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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lituola; Litur; Liturgie; Litúrgik; Litus; Lituus; Litze; Litzenbrüder; Litzner; Liudger; Liudolf

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Lituola - Liudolf.

Lituola, s. Rhizopoden.

Litur (lat.), das Ausstreichen von Geschriebenem und die dadurch bewirkte Änderung.

Liturgie (griech.), bei den Athenern Bezeichnung für gewisse öffentliche Dienste, welche die Bürger persönlich und unter Bestreitung der damit verbundenen Kosten übernahmen. Im Neuen Testament bezeichnet das Wort L. entweder überhaupt eine Dienstleistung im Sinn der Wohlthat oder im engern Sinn das Priesteramt und den priesterlichen Gottesdienst. In der Gegenwart versteht man unter L. den Inbegriff aller ordnungsmäßig bestehenden gottesdienstlichen Handlungen, und der Geistliche wird in dieser Beziehung Liturg genannt. Des nähern bedeutet L. ein Formular oder Buch, welches das bei dem öffentlichen Gottesdienst zu befolgende Ritual enthält, also s. v. w. Agende. In der ältesten Kirche schloß man sich zunächst an den jeweilig bestehenden Gebrauch an; Filialkirchen nahmen die L. der Mutterkirche an. Allmählich aber war man darauf bedacht, eine Gleichheit in der Form des Gottesdienstes zu erzielen; Kirchenversammlungen, dann im Abendland besonders die Päpste erließen die hierzu nötigen Verordnungen. Gleichwohl kamen mit der Teilung des römischen Reichs Nationalliturgien auf. Im 5. Jahrh. war die L. von Basilius d. Gr. fast im ganzen Orient verbreitet; von Konstantinopel aus fand eine durch Chrysostomos verkürzte Gestalt derselben Eingang und ist im wesentlichen noch in der griechischen Kirche gebräuchlich. Auch im Abendland haben vielgebrauchte liturgische Bücher (Sakramentarium, Evangeliarium, Epistolarium, Missalen, Brevier, Martyrologium, Ritual, Agende; s. diese Art.), Offizien genannt, eine gewisse Übereinstimmung der L. durchgeführt. Das Konzil zu Trient hat das Recht zu liturgischen Bestimmungen lediglich dem Papst vindiziert. Die Reformatoren haben den Inhalt der L. auf Schriftverlesung, Gebet und Gesang beschränkt. Luther selbst gab 1526 seine "Deutsche Messe oder Ordnung des Gottesdienstes" heraus, worin viele Gebräuche der römischen Kirche beibehalten, dagegen die lateinische Sprache im Gottesdienst und die Privatmesse beseitigt, die Predigt zum Hauptstück des Kultus erhoben, die Verwaltung des Abendmahls in beiderlei Gestalt angeordnet und diesem die Beichte als Vorbereitung hinzugefügt ward. Die reformierte Kirche brach noch gründlicher mit der L. der katholischen Kirche und beseitigte namentlich fast den gesamten liturgischen Altardienst. Im Widerspruch mit den reformatorischen Prinzipien über den Kultus (s. d.) steht im Grunde das, was neuerdings L. heißt, worin liturgischer Gottesdienst, Gesang und Gebet, namentlich neben dem Gemeindegesang auch Chorgesang, die wesentlichsten Elemente bilden, während die Predigt ganz fehlt.

Litúrgik (griech.), die Wissenschaft, welche sich mit den Grundsätzen für die Ordnung und Verwaltung des christlichen Kultus und der damit zusammenhängenden gottesdienstlichen Handlungen beschäftigt (s. Liturgie). Vgl. aus der umfangreichen Litteratur besonders Daniel, Codex liturgicus (Leipz. 1847-55, 4 Bde.); Henke, Nachgelassene Vorlesungen über L. und Homiletik (Halle 1876).

Litus (lat.), Küste; l. arare, "den Meeresstrand pflügen", d. h. sich vergebliche Mühe machen.

Lituus (lat.), bei den Römern der oben gekrümmte Stab der Augurn (Fig. 1), womit sie den geweihten Gesichtskreis (templum) für die Vogelschau abgrenzten und in Regionen einteilten; auch Name einer Art Trompete bei der römischen Reiterei (Fig. 2).

^[Abb.: Fig. 1. Fig. 2. Lituus.]

Litze, schmale Schnur, Borte, Tresse, welche in der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. zum Besatz von männlichen Oberröcken, besonders an den Aufschlägen der Ärmel und auf der Brust, und von Beinkleidern an der französischen Tracht aufkam und während des 18. Jahrh. beibehalten wurde. Jetzt sind Litzen nur bei Uniformen etc. üblich (s. Tafel "Kostüme III", Fig. 7 u. 10). L. bezeichnet außerdem ein Gebinde Garn und am Webstuhl die Schnüre, durch deren Schlingen die Kettenfäden geführt sind; in der Seilerei einen aus mehreren Fäden zusammengedrehten starken Faden, deren mehrere ein Seil bilden.

Litzenbrüder, in niederdeutschen Städten ursprünglich Name gewisser eine Gilde bildender Warenverpacker, später auf die beeidigten Güterbestätter übergegangen (s. Güterbestätterei). Litzgeld ist die Speditionsgebühr, welche die L. sich vom Befrachter zahlen lassen.

Litzner, Berg, s. Silvretta.

Liudger (Ludger), Heiliger, geb. 744 in Friesland, lag in England unter Alcuinus theologischen Studien ob und suchte nach seiner Rückkehr 775 seine Landsleute zur Wiederannahme des christlichen Glaubens zu bewegen. Als Wittekind in Friesland einfiel, floh er nach Utrecht, und 782 ging er nach Rom. Später nahm er seine Missionsthätigkeit wieder auf, stiftete 796 das Kloster Werden an der Ruhr, ward erster Bischof in Münster und starb 26. März 809 in Billerbeck. Die verschiedenen "Vitae S. Liudgeri" (darunter eine "Vita Gregorii", seines Lehrers und Bischofs von Utrecht) wurden von Diekamp im 4. Bande der "Geschichtsquellen des Bistums Münster" (Münst. 1881) herausgegeben, wo auch Liudgers Lebensbeschreibung von seinem zweiten Nachfolger im Bistum, Altfried, abgedruckt ist. Vgl. Behrends, Leben des heil. L. (Neuhaldensl. 1843); Hüsing, Der heil. L. (Münst. 1878); Pingsmann, Der heil. Ludgerus (Freiburg 1879).

Liudolf, Herzog von Schwaben, Sohn des deutschen Kaisers Otto I. und seiner ersten Gemahlin, der englischen Prinzessin Editha, geb. 930, erhielt 950 das Herzogtum Schwaben, nachdem er sich 947 mit der Tochter des Herzogs Hermann, Ida, vermählt hatte; auch ward er von Otto 946 zum Nachfolger im Reich erklärt. Als sein Vater 951 den Zug nach Italien vorbereitete, eilte er, von ungestümem Thatendrang getrieben, demselben voraus, wurde aber mit empfindlichen Verlusten zurückgewiesen und mußte deshalb heftige Vorwürfe von Otto erdulden. Dessen zweite Vermählung mit Adelheid, die den Herzog Heinrich von Bayern, seinen verhaßten Oheim, begünstigte, reizte ihn noch mehr und machte ihn zugleich um seine Thronfolge besorgt. Deshalb verbündete er sich 953 mit seinem Schwager Konrad dem Roten und zwang seinen Vater in Mainz, Heinrich vom Hof zu entfernen. Dieser nahm jedoch das Versprechen zurück, rief L. vor sein Gericht nach Fritzlar, und als derselbe nicht gehorchte, beraubte er ihn seines Herzogtums. L. und Konrad verteidigten sich zuerst in Mainz; dann warf sich L. 954 nach Regensburg und stellte sich an die Spitze der aufständischen Bayern, legte aber, als ihn Otto nach Schwaben verfolgte, die Waffen nieder, unterwarf sich in Thüringen seinem Vater und erhielt auf dem Reichstag zu Arnstadt, im Dezember 954,