedicht, die sogen. Grünberger Handschrift (s. d.), führt den Titel: "Libušin soud" ("Libussas Gericht") und behandelt als Bruchstück eine Episode aus ihrem Herrscherwalten. Dramatisch behandelte die Geschichte der L. Kl. Brentano in dem Schauspiel "Die Gründung Prags" (1815).

Libyen, Name für Afrika, wie er schon bei Homer vorkommt, und wie ihn die Griechen von den Ägyptern für das Land westlich vom Nilthal (Libu) erfahren haben. Noch Hekatäos sah dasselbe als den westlichen Teil des asiatischen Festlandes an. Erst in der hellenistischen Zeit wird der Name L. auch auf das Land östlich bis zum Arabischen Meerbusen ausgedehnt.

Libysche Wüste, der nordöstliche Teil der Sahara, im N. vom Plateau von Barka, im O. vom Nilthal begrenzt, ist ein ungeheures, von O. nach W. geneigtes, sandiges Hochland, dessen traurige Einförmigkeit nur selten durch Einsenkungen, in welchen sich Oasen befinden, unterbrochen wird. Im W. von Nubien und