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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lívno; Livor; Livórno

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Livno - Livorno.

der Ritterschaft Christi", der nachmaligen Schwertritter, und trat ihm ein Drittel des eroberten L. ab (1207). Während dem Bischof die Oberherrlichkeit über den Orden vom Papst zugesichert wurde, ließ sich jener (im Winter 1205-1206) vom deutschen König Philipp mit L. belehnen; somit wurde dies ein Teil des Deutschen Reichs. Nach jahrelangen blutigen Kämpfen gelang 1224 die Eroberung Esthlands, dessen nördlicher Teil jedoch den Dänen überlassen werden mußte. Die Macht des Schwertritterordens wurde 1237 durch Vereinigung mit dem mächtigen Deutschen Orden erheblich vermehrt; fortan wurde für L. ein Landmeister gewählt, Hermann Balk als der erste. Unter Kaiser Friedrich II. (1232) wurde der Orden reichsunmittelbar und erhielt nach heftigen Kämpfen mit Russen, Kuren und Litauern 1245 Kurland und Litauen sowie ein Drittel von Semgallen von Friedrich II. zu Lehen, während der Rest dem Bischof von Riga zufiel. Doch konnte Litauen nicht erobert werden, errang vielmehr das Übergewicht, während durch den Verfall des Deutschordens und innere Streitigkeiten Livlands Macht sich erheblich verminderte. Trotz des Vordringens der Reformation in Livlands Städten (in Riga seit 1523) und des Beispiels des Hochmeisters, der 1525 den Deutschorden in Preußen säkularisierte, blieb der Ordensmeister Walter v. Plettenberg (1494-1535) dem Katholizismus treu. Im Landtagsabschied von Wolmar 1554 wurde endlich den Protestanten freie Religionsübung zugesichert. Indessen die Kämpfe mit Iwan Wasiljewitsch II. brachen die Macht des Ordens; Polen und Schweden mischten sich auf Veranlassung des Erzbischofs von Riga ein, und 1561 behielt der letzte Meister des Ordens, Gotthard Ketteler, als weltlicher Herzog nur noch Kurland und Semgallen als Lehen der polnischen Krone, während Esthland schwedische und L. polnische Provinz wurde. Fortan ward L. nebst Esthland Zankapfel zwischen Polen, Schweden und Rußland. 1660 verband der Friede von Oliva L. mit Esthland als schwedische Provinz, eine Zeitlang zum Nutzen Livlands; denn Schweden schuf ein protestantisches Kirchen- und Schulwesen und organisierte die Gerichtshöfe und Behörden. Später achtete es die provinziellen Eigentümlichkeiten weniger und hob 1694 die Landesverfassung auf. Seine Bemühungen, mit Hilfe Polens, dann Rußlands L. von der schwedischen Herrschaft zu befreien, mußte der vielgewandte Patkul mit einem schrecklichen Tod büßen (1707); schließlich kam durch den Nystader Frieden 1721 L. mit Esthland dennoch an Rußland, das die provinzielle Selbständigkeit Livlands, namentlich die der lutherischen Landeskirche, im Besitzergreifungspatent zu erhalten versprach. Auch Alexander II. bestätigte 1856 die Adelsprivilegien Livlands. Die Lage des Bauernstandes wurde 1819 durch Aufhebung der Leibeigenschaft und noch mehr 1849 verbessert. Auch in L. wurde 1835 das russische Gesetzbuch eingeführt und die russische Sprache als Amtssprache bevorzugt, aber die deutsche nicht unterdrückt. Nur in kirchlicher Beziehung traten die russischen Behörden schroffer auf, verleiteten 1845-48 etwa 140,000 Menschen aus dem Bauernstand zum Übertritt zur orthodoxen Kirche und wollten die Zurücknahme dieses übereilten Schrittes nicht dulden. In den letzten Zeiten Alexanders II. und noch mehr nach dessen Tod (1881) wurden aber die Sonderrechte der Ostseeprovinzen von den Russen nicht mehr anerkannt. Dieselben sollten dem russischen Gesetz unterworfen und völlig mit Rußland verschmolzen werden. Den Widerstand der deutschen Behörden suchte man durch Aufreizung der lettischen und esthnischen Bevölkerung zu brechen. Besonders die Revision der Zustände in den Provinzen durch den Senator Manassein 1884 hatte diesen Zweck. Die russische Sprache wurde zur alleinigen Amtssprache auch bei den Gemeinden erklärt und in den Schulen, sowohl den Elementarschulen wie den Gymnasien und Realschulen (1887), als Unterrichtssprache eingeführt und das Land mit russischen Beamten überschwemmt. Seit 1883 begannen auch die russischen Popen das Landvolk wieder zu Massenübertritten zur orthodoxen Kirche zu verleiten, und wenn ein lutherischer Pfarrer einen reuigen Bauer wieder in seine Kirche zuließ, wurde er verbannt. Während der Bau griechischer Kirchen von Staats wegen begünstigt wurde, nahm die Regierung das ganze Vermögen der lutherischen Landeskirche in ihre Verwaltung. Alle Petitionen Einzelner und der Landtage dagegen wurden vom Kaiser abgewiesen.

Vgl. Kohl, Die deutsch-russischen Ostseeprovinzen (Dresd. 1841-42, 2 Bde.); Rathlef, Skizze der orographischen und hydrographischen Verhältnisse von Liv-, Esth- und Kurland (Reval 1852); Bornhaupt, Beschreibung der Ostseeprovinzen (Riga 1855); M. Willkomm, Streifzüge durch die baltischen Provinzen, Bd. 1 (Dorp. 1872); Karlberg, Statistisches Jahrbuch des Gouvernements L. (1886, in russischer Sprache), und die Publikationen des Statistischen Büreaus in Riga. Zur Geschichte: Kienitz, Vierundzwanzig Bücher der Geschichte Livlands (Dorp. 1847-1849, 2 Bde.); v. Richter, Geschichte der deutschen Ostseeprovinzen (Riga 1857-58, 2 Bde.); Bienemann, Die Statthalterschaftszeit in L. und Esthland 1783-96 (Leipz. 1886); Eckardt, Bürgertum und Büreaukratie; ein Kapitel aus der neuesten livländischen Geschichte (das. 1870); Derselbe, L. im 18. Jahrhundert (das. 1876); Fahne, L., ein Beitrag zur Kirchen- und Sittengeschichte (Düsseld. 1875); "Liv-, Esth- und Kurländisches Urkundenbuch" (hrsg. von Bunge u. a., Riga 1852-84, Bd. 1-8); "Beiträge zur Kunde Est-, Liv- und Kurlands" (hrsg. von der Estländ. Litter. Gesellschaft, Reval); Winckelmann, Bibliotheca Livoniae historica (2. Aufl., Berl. 1879).

Lívno, Bezirksstadt in Bosnien (Kreis Travnik) in sumpfiger Hochebene, mit altem, befestigtem Schloß, 10 Moscheen, der ältesten kath. Kirche Bosniens, (1885) 4535 meist mohammedanischen und römisch-kath. Einwohnern, lebhaftem Handel und Bezirksgericht. L. ist Sitz eines Militär-Platzkommandos. Es wurde 28. Sept. 1878 von den Österreichern unter Herzog Wilhelm von Württemberg eingenommen.

Livor (Livēdo, lat.), blaßbläuliche Hautfarbe; livores mortis, Totenflecke.

Livórno (engl. Leghorn), die kleinste der ital. Provinzen, in der Landschaft Toscana, besteht nur aus dem Stadtkreis L. und der Insel Elba (s. d.) nebst mehreren kleinern Eilanden und zählt (1881) auf 326 qkm (nach Strelbitsky 343 qkm oder 6,2 QM.) 121,612 Einw. Die gleichnamige Hauptstadt liegt an flacher, landeinwärts künstlich trocken gelegter Küste des Mittelländischen Meers, ist gegen die See- wie gegen die Landseite durch mehrere Forts, Bastionen und Batterien geschützt und bildet einen der wichtigsten Hafen- und Handelsplätze Italiens, welcher sich als künstlicher, weitab von den Anschwemmungen des Arno und Serchio angelegter Hafen, nachdem Pisa seine Bedeutung als Handelsstadt verloren hatte, immer mehr entwickelte und als Freihafen durch Herbeirufung von Menschen aller Nationen und Konfessionen rasch bevölkerte. L. hat trefflich gepflasterte Straßen, von welchen die breite Via