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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Libyssa; Lic.; Licāta; Licentĭa; Licenzen; Licet; Lich; Lichanos; Lichas; Lichen; Lichenīn; Lichenologīe; Lichfield; Lichnowski

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Libyssa - Lichnowski.

Ägypten verfolgt von der Breite von Dongola an eine Oasenreihe eine dem Nil nahezu parallel laufende Linie. Sie beginnt mit der Oase El Kab, 80 km westlich von Dongola, darauf folgen Selimeh, El Schebb, Had, Abutingil, Halfaha, Kurkur, die Oasengruppen von Chargeh, Dachel, Farafrah und Beharieh. Dann setzt sich die Depression fort in den Oasen Siwah, Audschila und Dschalo, von denen südlich das ausgedehnte Oasengebiet von Kufra sich erstreckt. Die Tiefe dieser Einsenkungen in das Wüstenplateau ist eine sehr verschiedene; während Chargeh 75 m, Dachel 120, Farafrah 85 und Baharieh 100 m ü. M. liegen, sinkt die Oase Siwah 32 m unter das Meer, ja andre Stellen dieses Oasenzugs, dem die große Karawanenstraße von Ägypten bis Tripolis folgt, sollen noch tiefer sinken, so Bahreïn 50, Aradj 75 m. Dagegen liegt nach Stecker Dschalo schon wieder 15 und Audschila 28 m ü. M. Vgl. Zittel, Briefe aus der Libyschen Wüste (Münch. 1875); Rohlfs, Drei Monate in der Libyschen Wüste (Kassel 1875); Dümichen, Die Oasen der Libyschen Wüste (Straßb. 1878); Jordan, Physische Geographie der Libyschen Wüste (Kassel 1880).

Libyssa, Stadt in Bithynien, auf der Nordküste des Meerbusens von Astakos. Hier vergiftete sich Hannibal 183 v. Chr. und ward daselbst begraben.

Lic., Abkürzung für Lizentiat.

Licāta (Alicata), Stadt in der ital. Provinz Girgenti (Sizilien), am Mittelländischen Meer und an der Mündung des Salso gelegen, Endpunkt der Eisenbahn Catania-L., mit einem alten Kastell, einer gotischen Kirche, einer technischen Schule, einem seichten Hafen, in welchem 1885: 1075 Schiffe mit 631,160 Ton. ein- und ausliefen, bedeutender Ausfuhr von Schwefel etc. und (1881) 17,478 Einw. L. ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Licentĭa (lat.), Erlaubnis, Freiheit, die man sich nimmt. L. concionandi, Befugnis, zu predigen; l. docendi, Befugnis, Vorlesungen an einer Universität zu halten; l. maritalis, in der alten fränkischen Gesetzgebung der Ehekonsens, welchen die Herren ihren Leibeignen gegen Erlegung einer Abgabe erteilten; l. poetica, dichterische Freiheit (s. Dichterische Freiheiten).

Licenzen, s. Lizenzen.

Licet (lat.), es steht frei, ist erlaubt.

Lich, Stadt in der hess. Provinz Oberhessen, Kreis Gießen, an der Wetter und der Linie Gießen-Gelnhausen der Oberhessischen Eisenbahn, hat eine evang. Stiftskirche, ein Schloß des Fürsten von Solms-Hohensolms-L. nebst Park, eine Präparandenanstalt, ein Amtsgericht, eine Oberförsterei und (1885) 2499 meist evang. Einwohner.

Lichanos, s. Griechische Musik, S. 730.

Lichas, Diener des Herakles, überbrachte demselben von der Deïaneira das vergiftete Gewand und wurde von ihm ins Meer geschleudert, wo sein Leichnam in eine Klippe verwandelt wurde; s. Herakles, S. 397.

Lichen L., alte Pflanzengattung, unter welcher früher fast alle Flechten begriffen wurden; Lichenes, die Klasse der Flechten (s. d.). L. islandicus, isländisches Moos; L. islandicus ab amaritie liberatus, entbittertes isländisches Moos.

Lichen (lat., Schwindflechte), eine Hautflechte, welche sich durch chronischen Verlauf und durch eine Knötchenbildung auszeichnet, welche nicht in höhere Grade der Entzündung übergeht. Hebra unterscheidet L. scrophulosorum, der sich in Form flacher, roter bis bräunlicher, zu thalergroßen Gruppen angeordneter Knötchen darstellt, und L. ruber (rote Schwindflechte), eine sehr eigentümliche, zuweilen den ganzen Körper befallende Ausschlagkrankheit, aus harten, rauhen, fast stachlichten, roten Knötchen bestehend, welche so hartnäckig ist, daß sie durch Erschöpfung zum Tod führen kann. Die Krankheit hat ihren Sitz um die Haarfollikel; sie wird vielfach mit syphilitischen Ausschlägen verwechselt. Das souveräne Mittel gegen L. ist der Arsenik in Form der Fowlerschen Lösung. L. tropicus (roter Hund), eine stark juckende, in kreisförmigen, stark geröteten Flecken an den bedeckten Körperstellen unter dem Einfluß der Tropenhitze auftretende Hautaffektion, welche besonders die neu angekommenen Europäer plagt, ist ohne weitere Bedeutung.

Lichenīn (Flechtenstärke, Moosstärke) C6H10O5 ^[C_{6}H_{10}O_{5}] findet sich in vielen Flechten, auch in Algen und Moosen, aber nie in der Form von Körnchen. Man erhält es durch Auskochen von entbittertem isländischen Moos mit Wasser und Fällen der Abkochung mit Alkohol. Es ist farblos, durchscheinend, geruch- und geschmacklos, quillt in Wasser, gibt mit kochendem Wasser eine schleimige, beim Erkalten gelatinierende Lösung, ist unlöslich in Alkohol und Äther, wird durch Jod schmutzig blau gefärbt, verwandelt sich bei anhaltendem Kochen mit Wasser in einen dextrinartigen Körper und beim Kochen mit Schwefelsäure in Zucker. Bei arzneilicher Benutzung des isländischen Mooses als ernährenden Mittels ist L. der wirksame Stoff, weshalb man das Moos zu diesem Zweck mit Wasser kochen muß.

Lichenologīe (griech.), Flechtenkunde; Lichenolog, ein Flechtenkenner.

Lichfield (spr. lítschfihld), Stadt in Staffordshire (England), Sitz eines Bischofs, mit frühgotischer Kathedrale, einem theologischen Seminar, berühmter Lateinschule (von Addison, Johnson und Garrick besucht), einem Denkmal Samuel Johnsons und (1881) 8360 Einw.

Lichnowski, fürstliche, aus Polen gebürtige, in Österreich und Preußen begüterte Familie, erhielt 1702 die Würde der Freiherren von L. und edlen Herren von Woschütz und wurde 1721 in den böhmischen, 1727 in den Reichsgrafenstand, 1772 in den preußischen und 1846 in den österreichischen Fürstenstand erhoben; seit 1740 führen die L. auch den Namen der Grafen von Werdenberg und seit 1861 das von König Wilhelm I. erteilte Prädikat "Durchlaucht". Die namhaftesten Sprößlinge derselben sind:

1) Eduard Maria, Fürst, geb. 19. Sept. 1789, folgte seinem Vater, dem Fürsten Karl L., 1814 und starb 1. Jan. 1845 in München. Er ist Verfasser der unvollendet gebliebenen, nur bis Maximilian I. reichenden "Geschichte des Hauses Habsburg" (Wien 1836-44, 8 Bde.).

2) Felix Maria Vinzenz Andreas, Fürst, geb. 5. April 1814, ältester Sohn des vorigen, trat 1834 in die preußische Armee, nahm aber 1838 seine Entlassung und ging in die Dienste des spanischen Prätendenten Don Karlos, welcher ihn zum Brigadegeneral und zu seinem Generaladjutanten ernannte. Seine Erlebnisse in Spanien, von wo er 1840 zurückkehrte, schildern seine "Erinnerungen aus den Jahren 1837-39" (Frankf. 1841-42, 2 Bde.). In Brüssel und Paris, wo er 1840 verweilte, schrieb er seine "Erinnerungen" und verwickelte sich dadurch in einen Streit mit dem General Montenegro, der zu einem Duell führte, in dem L. schwer verwundet wurde. Nach seiner Genesung machte er eine Reise nach Lissabon, über die er in "Portugal, Erinnerungen aus dem Jahr 1842" (Mainz 1843) berichtete. An dem