Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

773

Lieberose - Liebig.

lung des Fiebers" (das. 1872); "Handbuch der Pathologie und Therapie des Fiebers" (das. 1875); "Vorlesungen über spezielle Pathologie und Therapie" (das. 1885-87, Bd. 1-3) und verschiedenes in Ziemssens "Handbuch der speziellen Pathologie".

Lieberose, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Frankfurt, Kreis Lübben, in der gräflich Schulenburgschen Standesherrschaft und an der Linie Frankfurt a. O.-Kottbus der Preußischen Staatsbahn, hat ein großes Schloß aus dem 18. Jahrh., 2 Kirchen (darunter die interessante deutsche oder Stadtkirche aus dem 16. Jahrh.), ein Amtsgericht, Torfgräberei, Ziegelbrennerei, Holzhandel und (1885) 1660 evang. Einwohner. L. wird zuerst 1295 urkundlich erwähnt.

Liebersche Auszehrungskräuter, s. Galeopsis.

Liebertwolkwitz, Flecken in der sächs. Kreis- und Amtshauptmannschaft Leipzig, 11 km südöstlich von Leipzig, an der Linie Leipzig-Geithain-Chemnitz der Sächsischen Staatsbahn, hat (1885) 2440 evang. Einwohner. Hier 14. Okt. 1813 Kavalleriegefecht zwischen den Alliierten und Franzosen, Einleitung zur Schlacht bei Leipzig (s. d.).

Liebesapfel, Pflanzengattung, s. Lycopersicum.

Liebesbaum, s. v. w. Judasbaum, s. Cercis.

Liebesblume, s. Agapanthus.

Liebesbrüderschaft, s. Familisten.

Liebesgott, s. Eros.

Liebesgras, s. Briza.

Liebeshöfe, s. Minnehöfe.

Liebeslocke, nach der Mode des Adels im 17. Jahrh. eine einzelne Locke, die am linken Ohr auf die Schultern herabhing, während das übrige Haar kürzer verschnitten war.

Liebesmahle, s. Agapen.

Liebespfeil, s. Lungenschnecken.

Liebestrank, s. Philtron.

Liebeswahnsinn, s. Erotomanie.

Liebfrauenbettstroh, s. Galium.

Liebfraueneis, s. v. w. blätteriger Gips.

Liebfrauenmilch, s. Rheinhessische Weine.

Liebhaber, in der Bühnensprache ein Rollenfach, dessen Bedeutung sich aus dem Namen ergibt. Äußerliche Vorzüge, wie Jugend, Schönheit der Gestalt und des Organs, gesellige Tournüre und feine Weltbildung, sind in demselben unentbehrlich. Man teilt die Liebhaberrollen in erste L., worunter auch häufig die Helden mitbegriffen sind, und jugendliche L., die oft auch die Bonvivants etc. mit umfassen.

Liebieg, Johann, Freiherr von, Industrieller, geb. 7. Juni 1802 zu Braunau in Böhmen, erlernte bei seinem Vater die Tuchmacherei, arbeitete dann in Reichenberg, etablierte hier einen kleinen Kramladen, dann ein Schnittwarengeschäft, erwarb 1828 eine kleine Spinnerei und führte bald darauf die Fabrikation von Merinos, Lastings und Tibets ein, welche schnell einen großartigen Aufschwung nahm. 1843 verpflanzte er die Herstellung von Orléans und Mohairs nach Böhmen, seine Fabriken vergrößerten sich von Jahr zu Jahr, und 1850 gründete er eine Worstedspinnerei mit 5400 Spindeln. 1873 waren in diesem Reichenberger Etablissement 600 mechanische und 180 Handwebstühle und 5300 Weftgarn- und 2000 Streichgarnspindeln in Thätigkeit. 1845 hatte er inzwischen in Swarow eine Baumwollspinnerei eröffnet, mit welcher er zehn Jahre später eine Spinnerei und Zwirnerei im benachbarten Haratitz verband. Hier waren 1873: 47,000 Baumwollspindeln, 6400 Zwirnspindeln und 400 mechanische Webstühle in Thätigkeit. Eine zweite großartige Baumwollspinnerei errichtete er von 1856 bis 1863 in Eisenbrod, und etwa um dieselbe Zeit erbaute er in Mildenau im Bezirk Friedland eine Kammgarnspinnerei, verbunden mit 120 Handwebstühlen, während er in den umliegenden Ortschaften Hunderte solcher Stühle beschäftigte. Schon 1841 hatte er für sein Zentraldepot in Wien eine Färberei und Appreturanstalt in Mödling errichtet, welche er aber 1845 nach Nußdorf verlegte. 1852 erwarb er im südlichen Biharer Komitat eine verlassene Glashütte und bedeutende Waldungen; er siedelte hier böhmische Arbeiter an, erbaute mit großem Aufwand Straßen, richtete die Glashütte wieder ein und erzeugte bald 60,000 Ztr. Glas im Jahr. Doch verkaufte er die Besitzung 1866. In der Folge begründete und erwarb L. ferner eine großartige Kunstmühle in Haratitz, Dachschieferbrüche in Racic bei Eisenbrod, Kupferwerke zu Rochlitz in Böhmen und Guttenstein in Niederösterreich, eine Spiegelfabrik zu Elisenthal in Böhmen, Kalksteinbrüche und Kalköfen bei Smrc bei Eisenbrod, eine Dampfbrettsäge und eine Bierbrauerei auf den Domänen Smiriz und Horinowes im Königgrätzer Kreis, zu welch letztern er später noch die Waldherrschaft Daschitz hinzukaufte. Für seine (6300) Arbeiter und Beamte richtete er viele humanitäre Anstalten ein, Unterstützungsinstitute, Bäckereien, Speiseanstalten, Unterrichtsanstalten etc., welche einen jährlichen Aufwand von 20,000 Gulden erheischten. Vielfach beteiligte sich L. auch an öffentlichen Angelegenheiten. Er war Vorstand des Reichenberger Gewerbevereins, Präsident der Handelskammer daselbst, Delegierter der Regierung beim volkswirtschaftlichen Ausschuß in Frankfurt a. M. 1849, Mitglied der Kommission zur Regulierung der Valuta 1851, Reichsratsmitglied etc. 1866 wurde er in den Ritterstand erhoben und starb 16. Juli 1870. Vgl. "Johann L. Ein Arbeiterleben" (Leipz. 1868).

Liebig, Justus, Freiherr von, Chemiker, geb. 8. Mai 1803 zu Darmstadt, arbeitete 1818 als Lehrling in der Apotheke zu Heppenheim und ging mit Unterstützung des Großherzogs nach Bonn und Erlangen, wo er Naturwissenschaft, besonders Chemie, studierte. 1822 ging er nach Paris und erwarb bei einem Vortrag über seine die Knallsäure betreffenden Untersuchungen vor der Akademie der Wissenschaften die Gunst A. v. Humboldts, der ihm das Privatlaboratorium Gay-Lussacs eröffnete, und auf dessen Empfehlung er 1824 außerordentlicher und 1826 ordentlicher Professor der Chemie in Gießen wurde. Hier errichtete er aus eignen beschränkten Mitteln das erste chemische Laboratorium für experimentellen Unterricht und erhob die Universität zu einem Zentralpunkt des chemischen Studiums. L. bethätigte eine außerordentliche Begabung als Lehrer, keiner hat es wie er verstanden, chemische Schule zu machen; aus allen Ländern strömten ihm Schüler zu, und eine große Zahl der hervorragendsten Chemiker der Gegenwart hat sich in Gießen unter ihm gebildet. Er errang in Deutschland der Chemie die Stellung, welche sie heute einnimmt, und durch sein Wirken hat sich die Überzeugung Bahn gebrochen, daß die Chemie mehr sei als Experimentierkunst, und daß sie als Wissenschaft gelehrt und gelernt werden müsse. Als Forscher ist L. auf dem Gebiet der Chemie, der Physiologie und der Landwirtschaft mehr als produktiv gewesen, er war für jede dieser Disziplinen Reformator. Er wandte sich in Gießen zunächst der organischen Chemie zu und schuf als mächtigstes Hilfsmittel für dies Studium eine verbesserte Elementaranalyse, die in den wesentlichsten Zügen noch heute gebräuchlich ist. Er untersuchte zahlreiche organische Säuren, studierte die