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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Lippehne - Lippert.

13 Jahren das Rittergut Thum bei Chemnitz, das er fünf Jahre besaß. 1867 siedelte er nach Dresden über, und 1872 ging er als Professor nach Rostock. Unter seiner Hand entstanden für die bäuerlichen Landwirte Mecklenburgs (die sogen. Erbpachter) über das ganz Land sich verzweigende Vereine, die er fest organisierte. 1878 zog er sich auf seine Besitzung in Schlesien (Schloß Oberschönfeld) zurück. Er schrieb: "Landwirtschaftliche Buchhaltung" (Leipz. 1858); "Der landwirtschaftliche Ertragsanschlag" (das. 1862); "Lehrbuch der allgemeinen Landwirtschaft nach Fr. Gottl. Schulzes System" (mit Emminghaus, das. 1863); "Der Landwirt in Bezug auf Familie, Gemeinde, Kirche und Staat" (das. 1863); "Raubbau oder nicht?" (das. 1865); "Die rationelle Ernährung des Volkes" (das. 1866); "Die Grundsätze der Züchtung" (Ehrenfriedersdorf 1868); "Landwirtschaftliches Lesebuch für den kleinern Landwirt" (Dresd. 1871-75); "Für die Praxis, landwirtschaftliche Vorträge und Abhandlungen" (Leipz. 1879); "Der Kompost und seine Verwendung" (das. 1878). Außerdem gab er seit 1866 einen landwirtschaftlichen Kalender für die kleinen Landwirte (seit 1882 von dessen Sohn Kurt, Graf zur L., und Krieger in Schweidnitz fortgesetzt), seit 1872 die "mecklenburgischen Annalen" und seit 1866 das "Landwirtschaftliche Vereinsblatt" heraus.

Lippehne, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Frankfurt, Kreis Soldin, am Wendelsee und der Eisenbahn Stargard-Küstrin, hat eine schöne Kirche, ein Amtsgericht, ein Bismarckdenkmal (anläßlich einer im J. 1842 von dem damaligen Landwehroffizier v. Bismarck bewirkten Rettung eines Landwehrreiters vom Tode des Ertrinkens errichtet), eine Maschinenfabrik und Eisengießerei, Brachsen- und Maränenfischerei, Torfgräberei und (1885) 3865 meist evang. Einwohner. Von der mittelalterlichen Befestigung sind ein Teil der Stadtmauern und 2 Thortürme erhalten.

Lippen (Labia), die beiden wulstigen Ränder der Mundöffnung, sind Hautfalten, welche durch besondere Muskeln einander bis zum Verschluß des Mundes genähert werden können. Bei den Wirbeltieren geschieht dies durch einen den Mund kreisförmig umgebenden Muskel; die L. selbst sind außen mit der allgemeinen (beim Menschen hier äußerst dünnen) Körperhaut, innen mit dem Anfang der Darmschleimhaut überzogen und gewöhnlich mit Drüsen versehen. In vielen Fällen dienen sie als Tastorgane und sind dann mit Nerven äußerst reichlich ausgestattet. Beim Menschen speziell ist ihre hochrote Farbe die Folge der in ihnen zahlreich verbreiteten Blutgefäße. Bei Säuglingen hat die innere Zone der Schleimhaut zottenähnliche Hervorragungen, welche beim Saugen durch den (bei den Erwachsenen relativ schwächern) sogen. Saugmuskel an die Brustwarze der Mutter fest angedrückt werden. Beim Mann sind sie mit starken Haaren (s. Bart) mehr oder weniger bedeckt. - Im übertragenen Sinn wird der Ausdruck L. auch zur Bezeichnung andrer eine Öffnung umgebender Falten gebraucht.

Bei der äußern Schädlichkeiten sehr ausgesetzten Lage der L. und bei ihrem Gefäßreichtum sind Erkrankungen der L. keine Seltenheit. Angeboren ist die Lippenspalte oder Hasenscharte (s. d.). Die Doppellippe findet sich am häufigsten an der Oberlippe und ist dadurch charakterisiert, daß sich unter dem Lippenrot ein mehr oder weniger dicker, wurstartiger Wulst bildet, welcher durch eine Furche von der eigentlichen Lippe abgesetzt ist und daher den Anschein einer doppelten Lippe bewirkt. Häufig, besonders an der Unterlippe und bei reifern Männern, kommt an den L. der Krebs in der Form einer Geschwulst vor, die entweder primär entsteht, oder aus einer warzigen Verdickung sich entwickelt. Es bildet sich zunächst ein kleines Knötchen in der Haut der Lippe, welches langsam an Umfang zunimmt und allmählich die über ihm liegende Haut mehr und mehr verdünnt. Zuletzt tritt die Geschwulst frei zu Tage und erscheint als höckerige Geschwürsfläche. Dabei breitet sich die Geschwulst immer mehr nach allen Richtungen bin aus, es erfolgt schließlich Jauchebildung und Zerfall der krebsig infiltrierten Teile. Dabei werden die benachbarten Lymphdrüsen ergriffen und ebenfalls in Krebsgeschwülste umgewandelt. Die Krankheit heilt nie von selbst, durch Ätzung und Ausschneidung des Krebsknotens wird aber oft vollständige Heilung herbeigeführt. Erfolgt die Operation zu spät, so entwickeln sich im Operationsgebiet ähnliche Geschwulstmassen wie diejenigen, welche entfernt wurden, bis endlich der Kranke, erschöpft durch den Säfteverlust von jauchendem Geschwür, zu Grunde geht.

Lippenbildung (Cheiloplastik), chirurgische Operation, wird nach Exstirpation der Lippen ausgeführt, indem man das Fehlende aus der Armhaut oder der angrenzenden Gesichtshaut ersetzt.

Lippenblume, eine Form der unregelmäßigen Blüten, s. Blüte, S. 70.

Lippenblütler, s. Labiaten.

Lippenlapp (Lipplapp), altertümlich s. v. w. thörichter Mensch, dummer Schwätzer.

Lippenlaute, s. Sprache und Sprachwissenschaft.

Lippenpfeifen, s. Blasinstrumente und Schall.

Lippenpflöcke, Klötzchen oder Scheiben aus korkleichtem Holz (meist von einer Bombax-Art), die bei verschiedenen südamerikanischen Indianerstämmen, namentlich Abiponen, Botokuden (s. d.), Suya und Toba, in der Unterlippe getragen werden, oft in Begleitung ähnlicher Pflöcke in den Ohrläppchen. Diese bei den Suya Nigakoko genannten Scheiben sind zierlich gearbeitet, 7-10 cm im Durchmesser und gegen 1,5-3 cm dick, am Rand mit einer hohlkehlenartigen Vertiefung, durch welche sie im Lippensaum festen Halt gewinnen. Die obere Fläche und der Rand sind gewöhnlich rot bemalt, die untere Seite weiß mit schwarzen Kreisen und Rosetten. Das Loch wird in früher Jugend dicht an dem Lippenrot in der Mitte gebohrt und durch immer größere Scheiben mit den Jahren erweitert. Die Scheibe zieht die Lippe in eine horizontale Lage, bewirkt Schiefwerden und Ausfallen der untern Schneidezähne und beeinflußt die Sprache. Vgl. Tafel "Amerikanische Völker", Fig. 20 u. 21.

Lippenpomade, s. Cerate.

Lippert, Philipp Daniel, Zeichner und Bildformer, geb. 2. Sept. 1702 zu Meißen, war erst Beutler, dann Glaser und später Zeichenmeister bei der Porzellanmanufaktur in Meißen, von wo er in gleicher Eigenschaft nach Dresden kam. Hier starb er 28. März 1785 als Aufseher der Antiken bei der Akademie der Künste. Die Bekanntschaft mit den Mischungen der Meißener Porzellanmasse hatte ihn veranlaßt, sich im Nachahmen alter Pasten zu versuchen, und er erfand hierzu eine eigne weiße Masse, der er neben unzerstörbarer Dauer einen vorzüglichen Glanz zu geben wußte. Eine Sammlung seiner (3149) Abdrücke veranstaltete er in der "Dactyliotheca" (Bd. 1 u. 2, mit dem lat. Katalog von Christ, Leipz. 1755-56; Bd. 3 mit Register von Heyne; deutsch, Bd. 1 u. 2 von Thierbach 1767 und das Supplement 1768). Im J. 1805 formte sie G. B. Rabenstein zum Teil ab.