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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: London

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London (öffentliche Bauwerke, Paläste etc.).

erbaute Tabernakel bemerkenswert. Überhaupt gibt es in L. 1151 größere dem Gottesdienst geweihte Gebäude, worunter 554 den Anglikanern, 514 den Dissidenten, 66 den Katholiken und 17 den Juden gehören.

Öffentliche Bauwerke. Paläste etc.

An großartigen öffentlichen Bauten ist L. zwar nicht gerade arm, aber bei der Zerstreuung derselben über die ganze Stadt fallen diese weniger in die Augen. Als architektonischer Glanzpunkt kann eigentlich nur der vom Parlamentsgebäude und der Westminsterabtei überschaute Parlament Square gelten. Trafalgar Square, der infolge seiner Lage Gelegenheit böte, große architektonische Wirkungen zu erzielen, wirkt enttäuschend, wird aber vielleicht im Lauf der Zeit auf eine Weise umgewandelt werden, welche der reichsten und größten Hauptstadt der Welt würdig ist. Seit Wilhelm dem Eroberer ist L. unbestrittene Landeshauptstadt, kann aber trotzdem keinen des Reichs würdigen königlichen Palast aufweisen. Der Tower, welchen Wilhelm als Palast und Zwingburg baute, und der später als Staatsgefängnis diente, ist jetzt Kaserne und Arsenal (s. unten). Der von I. ^[Inigo] Jones vorgeschlagene Prachtbau, an Stelle des durch Feuer zerstörten Palastes von Whitehall, ist Bruchstück geblieben. St. James' Palace, die älteste königliche Residenz Londons, stammt teilweise aus der Zeit Heinrichs VIII., ist aber in architektonischer Beziehung ohne alle Bedeutung. Die wichtigern Hofzeremonien finden in demselben statt; aber die Königin bewohnt während ihrer seltenen Besuche Londons den benachbarten Buckingham Palace, ein 1703 vom Herzog von Buckingham erbautes und später umgestaltetes und erweitertes Gebäude mit hübscher Fassade in deutscher Renaissance (von Blore). Das Innere enthält einige geschmackvolle Räumlichkeiten, darunter den mit scharlachrotem Atlas behangenen Thronsaal und den 1856 vollendeten Ballsaal sowie eine wertvolle Sammlung von Gemälden und Skulpturen. Marlborough House, 1709-10 von Chr. Wren für den großen Herzog von Marlborough erbaut, steht neben dem St. James' Palace und ist Stadtresidenz des Prinzen von Wales. Kensington Palace, aus der Zeit Wilhelms III. stammend, wird von einigen Mitgliedern der königlichen Familie bewohnt. Die Wohnsitze des hohen Adels zeichnen sich weniger durch prachtvolle äußere Ausstattung als durch behagliche Einrichtung des Innern und ihren Gehalt an wertvollen Kunstschätzen aus. Der ehrwürdigste unter ihnen ist Lambeth Palace, die Stadtresidenz des Erzbischofs von Canterbury, am rechten Themseufer, oberhalb der Parlamentsgebäude. Die 1244-70 erbaute Kapelle ist der älteste Teil desselben, und der sogen. Lollardturm, in welchem die Lollarden oder Wiclefiten gefangen gehalten wurden, stammt aus dem 15. Jahrh. Stafford House am St. James' Park, Sitz des Herzogs von Sutherland, Bridgewater House am Green Park, Apsley House (Herzog von Wellington) am Hyde Park Corner und Grosvenor House (Herzog von Westminster), östlich vom Hyde Park, sind wohl die beachtenswertesten unter ihnen und enthalten sämtlich wertvolle Kunstschätze. Holland House, im W. der Kensington Gardens, ist durch historische Erinnerungen interessant. Northumberland und Burlington House bestehen nicht mehr; aber in der City kann der Wißbegierige noch einen Einblick in einen aus dem 15. Jahrh. stammenden Palast gewinnen (Crosby Hall), welcher jetzt als Speisewirtschaft dient.

Unter den Staatsgebäuden steht obenan der neue Palast von Westminster oder das Parlamentsgebäude, an Stelle des 1834 durch Feuer zerstörten alten Palastes errichtet und jedenfalls der größte gotische Bau der Neuzeit. Erbauer des Palastes war Charles Barry. Der Bau begann 1837, und das Äußere wurde 1868 mit einem Kostenaufwand von über 2 Mill. Pfd. Sterl. vollendet. Der gewaltige Bau bedeckt einen Flächenraum von 3,24 Hektar und enthält 1100 Räume, teilweise von großartigen Verhältnissen. Die dem Fluß zugewandte, 286 m lange Hauptfassade ist ziemlich einförmig; schöner ist die westliche Fassade, weil sie reichere Abwechselung bietet. An der nordwestlichen Ecke steht der viereckige, 97,5 m hohe Glockenturm mit der 140 Doppelzentner schweren Stephansglocke und während der Nacht erleuchteter Uhr, deren vier Zifferblätter je 7,16 m Durchmesser haben. In der Mitte des Gebäudes erhebt sich der 91 m hohe, zierliche Mittelturm und an seiner südwestlichen Ecke der bis zu den Zinnen 102,4 m hohe Viktoriaturm mit 19,8 m hohem Portal, durch welches die Königin bei Eröffnung des Parlamente einfährt. Die 1397-99 erbaute Westminster Hall ist dem Parlamentsgebäude einverleibt worden. Sie ist 73,2 m lang, 20,5 m breit, 12,7 m hoch und hat ein vielbewundertes Holzdach. Eine Treppe führt von ihr hinab in die unterirdische St. Stephanskapelle, einen Rest des alten Palastes, 1290-1345 erbaut und in jüngster Zeit glänzend restauriert. Das Innere des Gebäudes durch Westminster Hall betretend, gelangen wir zuerst in die St. Stephen's Hall, in welcher die Bildsäulen von zwölf berühmten Parlamentsmitgliedern aufgestellt sind, und die reichverzierte achteckige Central Hall, 18,28 m im Durchmesser und 24 m hoch. Zur Linken derselben liegt das geschäftsmäßig eingerichtete Haus der Gemeinen (welches indes nicht sämtliche Mitglieder zu fassen vermag), zur Rechten das prunkvoll ausgestattete Herrenhaus. Hinter letzterm liegt eine Reihe von Räumen, welche die Königin bei Eröffnung des Parlaments durchschreitet. Im Prinzengemach steht eine Bildsäule der Königin (von J. ^[John] Gibson); in der nächstliegenden Royal Gallery befinden sich die berühmten Fresken von D. Maclise, den Tod Nelsons und das Zusammentreffen Wellingtons mit Blücher bei Waterloo darstellend. Überhaupt ist sowohl das Äußere als das Innere des Gebäudes mit Werken der Bildhauerkunst und Skulpturen überreich verziert. Die breite Straße Whitehall, die das Parlamentsgebäude mit Charing Croß verbindet, ist dazu bestimmt, Mittelpunkt der Regierungsämter zu werden. Erst jüngst (1868-74) ist dort ein gewaltiger Bau im italienischen Stil entstanden, in welchem die Ministerien des Innern, der Kolonien, Indiens und der auswärtigen Angelegenheiten ein würdiges Unterkommen gefunden haben. Die Fassade nach der Straße zu ist 96,7 m lang, und das Gebäude erstreckt sich bis zum St. James' Park. Sein Äußeres sowohl als die Höfe sind mit Skulpturen reich verziert. Die vielgenannte Downing Street trennt diesen Bau von dem Schatzkammeramt (Treasury buildings), welches die Büreaus des ersten Ministers (Lord High Treasurer), des Handelsamts und des Geheimen Rats enthält. Die von Barry 1846-47 einem häßlichen, alten Gebäude angepaßte Fassade hat eine Länge von 90 m. Hinter demselben liegt das unansehnliche Finanzministerium, welchem der Chancellor of the Exchequer vorsteht. Weiter in der Straße fortschreitend, erreichen wir die "Horse Guards", zwei Schildwachen zu Pferde, beim Amtslokal des Oberbefehlshabers der Armee, einem malerischen Bau (mit Uhrturm) aus dem letzten Jahrhundert. Nördlich davon