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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lot; Lot-et-Garonne; Lota; Lotablenkung; Loteen; Löten; Lothar

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Lot - Lothar.

del ist sehr lebhaft, besonders in Wein, Branntwein, Mehl, Hanf, Harz, Teer und Backpflaumen. Die Eisenbahnen von Agen nach Montauban, Périgueux, Bordeaux und Tarbes durchschneiden das Departement. Es umfaßt die vier Arrondissements: Agen, Marmande, Nérac und Villeneuve und hat Agen zur Hauptstadt.

Lot, nach mosaischem Bericht Neffe des Abraham, mit welchem er in Kanaan einwanderte. Nach der Zerstörung von Sodom und Gomorrha hat er mit seinen beiden Töchtern, die ihn trunken machten, Blutschande verübt und ist dadurch Stammvater der Moabiter und Ammoniter geworden.

Lota, Quappe.

Lota, Hafenstadt in der Provinz Concepcion, in Chile, an der Araucobai, erst 1850 angelegt, mit Kupferschmelzen, Flaschenfabrik, Ausfuhr von Steinkohlen (jährlich 172,800 Ton.) und (1875) 4642 Einw.

Lotablenkung. Die neuern Gradmessungsarbeiten, namentlich die damit verbundenen Präzisionsnivellements, wie 1871 in der Schweiz und nachher durch Bauernfeind in Bayern, haben ergeben, daß die Elemente der durch Bessel zuletzt berechneten sphäroidischen Gestalt der Erdoberfläche nicht für alle Teile derselben zutreffend sind; bestimmt man an zwei Punkten der Erde astronomisch die Polhöhen- und durch Chronometerbeobachtungen oder telegraphisch die Längenunterschiede, verbindet dann aber auf geodätischem Weg (vgl. Geodäsie) beide Punkte und ermittelt die Position des einen Punktes, ausgehend von der des andern, indem man hierfür die Elemente des Besselschen (oder eines andern) Erdsphäroids zu Grunde legt, so wird sich meist zwischen beiden Resultaten eine Differenz (Lotabweichung) einstellen (d. h. der Winkel zwischen der wahren Lotrichtung und der normalen des zu Grunde gelegten Rotationskörpers). Legt man durch die wahren Lote in gleicher Höhe rechtwinkelig dazu unendlich viele Flächen, so wurden diese in einer nicht ganz regelmäßigen sphäroidartigen Fläche aufgehen, die Jordan ("Vermeßkunst", Stuttg. 1880) Geoidfläche nennt. Man glaubt diese Ablenkungen aus der Anziehungskraft großer Massenanhäufungen auf oder unter der Erdoberfläche schließen zu dürfen, wie z. B. in der Nähe von Hochgebirgen eine L. nach deren Richtung sich bemerklich gemacht hat (vgl. Gradmessungen, S. 595).

Loteen, Gruppe der Schmetterlingsblütler.

Löten, s. Lot.

Lot-et-Garonne, Departement, s. Lot (Fluß).

Lothar, altdeutscher Name, s. v. w. das fränkische Chlotar ("Herr der Leute"). Die hervorragendsten Träger des Namens sind:

Römisch-deutsche Kaiser: 1) L. I., ältester Sohn Ludwigs des Frommen, geb. 795, wurde 817 bei der Teilung des Reichs Karls d. Gr., nachdem er seit 814 Bayern regiert hatte, Mitkaiser; 822 erhielt er, nachdem er sich mit Irmengard, Tochter des Grafen Hugo von Tours, vermählt, auch Italien und 823 vom Papste die Kaiserkrone. Im November 824 erließ er die Konstitution Lothars, welche die Rechte des Kaisers und des Papstes in Rom und im Kirchenstaat festsetzte. Als aber Kaiser Ludwig dem von seiner zweiten Gemahlin, Judith, gebornen Sohn Karl 829 Alemannien bestimmte, empörten sich die drei Söhne erster Ehe gegen den Vater, und L. stieß ihn 830 vom Thron; die Deutschen befreiten jedoch Ludwig wieder, und L. verlor 831 die Regentschaft. In einer neuen Empörung 833 siegten L. und seine beiden Brüder durch den Verrat auf dem Lügenfeld, und auf des erstern Betrieb ward Ludwig der Fromme zu der schimpflichen Kirchenbuße zu Soissons im Oktober 833 gezwungen und von L. in strengem Gewahrsam gehalten; indes diese unwürdige Behandlung seines Vaters sowie seine Anmaßung veranlaßten seine Brüder, von ihm abzufallen. Ludwig der Fromme wurde 1. März 834 in St. Denis wieder eingesetzt; L., der nach Burgund geflohen war, mußte sich im Juni 834 in Blois unterwerfen; er behielt bloß Italien als Unterkönigreich. Bei der neuen Teilung des Reichs nach Pippins Tod wurde L. wieder zu Gnaden angenommen und bekam außer Italien Austrasien ohne Bayern (Juni 839). Nach des Vaters Tod (Juni 840) beanspruchte L. als Kaiser die Herrschaft über die ganze Monarchie, allein Ludwig und Karl schlugen ihn bei Fontenoy in Burgund 25. Juni 841. In dem Vertrag von Verdun 10. Aug. 843 behielt L. außer der Kaiserwürde und Italien Burgundien und die Länder zwischen Rhein, Maas und Schelde bis an die Nordsee, mit den beiden Hauptstädten Rom und Aachen. Während er zur Befestigung seiner Macht in Aachen blieb, verwüsteten die Araber 848 seine italienischen Provinzen, und die Normannen plünderten die Küsten der Nordsee. Der hohe Klerus errang sich eine selbständige Stellung, und die großen Vasallen übten nach Lothars Vorbild Willkür und Gewaltherrschaft. An Geist und Körper leidend, teilte L. seine Lande unter seine drei Söhne Ludwig II., der die Kaiserkrone und Italien, Lothar II., der Austrasien (Lotharingien), Karl, der Burgund bekam, und zog sich in das Kloster Prüm in der Eifel zurück, wo er bald nachher als Mönch 29. Sept. 855 starb. Seine Gebeine wurden 1860 wieder aufgefunden.

2) L. II., der Sachse, Graf von Supplinburg, geboren um 1060, erwarb durch seine Vermählung mit Richenza, Ottos von Nordheim Enkelin, 1100 große Güter, schloß sich 1105 der Empörung Heinrichs V. an und erhielt zur Belohnung 1106 nach dessen Thronbesteigung das durch Aussterben der Billunger erledigte Herzogtum Sachsen. Aber auch gegen Heinrich V. erhob er sich, schlug das kaiserliche Heer 11. Febr. 1115 am Welfesholz und erlangte hierdurch und durch die Erbschaft der Brunonischen Güter eine solche Macht, daß er es wagen konnte, den Grafen Konrad von Wettin 1123 in die Mark Meißen, Wigbert und Albrecht von Stade in die Ostmark mit Waffengewalt einzusetzen und die auf kaiserlichen Befehl herbeiziehenden Herzöge Wladislaw von Böhmen und Otto von Mähren zurückzutreiben. Nach dem Tode des Kaisers Heinrich V. wurde er ungeachtet der Ansprüche, die Herzog Friedrich von Schwaben auf die Kaiserkrone hatte, infolge der Ränke des Erzbischofs Adalbert von Mainz und des päpstlichen Legaten 30. Aug. 1125 zum König gewählt; doch mußte er die gänzliche Freigebung der kirchlichen Wahlen geloben und auf den Heimfall aller eingezogenen Lehen an die Krone Verzicht leisten. Um seine gefährlichsten Nebenbuhler zu schwächen, forderte er von den Hohenstaufen als Erben Heinrichs V. diejenigen Reichsgüter zurück, welche das fränkische (salische) Kaiserhaus mit seinen Hausgütern vereinigt hatte. Herzog Friedrich weigerte sich und ward deshalb 1126 in die Reichsacht erklärt. Nachdem L. die Welfen für sich gewonnen, indem er 1127 seine Tochter Gertrud, die Erbin der Supplinburger, Nordheimer und altbraunschweiger Allodialgüter, mit Heinrich dem Stolzen, Herzog von Bayern, vermählte, und die Hilfe der Zähringer sich durch Verleihung von Hochburgund gesichert, begann er den Kampf gegen die Staufer, der im ganzen günstig für ihn verlief. 1132 zog L. nach Rom, wo er 4. Juni 1133 die Kaiserkrone aus