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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lokomobile

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Lokomobile (gewöhnliche landwirtschaftliche).

Die typische Form der landwirtschaftlichen L. englischer Konstruktion, in welcher sie gewöhnlich in Größen von 5-20 Pferdekräften ausgeführt wird, ist in Fig. 1 der Tafel in der äußern Ansicht dargestellt, während Fig. 2 den Längsschnitt derselben zeigt. Die Form des Dampfkessels ist hier, wie fast ausnahmslos bei allen Lokomobilen, diejenige des Lokomotivkessels (s. Dampfkessel, S. 450). Links befindet sich die viereckig-kastenförmige Feuerbuchse mit dem Roste. Die heißen Verbrennungsgase gelangen durch die Heizröhren in die Rauchkammer und werden durch den Schornstein abgeführt. Unter dem Rost ist der eiserne Aschenkasten zur Aufnahme der durch die Zwischenräume der Roststäbe hindurchfallenden Asche und Brennstoffteile angebracht. Die äußere Feuerbuchse ist mit der innern durch Stehbolzen verstrebt und überdies noch mit der Endplatte des cylindrischen Kessels verankert. Der normale Wasserstand im Kessel muß stets 0,10 m über der höchsten vom Feuer berührten Kesselfläche erhalten werden. An der Stirnseite der Feuerbuchse befinden sich die elliptische Feuerthür und die Armaturen. Fig. 1 der Tafel zeigt die Disposition der Armaturen, speziell des Manometers, des Sicherheitsventils, der Dampfpfeife und der Probierhähne. Auf der entgegengesetzten Seite des Kessels ist die Rauchkammerthür angebracht, welche beim Reinigen der innern Teile geöffnet wird. Der Schornstein wird beim Transport umgelegt; er ist mit einer als Funkenfänger dienenden Drahthaube versehen. Als Dampfmaschine dient stets die liegende Hochdruckmaschine, zumeist, namentlich bei den englischen Lokomobilen, unmittelbar auf dem Kessel montiert. In den Dampfcylinder strömt der aus dem obern Teil der Feuerbuchse entnommene Dampf durch den Absperrschieber und den Schieberkasten. Die Kanäle zum Verteilen des Dampfes und der Schieber sind genau in der nämlichen Weise angeordnet wie bei den stationären Dampfmaschinen (s. Dampfmaschine, S. 461 ff.). Am Ende der Kolbenstange befindet sich ein Kreuzkopf, dessen Geradführung fast immer mittels der auch bei Lokomotiven angewendeten Linealführung erfolgt. Mittels einer Lenkerstange wird die alternierende Bewegung in die rotierende der Schwungradwelle umgewendet. Die Anordnung dieser letztern ist am besten auf Fig. 1 der Tafel ersichtlich. Die Lager der Schwungradwelle sind bei englischen Lokomobilen für sich an der Kesselwand befestigt. Das Schwungrad wird bei der L. zumeist unmittelbar als Riemenscheibe zum Ableiten der Bewegung auf die Arbeitsmaschine benutzt. Die Räder des Fuhrwerks müssen des bequemen Transports wegen recht hoch sein, und man gibt ihnen in der Regel die Spurweite der gewöhnlichen Lastfuhrwerke. Als notwendiges Zubehör der L. dienen noch die Speisevorrichtungen, Pumpen und Injektoren sowie ein Regulator, sobald die Arbeitsmaschine eine gleichmäßige Geschwindigkeit erfordert.

Von den vielen Variationen der Kesselformen der L. ist diejenige der Firma R. Wolf, Buckau-Magdeburg, hervorzuheben, welche nach Eyth, wie vielleicht keine andre, dem herrschenden englischen Typus ernstliche Konkurrenz zu machen bestimmt ist und zwar besonders dadurch, daß die Feuerbuchse samt dem Heizröhrensystem sich behufs Reinigung aus dem Kessel herausziehen läßt, ein Vorteil, der na-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 5. Lokomobile von Wolf.]