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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Liljeholm; Lill; Lilla; Lille

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Liljeholm - Lille.

Von den Lilien mit langer, überhängender Blüte und schmalen, nichtgestielten Blättern, die sämtlich in Südostasien heimisch sind, ist L. japonicum Thunb. nur ein-, L. longiflorum Thunb. mehrblütig; beide stammen aus Japan, haben weiße Blüten und sind jetzt ziemlich häufig in Gärten. Die dritte Gruppe der Lilien hat glockenförmige, überhängende oder aufrechte Blüten. Hierher gehört die weiße Lilie (L. candidum L.), aus Vorderasien, eine seit uralter Zeit beliebte Zierpflanze, die bis jetzt noch nicht wild gefunden wurde, aber sehr leicht verwildert. Sie wird in den ältesten Gesängen der Perser und Syrer gefeiert und galt früh als Sinnbild der Unschuld und Reinheit; als solches ging sie auch in das Christentum über (erscheint dann oft ohne Staubgefäße!), und Ludwig VII. von Frankreich nahm sie in sein Wappen auf (vgl. Lilie). Lilienorden wurden in der Folge mehrfach gestiftet, zuletzt 1814 vom Grafen von Artois (Karl X. von Frankreich; erloschen 1830). Die weiße Lilie wird 1,5 m hoch und trägt 5-20 weiße Blüten. Man kultiviert sie in mehreren Varietäten. Zwiebel und Blüten hat man früher als Heilmittel benutzt, auch werden die Zwiebeln im Orient gegessen. Aufrechte, rote, orangefarbene oder gelbe Blüten haben die Feuerlilien, von denen L. bulbiferum L., in Kärnten und den Österreichischen Alpen, am bekanntesten ist; sie besitzt orangerote, braun punktierte Blüten und trägt gewöhnlich in den Blattwinkeln zahlreiche kleine Zwiebeln, durch welche sie vermehrt werden kaum mehr safranfarbig ist L. croceum Chaix, aus Südfrankreich, während L. dauricum Gawl., aus Südsibirien, eine Dolde mennig- oder orangeroter Blüten und unter diesen einen Blattquirl trägt. L. speciosum Thunb. (L. lancifolium hort.), aus Japan, mit überhängender, ursprünglich weißer, häufig rot gefleckter Blume und am obern Teil etwas zurückgezogenen Blumenblättern, wurde durch v. Siebold aus Japan eingeführt, fand große Verbreitung in den Gärten, wird jetzt aber, so schön sie ist, nur noch in einigen Gegenden gesehen. L. auratum Lindl. (s. Tafel "Zimmerpflanzen II"), aus Japan, über 1 m hoch, mit über 13 cm langen, weißen, rotbraun punktierten Blumenblättern, auf deren Mittelnerv eine gelbe Binde verläuft. Die vierte Gruppe der Lilien umfaßt die Türkenbund arten, mit stark zurückgerollten Blumenblättern. Hierher gehört die Tigerlilie (L. tigrinum Gawl.), aus China und Japan, welche an der Spitze des 2 m hohen Stengels zahlreiche feuerrote, schwarz punktierte Blüten in pyramidaler Rispe und in den Blattwinkeln kleine Zwiebeln trägt. L. Martagon L., in fast ganz Europa und Nordasien, wird 1 m hoch, hat quirlförmig gestellte Blätter und rotbraune, selten weiße, innen braun punktierte, überhängende Blüten in endständiger, lockerer Traube. Die gelbe Zwiebel war früher offizinell und wird in Sibirien gegessen. Dieser Art steht L. superbum L., aus Nordamerika, nahe, welche 2 m hoch wird, ebenfalls quirlförmig gestellte Blätter besitzt und auf gutem Boden bis zwölf scharlachrote, im untern Teil gelbe, purpurrot punktierte Blüten trägt. Vgl. Cannart d'Hamale, Monographie des lis (Mecheln 1870); Duchartre, Observations du genre lis ("Journal de la Société d'horticulture de Paris" 1870); Koch, Das Geschlecht der Lilien ("Wochenschrift für Gärtnerei und Pflanzenkunde" 1870); Rümpler, Die schönblühenden Liliengewächse (Berl. 1882).

Liljeholm, Vorstadt von Stockholm, im SW. von Södermalm, an der Eisenbahn Katrineholm-Stockholm, am Årstaviken, einem Busen des Mälar, hat großartige Eisenbahnwerkstätten und steht mit der Stadt in regelmäßiger Dampferverbindung.

Lill (schwed.), in zusammengesetzten Ortsnamen vorkommend, bedeutet "klein".

Lilla, s. v. w. Lila.

Lille (spr. lihl, vläm. Ryssel), Hauptstadt des franz. Norddepartements, liegt 24 m u. M. in einer weiten, von verschiedenen kanalisierten Armen der Deule bewässerten, fruchtbaren Ebene, ist eine wichtige Fabrikstadt, Knotenpunkt von sieben Eisenbahnlinien und Festung ersten Ranges. Sie ist von einer bastionierten Enceinte umgeben, welche im Lauf der Zeit mit dem Anwachsen der Stadt weiter hinausgerückt werden mußte und gegenwärtig aus den Jahren 1858-66 stammt, bei welcher Gelegenheit vier Gemeinden in den Stadtverband aufgenommen wurden. Von den alten Thoren ist nur das Pariser, ein dorischer Triumphbogen von 1682, erhalten geblieben. Von der Stadt durch eine weite Esplanade und durch Promenaden (mit dem Denkmal des Generals Négrier) getrennt, steht das Meisterwerk Vaubans, die Citadelle, welche ein unregelmäßiges Fünfeck bildet. Nach Vollendung der neuen Befestigungswerke wird L. sieben Forts in einem Umkreis von etwa 80 km haben. Hervorragende architektonische Werke besitzt L. wenige, darunter einige alte Kirchen (St.-Maurice, St.-Sauveur etc.), die neue, 1855 begonnene noch unvollendete Kirche Notre Dame de la Treille ferner das Stadthaus, in dessen zweitem Stockwerk die bedeutenden Sammlungen des Museums untergebracht sind, die Börse (begonnen 1652), vor welcher sich die zur Erinnerung an die Belagerung von 1792 errichtete Säule erhebt, das Präfekturgebäude, der Justizpalast, das Theater etc. Die Zahl der Einwohner beträgt (1881) 145,113, mit dem ganzen Gemeindegebiet 178,144 (1886: 188,272). Von größter Bedeutung ist L. als der Mittelpunkt einer reich entwickelten Industrie, welche insbesondere in den verschiedenen Zweigen der textilen Gewerbe für den Weltmarkt arbeitet und der Stadt den Charakter einer Fabrikstadt verleiht. Es finden sich hier vertreten: die Leinenspinnerei mit ¼ Mill. Spindeln und etwa 6000 Arbeiterinnen; die Fabrikation von Nähzwirn mit 4-5000 Arbeitern, von Spitzenzwirn (letztere gegen früher zurückgegangen) und Leinenwaren (Damast); die Baumwollspinnerei mit ½ Mill. Feinspindeln und 7-8000 Arbeitern; die Schafwollweberei und die Fabrikation von Tüll und Spitzen, obgleich auch die letztgedachte Industrie sich in letzter Zeit mehr und mehr nach andern Produktionsorten (Calais etc.) gewendet hat. Lebhaft betriebene Färberei, Bleicherei und Appretur stehen in inniger Verbindung mit den genannten Zweigen der Textilindustrie, neben welcher der Bau von Maschinen und Werkzeugen in mehreren großartigen Etablissements, Ölraffinerie, die chemische Produktion, Zucker- und Papierfabrikation, Bierbrauerei und Tabaksfabrikation zahlreichen Arbeitskräften Beschäftigung bieten. Nicht minder bedeutend ist der Handel mit den Erzeugnissen der Industrie sowie mit Kolonialwaren, Wein, Branntwein, Likör und mit den Produkten der blühenden Landwirtschaft der Umgebung. Der Warenverkehr beim Zollamt von L. (Einfuhr und Ausfuhr) beläuft sich im Jahresdurchschnitt auf eine Wertziffer von 66-70 Mill. Frank. Der Handel von L. findet ein erfolgreiches Förderungsmittel in einem vielverzweigten Netz von Kommunikationen, welches sich einerseits aus wohlerhaltenen gepflasterten Straßen nach allen Richtungen, anderseits aus der Deule und