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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Loire

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Loire.

Loire (spr. loahr, lat. Liger), der bedeutendste Fluß Frankreichs, entspringt in den Cevennen, 1375 m ü. M., an den Abhängen des Gerbier des Joncs, im Departement Ardèche, fließt die Hälfte seines Laufs in nördlicher und nordwestlicher Hauptrichtung, wendet sich bei Orléans nach W. und mündet unterhalb Nantes buchtartig erweitert bei St.-Nazaire in den Atlantischen Ozean. Die ganze Länge des Laufs der L. beträgt 1002 km (nach Strelbitsky nur 875 km), das Stromgebiet 115,146 qkm (2091 QM.). Beim Dorf Retournac (Departement Oberloire) wird sie flößbar, bei Noirie (Departement L.) für Flußschiffe und bei Nantes für Seefahrer schiffbar. Die mittlere Höhe ihres Wasserstandes ist 2-3 m, ihr Gefälle variiert zwischen 1 m (zwischen Noirie und Roanne) und 10 cm (bei Nantes) auf 1 km Lauf. In ihrem obern Laufe fließt sie in einem meist engen, von felsigen Abhängen begrenzten Thal; weiterhin nehmen ihre Ufer einen sanftern Charakter an, und reizend werden sie besonders bei Tours. Da beim Schmelzen der Schneemassen in den Cevennen ihre Ufer großen Überschwemmungen ausgesetzt sind, so ist ihr Flußbett in den Niederungen unterhalb Orléans durch große Deiche (levées) eingedämmt, die 6 m hoch, oben 7½ m breit und nach dem Wasser hin mit Mauerwerk bekleidet sind, aber nicht genügen, um verheerenden Überschwemmungen vorzubeugen, durch welche die L. von jeher berüchtigt gewesen ist. Ihr Wasserstand ist ein ungeheuer wechselnder, es sind schon Wasserstände beobachtet worden, welche die niedrigsten um das Dreihundertfache überstiegen. Der viele Sand und die Bodenteile, welche die L. mit sich führt, bilden in ihrem Bett viele teilweise mit Buschwerk bewachsene Inseln, welche besonders in ihrem untern Lauf die Schiffahrt vielfach hemmen und den Bau von Kanälen (s. unten) nötig gemacht haben. Bei Nantes ist die L. 1900 m breit, und hier werden Schiffe von 900 Ton. gebaut, die aber erst in Paimboeuf ihre volle Ladung führen können. Die Flut steigt bis über 30 km oberhalb Nantes herauf. An der Mündung der L., die etwa 9¼ km breit ist, haben sich durch Anschwemmungen viele Sandbänke gebildet, welche beständig wachsen und den Eingang verstopfen; an den Passagen, wo man sonst zur Ebbezeit gegen 6 m Wasser hatte, beträgt die Tiefe kaum mehr 2 m. Die Folge davon ist, daß Nantes mehr und mehr seinen Rang als Seehafen an das günstiger gelegene St.-Nazaire verliert. Die L. ist mit der Saône durch den Canal du Centre verbunden, mit der Seine durch die Kanäle von Briare und Orléans, welche von Montargis an vereinigt als Loingkanal zur Seine gehen, und mit dem Hafen von Brest durch den 359 km langen Kanal von Nantes nach Brest, während der Kanal von Berry mittels des Cher den obern Laus der L. mit ihrem untern verbindet und dadurch ihren großen Bogen bei Orléans abschneidet. Der Canal latéral à la L. endlich folgt dem Lauf des Flusses selbst von Digoin (im Anschluß an den Kanal von hier nach Roanne) bis unterhalb Châtillon, wo er sich nach einer Länge von 197 km mit dem Briarekanal vereinigt. Die größern Nebenflüsse der L. sind links: Allier, Loiret, Cher, Indre, Vienne mit der Creuse, Sèvre Nantaise; rechts: Nièvre, Maine (gebildet aus der Mayenne und Sarthe, welch letztere wieder den Loir aufnimmt) und Erdre. Eigentümlich ist diesen Nebenflüssen, daß sie meist, in die Ebene des Loirethals eingetreten, lange Zeit dem Fluß parallel fließen und sich erst spät mit ihm vereinigen. Von den größern zeigt sich dies namentlich bei Cher und Indre, noch auffallender aber bei den kleinern rechten Nebenflüssen Cisse und Authion, welche ein vorhistorisches Bett der L. einzunehmen scheinen. Das Tiefland der L., welches vom Atlantischen Ozean golfähnlich sich ostwärts bis Nevers erstreckt, bildet eine wellenförmige fruchtbare Ebene, die im S. zu den Terrassen von Limousin und Bourbonnais, im N. zu den Bergländern der Normandie und Bretagne ansteigt. Das Hauptthal und die Thäler der Nebenflüsse sind sehr fruchtbar, mit Feldern und Gärten, Reben- und Obstpflanzungen bedeckt, aber fast ohne Wälder und Wiesen. Auch die höhern Landschaften sind im ganzen fruchtbar. Unfruchtbare Strecken liegen am mittlern Cher, an der mittlern Creuse, im N. von Orléans, am Loir und an der obern Sarthe. Die L. durchströmt elf Departements, von denen sechs ganz oder zum Teil nach ihr benannt sind: die Departements L., Oberloire, Niederloire, Saône-et-Loire (s. Saône), Maine-et-Loire (s. Maine) und Indre-et-Loire (s. Indre). Vgl. Touchard-Lafosse, La L. historique, pittoresque et biographique (Nantes 1840-45, 5 Bde.).

Die Departements Loire, Oberloire, Niederloire.

Das Departement Loire, im östlichen Frankreich, die alten Grafschaften Forez und Beaujolais und Teile von Lyonnais umfassend, wird im N. vom Departement Saône-et-Loire, im O. von Rhône und Isère, im S. von Ardèche und Oberloire, im W. von Puy de Dôme und im NW. von Allier begrenzt und hat einen Flächenraum von 4760 qkm (86,4 QM.). Es wird von der Loire in einem sich zur Ebene von Montbrison verbreiternden Thal, einem ehemaligen Seebecken, von dem noch kleine Reste vorhanden sind, von S. nach N. durchflossen, das im W. von der vorwiegend granitischen Kette der Forezgebirge, im O. von den Bergen des Lyonnais begrenzt wird und in seiner aus jüngern Bildungen bestehenden Sohle fruchtbaren Boden aufweist. Die nördlichen Verzweigungen der Cevennen (Mont Pilat 1434 m) reihen sich im S. an die Berge des Lyonnais an, zwischen beiden liegt das Kohlenbecken von St.-Etienne, das hauptsächlich den jüngsten Aufschwung des Departements hervorgerufen hat. Außer der Loire wird das Departement noch von deren Nebenflüssen, Furens, Coise und Gand rechts, Mare, Lignon und Aix links, bewässert. Der südöstliche Teil gehört zum Rhônegebiet. Die Oberfläche ist größtenteils gebirgig und steinig; fruchtbarer Boden findet sich nur in den Flußthälern. Hier ist auch das Klima milder als in den Gebirgsgegenden. Die Bevölkerung betrug 1886: 603,384 (1836: 412,497) Einw., d. h. 127 pro QKilometer. Obschon über die Hälfte des Bodens der Landwirtschaft gewidmet ist, so reicht doch das erzeugte Getreide (durchschnittlich 1,7 Mill hl) kaum aus für die dichte Bevölkerung. In beträchtlicher Menge werden Wein (durchschnittlich 250,000 hl), treffliches Obst, Hanf, Futterkräuter und Kartoffeln erzeugt. Die Viehzucht ist nicht unbedeutend, namentlich die Rindviehzucht (1881: 105,000 Stück) und Schafzucht (94,000 Stück); sie wird durch guten Wieswachs unterstützt. Ansehnliche Fichtenwälder liefern Holz, Terpentin etc. Der Hauptreichtum des Departements besteht jedoch in seinen mächtigen Kohlenlagern (Becken von St.-Etienne und Rive de Gier), nächst denen der Departements Nord und Pas de Calais den reichsten Frankreichs, welche 1886: 2,798,595 metr. Ton. ergaben und über 17,000 Arbeiter beschäftigen. Andre mineralische Produkte sind: Eisen-, Blei- und Kupfererz, Marmor, Granit, Porphyr etc. Mineralquellen kommen zu St.-Galmier, St.-Alban und an noch andern Orten vor. Die Industrie ist ungemein blühend, namentlich die Eisen- ^[ERGÄNZUNGSSTRICH!]