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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lips; Lipsĭa; Lipsĭus

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Lips - Lipsius.

hat 3 evangelische und eine kath. Kirche, ein Realgymnasium, ein freiweltliches Damenstift (1185 als Augustiner-Chorfrauenstift gegründet), ein Amtsgericht, ein Hauptsteueramt, ein Eisenwalzwerk, Zigarren- und Tabaksfabrikation, bedeutende Destillation und Spiritusbrennerei, Bürstenwarenfabrikation, Seilerei, Bierbrauerei, Ziegeleien, lebhaften Handel mit Vieh und Kolonialwaren, besuchte Märkte und (1885) mit Garnison (1 Infanteriebat. Nr. 131) 11,504 meist kath. Einwohner. - L. wurde 1168 von den Edelherren zur Lippe erbaut und 1445 zur Hälfte an die Grafen von der Mark verkauft, nachdem es schon 1376 an diese verpfändet gewesen. Fortan stand L. unter dem Kondominium der Grafschaft Mark, die 1614 an Brandenburg fiel, und Lippes. In der Soester Fehde hielt es 1447 eine Belagerung durch den Erzbischof Dietrich von Köln glücklich aus, führte 1530 die Reformation ein, ward 1620 von spanischen und 1757 von französischen Truppen eingenommen. Die zweite Belagerung von seiten der Franzosen 1759 wurde durch die verlorne Schlacht bei Minden aufgehoben. 1850 trat Lippe-Detmold seinen Anteil an L. an Preußen ab, so daß das Kondominium aufhörte. Vgl. Chalybäus, L., ein Beitrag zur deutschen Städtegeschichte (Lippstadt 1876).

^[Abb.: Wappen von Lippstadt.]

Lips, 1) Johann Heinrich, Maler, Zeichner und Kupferstecher, geb. 29. April 1758 zu Kloten bei Zürich, bildete sich unter Lavater und 1780 auf der Akademie in Mannheim. Dann ging er nach Düsseldorf, wo er die Marter des heil. Sebastian nach van Dyck stach, und 1783 nach Rom, wo er unter anderm einen Stich nach einem Bacchanal von Poussin ausführte. Während eines zweiten Aufenthalts in Rom (1785) befaßte er sich auch mit der Aquarellmalerei und kopierte Gemälde alter Meister. Bald zwangen ihn aber die Verhältnisse, wieder zum Grabstichel zu greifen. Auf Verwendung Goethes wurde er 1789 Professor an der Zeichenakademie zu Weimar, legte jedoch 1794 die Stellung nieder und kehrte nach Zürich zurück, wo er 5. Mai 1817 starb. Er hat 1447 Kupferstiche hinterlassen, darunter zahlreiche Porträte berühmter Zeitgenossen.

2) Johann Jakob, Zeichner und Kupferstecher, Sohn des vorigen, geb. 1790 zu Zürich, lernte anfangs bei seinem Vater und ging dann zu seiner weitern Ausbildung nach München, von wo er 1818 nach Zürich zurückkehrte. Von seinen Stichen sind die hervorragendsten die Bildnisse des (spätern) Königs Ludwig von Bayern, des Dichters Hebel und des heil. Johannes nach G. Romano. Aus Verdruß darüber, daß eine Platte, an der er mehrere Jahre gearbeitet, ihm mißlungen erschien, gab er sich 1833 den Tod.

Lipsĭa, neulat. Name für Leipzig.

Lipsĭus, 1) Justus, eigentlich Joest Lips, berühmter Philolog, geb. 18. Okt. 1547 zu Oberrissche bei Brüssel, gebildet in Ath und bei den Jesuiten zu Köln, studierte seit 1563 zu Löwen die Rechte, besonders aber Humaniora, wurde 1567 infolge der "Variarum lectionum libri III" als Sekretär seines Gönners, des Kardinals Granvella, nach Rom berufen, kehrte 1569 nach Löwen zurück, ging aber bald darauf nach Wien und folgte 1572 einem Ruf als Professor der Beredsamkeit und Geschichte nach Jena. Wegen Mißhelligkeiten mit seinen Amtsgenossen wendete er sich 1574 nach Köln, wo er seine "Antiquarum lectionum libri V" (Antwerp. 1575) schrieb, hielt seit 1576 in Löwen Vorlesungen, wurde 1578 unter Übertritt zur reformierten Kirche Professor der Geschichte zu Leiden, enthob sich 1591, nachdem seine Stellung durch die Abhandlung "De una religione" und seine "Politicorum libri IV" bereits unhaltbar geworden war, durch Rücktritt zur katholischen Kirche selbst seines Amtes und wirkte seit 1592 als Professor der alten Geschichte in Löwen, wo er, kurz vorher auch zum Historiographen des Königs ernannt, 23. März 1606 starb. 1853 wurde ihm daselbst ein Denkmal errichtet. L.' Verdienste erstrecken sich besonders auf die römischen Antiquitäten und die Kritik lateinischer Texte, vorzugsweise archaistischer und aus der silbernen Latinität. In letzterer Beziehung heben wir seine Leistungen zu Plautus, Nonius, Vellejus, Valerius Maximus, dem Philosophen Seneca, des Plinius "Panegyricus", besonders aber seine Ausgabe des Tacitus (Antwerp. 1574; zuletzt 1600, 1607 u. 1668) hervor. Dem entsprechend ist auch sein lateinischer Stil eine Verschmelzung der archaistischen Latinität mit der des Apulejus, Tertullian, Cyprian und Arnobius und blieb nicht ohne nachteiligen Einfluß auf die Schreibweise der nächstfolgenden Philologen. In der Philosophie war er, wie sein Werk "De constantia in malis publicis" (Antwerp. 1575) beweist, Anhänger der Stoiker. Seine Briefe wurden von ihm selbst (Leiden 1586-90, 2 Bde.) und von Burmann (Amsterd. 1725, 5 Bde.) gesammelt. Daneben verfaßte er: "Epistolicarum quaestionum libri V" (Antwerp. 1577). Seine "Opera omnia" erschienen zu Antwerpen (1585, 8 Bde.), vollständiger zu Wesel (1675, 4 Bde.). Vgl. Reiffenberg, De J. Lipsii vita et scriptis (Brüssel 1823); Nisard, Le triumvirat littéraire au XVI. siècle (Par. 1852); Halm, Über die Echtheit der dem Justus L. zugeschriebenen Reden (Münch. 1882); Amiel, Un publiciste du XVI. siècle, Juste L. (Par. 1884); van der Haeghen, Bibliographie Lipsienne (Gent 1886 ff.).

2) Richard Adelbert, protest. Theolog, geb. 14. Febr. 1830 zu Gera, Sohn von Karl Heinrich Adelbert L. (gest. 1861 als Rektor der Thomasschule in Leipzig), studierte bis 1848 zu Leipzig Theologie, ließ sich 1855 daselbst als Privatdozent nieder. Nachdem er 1859 zum außerordentlichen Professor vorgerückt war, wurde er als Ordinarius 1861 nach Wien, 1865 nach Kiel, 1871 nach Jena berufen. An der österreichischen Generalsynode von 1864 beteiligte er sich als Abgeordneter der Universität; auf dem Protestantentag zu Osnabrück 1872 erstattete er Bericht über die Bekenntnisfrage; auf der ersten Landessynode des Großherzogtums Weimar 1874 war er Führer der liberalen Partei; seit 1875 redigiert er die "Jahrbücher für protestantische Theologie". Unter seinen zahlreichen Schriften heben wir hervor: "Die Paulinische Rechtfertigungslehre" (Leipz. 1853); "De Clementis Romani epistola ad Corinthios priore" (das. 1855); "Der Gnostizismus" (das. 1860); "Zur Quellenkritik des Epiphanios" (Wien 1865); "Chronologie der römischen Bischöfe bis zur Mitte des 4. Jahrhunderts" (Kiel 1869); "Glaube und Lehre. Theologische Streitschriften" (das. 1871); "Die Pilatus-Akten" (das. 1871, neue Ausg. 1886); "Die Quellen der römischen Petrussage" (das. 1872); "Über den Ursprung des Christennamens" (Jena 1873); "Die Quellen der ältesten Ketzergeschichte" (Leipz. 1875); "Lehrbuch der evangelisch-protestantischen Dogmatik" (Braunschw. 1876, 2. Aufl. 1879), dazu