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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lissabon

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Lissabon (Gebäude etc., Bevölkerung, Handel).

Auswärtigen, dem Handelstribunal, der Börse u. a. (am Eingang zur Rua Augusta steht der 1873 vollendete prachtvolle Ruhmesbogen, in der Mitte des Platzes die bronzene Reiterstatue Josephs I.); ferner die Praça da Figueira (Marktplatz) und die Praça do Rocio (mit einem Monument Dom Pedros IV.), auf der Nordseite von dem Theater Dona Maria II. begrenzt, an dessen Stelle früher das Inquisitionsgebäude stand. Die Plätze Rocio und Figueira, die dicht nebeneinander liegen, sind mit der Praça do Commercio durch schöne, regelmäßige Straßen verbunden, unter denen besonders die Rua aurea (Rua do ouro) und Rua da prata (offiziell Rua da bella rainha) wegen der glänzenden Juwelierläden hervorzuheben sind. Der Aufenthaltsort der Lissaboner Elegants ist der eine kurze, aber brillante Straße bildende Chiado (Almeida Garrett), an dessen Ende der Camoẽsplatz mit dem Denkmal des Dichters Camoẽs sich befindet. Die Stiergefechte finden auf dem Campo de Santa Anna statt. Die zahlreichen massiven Klöster, welche die Berge krönen und Palästen oder Festungen gleichen, sind aufgehoben und dienen jetzt zum Teil weltlichen Zwecken. Als die vorzüglichsten Gebäude sind zu bemerken: die Patriarchalkirche auf einer Anhöhe in der alten Stadt, mit gotischer Fassade und Chor, im übrigen modern; das Kloster zum Herzen Jesu (Estrella), mit prachtvoller Kuppel von weißem Marmor; die Kirche São Roque, mit kostbaren Musivbildern; die Ruinen der gotischen Kirche do Carmo; die Klosterkirche São Vincent de Flora (die Begräbniskirche des Hauses Braganza); ferner das vormalige Hieronymitenkloster Belem, von Emanuel d. Gr. 1499 gegründet, ein reicher spätgotischer, mit maurischen und Renaissancemotiven gemischter Bau, jetzt als Findel- und Waisenhaus dienend, mit großer Kirche und prachtvollem Kreuzgang; der königliche Palast Ajuda bei Belem, mit schönem botanischen Garten; der Palast Nossa Senhora das Necessidades, ehemals Nonnenkloster, mit zahlreichen Kunstwerken, großem Garten und Fontänen; das Zollgebäude, das Marinearsenal, die Theater San Carlos und Dona Maria, die Nationaldruckerei, die Münze, die Getreidehalle, die polytechnische Schule etc. Ein großartiges Bauwerk ist die 1713-32 hergestellte Wasserleitung, die 18 km weit das Wasser von Bellas über das Thal von Alcantara auf 35 Bogen nach L. leitet; seit 1880 besitzt L. eine zweite, noch ergiebigere Wasserleitung. Interessant ist auch die Torre de Belem am Tejo, ein massiver, viereckiger, 35 m hoher Turm, an den Ecken von schönen gotischen Türmchen flankiert, mit einer Batterie zur Verteidigung der Hafeneinfahrt und Telegraph.

Die Bevölkerung belief sich 1878 auf 243,010 Bewohner, darunter viele Neger und Farbige aus den Kolonien, an 30,000 Galicier (meist Tagelöhner und Wasserträger) und viele Fremde (meist Kaufleute), namentlich Engländer, die zwei Kirchen besitzen, Deutsche mit einer Kirche, Franzosen mit Kirche und Hospital (St.-Louis). Die Industrie der Stadt ist von erheblichem Umfang; ihre Haupterzeugnisse sind Gold- und Silberwaren, Goldstoffe und Juwelierwaren. Blühende Gewerbe sind ferner in L. und dessen Umgebung vornehmlich Spinnerei und Weberei von Baumwolle, Wolle, Hanf und Seide; ferner sind in Betrieb Eisengießereien, eine Zuckerraffinerie, eine Maschinenfabrik, mehrere Fabriken für Chemikalien, musikalische Instrumente, Hüte und Schuhe, welche Artikel Gegenstand eines bedeutenden Exports sind, Steingut, Seife, Lichte, Messerwaren sowie eine königliche Tabaks- und Zigarrenfabrik. Zahlreiche Arbeiter sind auch in dem oben erwähnten Marinearsenal (700 Personen) und in der königlichen Seilfabrik beschäftigt. Der breite Tejo oder die Bai von L. bildet einen herrlichen und sichern Hafen, geräumig genug, um die gesamten Flotten Europas aufzunehmen, und so bequem, daß die größten Kriegsschiffe nahe an der Stadt ankern können. Die durch zwei Forts geschützte Einfahrt in die Bai ist jedoch wegen unterseeischer Felsenriffe gefährlich. Als Handelsstadt ist L., obgleich der ehemals blühende Seehandel Portugals schon seit geraumer Zeit sehr gesunken ist, immer noch von hoher Wichtigkeit. 1885 sind im Hafen von L. 2882 Schiffe mit einer Tragfähigkeit von 2,033,080 Ton. (darunter 1667 Dampfer mit 1,773,524 T.) eingelaufen und 2486 Schiffe mit 1,661,206 T. (darunter 1588 Dampfer mit 1,456,705 T.) ausgelaufen. Am stärksten war dabei die englische, hiernach die deutsche und französische, dann die portugiesische Flagge beteiligt. Die Menge und der Wert der nach L. eingeführten Waren, unter welchen Getreide, Baumwollgewebe, Zucker, Stockfische, Baumwolle, Steinkohlen, Bau- und Faßholz, Tabak, Kaffee und Petroleum obenan stehen, bezifferte sich 1885 mit 39,56 Mill. metr. Ztr. im Wert von 122 Mill. Frank, die Ausfuhr mit 35,13 Mill. metr. Ztr. und 88,8 Mill. Fr., wovon der Hauptteil auf Wein, Korkholz, Fische, Rindvieh, Öl, Salz und Früchte kommt. Der Transithandel ist sehr zurückgegangen, seit der Handel von und nach den portugiesischen Kolonien L. mehr und mehr umgeht. In reger Dampferverbindung steht die Stadt namentlich mit England (Liverpool, Southampton, London), Frankreich (Bordeaux, Havre) und Deutschland (Hamburg und Bremen) sowie mit Brasilien, der Argentinischen Republik und mit den portugiesischen Kolonien an der Westküste Afrikas und den Inseln des Grünen Vorgebirges. Durch Eisenbahnlinien ist L. mit Oporto, mit Beja, Evora und Setubal sowie mit Spanien in Verbindung gesetzt. In L. bestehen 15 Banken mit einem Aktienkapital von zusammen 300 Mill. Frank. Der wohlthätige Sinn der Bewohner hat sich bewährt in den Hospitälern (namentlich

^[Abb.: Plan von Lissabon.]

^[Abb.: Wappen von Lissabon.]