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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Lithosphäre - Litta.

nördlichen Erdhälfte. L. officinale L., eine perennierende Pflanze mit 30-60 cm hohem, oberwärts sehr ästigem, dicht beblättertem, nebst den Blättern angedrückt steifhaarigem Stengel, sitzenden, lanzettlichen, zugespitzten Blättern, kleinen, hell grünlichgelben Blüten und glänzend weißen, glatten Nüßchen, wächst an Wegen, auf Schutt etc., besonders auf Kalkboden weitverbreitet. Die Samen (Steinhirse) waren früher offizinell. Jetzt wird die Pflanze in Böhmen angebaut, um die Blätter nach Art des grünen und schwarzen Thees zuzubereiten. Diese Ware wird sowohl an und für sich, in Dosen nach Art der üblichen "chinesischen" gefüllt, als "erster böhmischer Thee" oder "kroatischer Thee" verkauft, als auch zum Fälschen des echten chinesischen Thees verwendet. Die Blätter enthalten kein Alkaloid, sondern nur die gewöhnlichen Pflanzenstoffe. Der goldgelbe Aufguß riecht angenehm theeartig.

Lithosphäre (griech.), die Erdrinde.

Lithotomīe (griech.), s. Steinschnitt.

Lithotripsīe (griech.), s. Steinschnitt.

Lithotritīe (griech.), s. Steinschnitt.

Lithotypīe (griech.), ein von den Brüdern Schilling zu Ichenhausen erfundenes Verfahren zum Umdruck von Buchdruck auf den lithographischen Stein. Mit L. hat man auch den lithographischen Hochdruck bezeichnet. S. Lithographie.

Lithotypographie (griech.), ein von Paul und Aug. Dupont zu Paris angegebenes Verfahren, alte und neue Druckwerke, sowohl Buchdruck als auch Kupferstiche, auf Stein zu übertragen und zu vervielfältigen. Die L. wurde übrigens schon von Senefelder in seinem "Lehrbuch der Lithographie" (Münch. 1818) beschrieben.

Lithúrgik (griech., "Steinverarbeitung"), ökonomische, technische Mineralogie, ist eigentlich keine besondere Wissenschaft, sondern gehört, wofern sie die Art des Gebrauchs und der Verarbeitung der Mineralien beschreibt, in die Technologie oder besteht bloß aus kurzen Notizen, welche im speziellen Teil der Oryktognosie Platz finden. Lehrbücher der L. schrieben Blumhof (Frankf. 1822), Naumann (Leipz. 1826), Blum (Stuttg. 1840). Vgl. auch die Notizen über technisch wichtige Mineralien in unsrer Übersicht zur Tafel "Geologische Formationen".

Liti (Liten), s. Lidi.

Litigieren (lat.), einen Rechtshandel, Prozeß führen, streiten; Litigant, der vor Gericht Streitende; Litigation, s. v. w. Gerichtshandel, Prozeß.

Litigiosität (neulat.), das Verhältnis einer Sache oder einer Forderung, welche streitig, d. h. Gegenstand eines Prozesses, ist (s. Rechtshängigkeit).

Litin, Kreisstadt im russ. Gouvernement Podolien, an der Sgar, einem Nebenfluß des Bug, hat 3 griechisch-kath. Kirchen, 2 der Raskolniken und eine römisch-katholische, eine Synagoge und (1884) 8823 Einw. (⅖ Juden). Der Kreis hat bedeutende Bienenzucht und hübsche Maulbeerpflanzungen.

Litisdenunziation (lat.), s. Streitverkündigung.

Litiskonsorten (lat.), s. v. w. Streitgenossen, Bezeichnung für die in einer Parteirolle, sei es als Mitkläger oder als Mitbeklagte, vereinigten Personen.

Litiskontestation (lat. Litis contestatio, Streitbefestigung, Einlassung, Vernehmlassung, Klagebeantwortung), im Prozeßverfahren die Beantwortung der Klage, sei es bejahend (affirmative), sei es verneinend (negative L.). Läßt sich der Verklagte auf die ihm zugefertigte Klage nicht innerhalb der hierzu gesetzten Frist oder in dem dazu anberaumten Termin ein, so wird nach modernem Prozeßrecht und insbesondere auch nach der deutschen Zivilprozeßordnung angenommen, daß er der Klage geständig sei, und die Verurteilung des Beklagten, welcher die Klage nicht beantwortete, in einem Versäumnisurteil ausgesprochen (sogen. fingierte L., litis contestatio ficta, im Gegensatz zur vera). Die Einlassung des Beklagten auf die Klage ist noch jetzt von wichtigen prozessualischen Folgen begleitet (s. Vernehmlassung), während die frühern privatrechtlichen Wirkungen der L. nunmehr mit der Klagerhebung verknüpft sind (s. Rechtshängigkeit). Im römischen Formularprozeß bezeichnete Litis contestatio die Feststellung des Streitgegenstandes durch den Magistrat nach Anhörung der Parteien (Verfahren "in jure"), verbunden mit der Ernennung eines Richters (judex), welchem die Entscheidung der Sache übertragen wurde (Verfahren "in judicio"). Vgl. Keller, Über L. und Urteil (Zürich 1827); Derselbe, Römischer Zivilprozeß, § 59 ff. (6. Aufl., Leipz. 1883); Deutsche Zivilprozeßordnung, § 243, 247.

Litispendénz (lat.), s. Rechtshängigkeit.

Litisrenunziation (lat.), s. Zurücknahme der Klage.

Litolff, Henry, Klavierspieler und Komponist, geb. 6. Febr. 1818 zu London, bildete sich 1832-37 unter Leitung von Moscheles, begab sich 1840 nach Paris, von welcher Zeit sein Ruf als Klaviervirtuose datiert, war 1841-44 als Theaterkapellmeister in Warschau angestellt, machte darauf Kunstreisen durch Deutschland und Holland und ließ sich 1845 in Braunschweig nieder, wo er sich mit der Witwe des Musikalienverlegers Meyer verheiratete und das Geschäft des letztern übernahm. Nachdem Anfang der 60er Jahre diese Ehe wieder getrennt war, nahm L. seinen dauernden Aufenthalt wieder in Paris. Als Komponist hat er namentlich mit seinen vier großartigen "Symphoniekonzerten" für Klavier und Orchester in ganz Europa einen glänzenden Erfolg errungen; außerdem veröffentlichte er ein Violinkonzert, eine Oper: "Die Braut vom Kynast", und zahlreiche Kammermusikwerke sowie elegante Salonstücke. Eine später in Paris von ihm komponierte Operette: "Héloïse et Abélard", mit welcher er die Pfade Offenbachs einschlug, hat keinerlei Erfolg gehabt.

Litorāl (lat.), die Küste betreffend.

Litorāle (ital., slaw. Primorje), ein Landstrich am Meeresufer, Küstenland, besonders derjenige Teil, welcher zur Flutzeit von Wasser bedeckt und nur während der Ebbe trocken ist. S. Pelagisch.

Litorāle, ungarisches, s. Fiume.

Litótes (griech., "Geringfügigkeit"), Redefigur, nach welcher man einen scheinbar verkleinernden Ausdruck wählt, um die Sache gerade hervorzuheben, z. B. kein schlechter (d. h. ein guter) Dichter.

Litta, Pompeo, Graf, ital. Geschichtschreiber, geb. 27. Sept. 1781 zu Mailand, trat nach Vollendung seiner akademischen Studien 1804 in französische Kriegsdienste und wurde 1805 Leutnant, 1809 Kapitän der Artillerie, später Kommandant der Küstengarde zu Ancona mit dem Grad eines Bataillonschefs. Seit 1814 ins Privatleben zurückgekehrt, widmete er sich dem Studium der Geschichte, besonders der vaterländischen, und machte sich namentlich durch sein umfangreiches, nach seinem Tod von andern fortgesetztes Werk "Famiglie celebri italiane" (Mail. 1819-82, Lief. 1-183) bekannt, welches die Geschichte von 75 berühmten italienischen Adelsgeschlechtern enthält. Seine Darstellung zeichnet sich durch historische