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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Livre

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Livorno - Livre.

Vittorio Emmanuele die ältere Stadt der Quere nach durchzieht und mit den Hauptverkaufsläden geschmückt ist, große Plätze (darunter der Hauptplatz: Piazza Vittorio Emmanuele) und hohe, bis fünfstöckige, geräumige Häuser; doch fehlt L. ebensowohl die Nationalphysiognomie, wie es an nationalen Kunstleistungen Mangel hat. Bemerkenswert sind unter den Bauwerken: der Dom (aus dem 17. Jahrh.), außer welchem die Stadt noch 23 Kirchen (darunter eine deutsche protestantische, eine englische, eine schottische, eine griechisch-unierte und eine schismatische, eine armen. Kirche und eine große schöne Synagoge von 1603) besitzt; ferner der ehemalige großherzogliche Palast (von 1605), das Stadthaus (1720), die Börse, die Präfektur, die Hauptwache, der Palast Larderel (mit Gemäldesammlung). Von Denkmälern sind die Marmorstatue des Großherzogs Ferdinand I. am Hafen, die Standbilder Ferdinands III. und Leopolds II. an der Piazza Carlo Alberto, das Denkmal Cavours und die Statue des zu L. gebornen Politikers und Schriftstellers Guerrazzi zu erwähnen. Interessant ist der nordwestliche Teil der Stadt, "Neu-Venedig" genannt, welcher von zahlreichen Kanälen durchschnitten und, wie die übrige Stadt, durch eine 1792 angelegte Wasserleitung mit gutem Trinkwasser versehen ist, das von Colognolo aus den Bergen 30 km weit herbeigeführt wird. Erwähnung verdienen endlich die Schwefelquellen mit Badeanstalt und die Seebäder von L. Die Bevölkerung beträgt (1881) 78,998, mit Einschluß der Vororte 89,980 Seelen, darunter etwa ein Fünftel Juden.

Der Hafen besteht aus dem innern, von den Mediceern angelegten Bassin, Porto vecchio, welches durch einen 525 m langen, mit einer Batterie endigenden Damm abgeschlossen wird, und dem 1854 hinzugefügten äußern Hafen, Porto nuovo, welcher durch einen bogenförmig vorgelegten Wellenbrecher mit zwei Leuchttürmen geschützt wird und 8-10 m tief ist. Auf einer Felseninsel in diesem Vorhafen erhebt sich der alte, 1303 errichtete Leuchtturm. Der alte Hafen enthält Schiffswerften und zwei Arsenale; außerhalb des Hafens befinden sich an der Meeresküste zwei Lazarette. Die Eisenbahnverbindungen Livornos über Pisa einerseits nach Florenz und Bologna, anderseits nach Genua sowie an der Küste nach Rom und Süditalien, regelmäßige Dampfschiffsverbindungen mit Civitavecchia, Neapel, Genua und Marseille täglich, dann mit andern italienischen Häfen, mit Malta und der Levante, mit englischen und nordamerikanischen Häfen beleben den Handel. In L. sind viele jüdische, türkische, griechische, überhaupt fremde Handelshäuser etabliert, zu deren Schutze zahlreiche Konsulate hier ihren Sitz haben. Dem städtischen Verkehr dient ein Tramway. Im Hafen sind 1885 im internationalen Verkehr 636 beladene Schiffe mit 297,729 Ton. ein- und 431 Schiffe mit 181,030 T. ausgelaufen. Auf den Verkehr mit italienischen Häfen kamen 3394 ein- und 2696 ausgelaufene Fahrzeuge mit 1,041,412, resp. 1,021,297 T. Der Gesamtverkehr bezifferte sich sonach auf 7157 Schiffe und 2,541,468 T., mit welchen Ziffern L. unter den Häfen Italiens nur Genua und Neapel nachsteht. Auf den Dampfschiffahrtsverkehr kamen 3653 Schiffe und 2,357,217 T. Nächst der italienischen Flagge behaupteten die englische und französische Flagge den Vorrang. Der durch die Schiffahrt vermittelte Warenverkehr belief sich 1885 auf 688,038 T., wovon 286,197 auf den Import aus dem Ausland, 69,098 T. auf den Export in fremde Länder kamen. Der Wert der Ausfuhr in L. betrug 1886: 42⅕ Mill. Lire (1885: 51½ Mill. Lire), derjenige der Einfuhr 72⅖ Mill. Lire (1885: 79¾ Mill. Lire). Die Hauptartikel des Handels sind in der Ausfuhr: Olivenöl, Wein, Hanf, Seide, Marmor und andre Steine, Eisenerz, Boraxsäure, Weinstein, Konfitüren und Konserven, Häute und Felle, Strohhüte; in der Einfuhr: Spiritus, Zucker, Farbhölzer und Farbwurzeln, Garne und Gewebe, Maschinen, Getreide und Mehl. Die Stadt besitzt an Förderungsmitteln für den Verkehr insbesondere eine Diskontobank, eine Seeversicherungsgesellschaft, eine Sparkasse, große Magazine und ist der Mittelpunkt für die bedeutendsten Speditions- und Wechselgeschäfte zwischen Italien und der Levante. Gegen den Handel tritt die Industrie von L. bedeutend in den Hintergrund; doch sind einige Zweige derselben, wie der Schiffbau, die Erzeugung von Schmucksachen aus Korallen und Alabaster, Strohhüten, Seilerwaren, ferner Fischfang und Korallenfischerei, Erwerbsquellen für eine große Zahl von Einwohnern.

Sehr reich ist L. an Humanitäts- u. Wohlthätigkeitsanstalten, von denen die zwei Lazarette außerhalb der Stadt, an der Küste, das große vereinigte königliche Spital (1622 gegründet) samt Findelanstalt, das Waisenhaus für beide Geschlechter, das 1844 gestiftete Arbeitshaus (Pia casa di Sant' Andrea), der seit 1597 bestehende Israelitische Unterstützungsverein die bedeutendsten sind. An wissenschaftlichen Anstalten bestehen ein bischöfliches Seminar, ein königliches Lyceum, ein Gymnasium, ein Institut für die Handelsmarine, eine technische Gemeindeschule, eine höhere Rabbinatschule sowie eine 1816 gegründete wissenschaftliche Akademie (Accademia Labronica) mit einer ansehnlichen Bibliothek (40,000 Bände). L. ist der Sitz eines Präfekten, Bischofs, Zivil- und Korrektionstribunals, einer Finanzintendanz, eines Generalkommandos, einer Handels- und Gewerbekammer, Zollinspektion und eines Hauptzollamts sowie eines deutschen Konsuls. In der Nähe der Stadt liegt der Monte Nero, mit schönen Villen der Livorneser und der Wallfahrtskirche Madonna di Monte Nero. - L. steht an der Stelle des Portus Herculis oder Portus Liburnus der Alten. Gegen Ende des 13. Jahrh. war es noch ein offener Flecken von geringer Bedeutung; erst seit der Zerstörung des Hafens von Pisa fing es an sich zu heben, besonders nachdem es 1421 an Florenz gekommen. Alessandro de' Medici befestigte die Stadt und baute die Citadelle; Cosimo I. erklärte den Hafen für einen Freihafen (den ersten im Mittelmeer). Namentlich seit Ferdinand I., der L. 1606 zur Stadt erhob und zum Zufluchtsort aller Verfolgten (Juden, Protestanten etc.) machte, gelangte es nach und nach zu großem Wohlstand, der nur im Revolutionskrieg und 1804 durch das gelbe Fieber vorübergehend gestört wurde.

Livre (franz., spr. lihwr, lat. Libra gallica), franz. Silbermünze, insofern altgallischen Ursprungs, als sie die zu 20 Solidi berechnete Libra gallica ist. Es gingen auf die L. 20 Sous (zu 12 Deniers). Einheit des französischen Rechnungs- und Münzwesens war bis 1795 die L. tournois (L. von Tours), die dann durch den Frank verdrängt ward (80 Fr. = 81 Livres tournois). Auf die kölnische Mark fein Silber gingen 54 Livres tournois, daher eine solche L. = 0,7778 Mk. Die früher in Paris geprägte L. parisis war = 1¼ L. tournois. L. ist auch der französische Name des Gewichtspfundes. Vom alten französischen Markgewicht (poids de marc) hatte die L. oder das Pfund 2 Marcs = 489,506 g. Bis 1839 führte das halbe Kilogramm den Namen L. usuelle. L. Sterling, s. v. w. Pfund Sterling.