Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lothringen

924

Lothringen (Geschichte).

land abzutreten, und auch auf Westlothringen mußten 879 die Söhne Ludwigs des Stammlers von Frankreich zu gunsten Ludwigs des jüngern verzichten. König Arnulf übergab L. 895 an seinen natürlichen Sohn Zuentebulch als König. Doch fiel dieser 13. Aug. 900 in einem Treffen an der Maas gegen aufständische Große, welche ein Graf Reginar von Hennegau und Haspengau aufgereizt hatte. Reginar wurde, nachdem er mit Erfolg das von Ludwig dem Kind begünstigte fränkische Geschlecht der Konradiner zurückgedrängt hatte, erster Herzog von L. (um 911). Fortan wurde das Gebiet der Mosel, Maas und eines Teils des Niederrheins als L. betrachtet; von dessen bisherigem Gebiet wurden das Elsaß und Friesland ausgeschieden, ebenso der auf dem linken Rheinufer belegene Teil von Franken, während auf dem rechten Ufer dieses Flusses ein schmaler Strich unterhalb Andernach noch zu L. gerechnet wurde. Frankreich strebte indes immer nach dem Besitz von L. So wußte selbst Karl der Einfältige den Herzog Reginar auf französische Seite zu ziehen, und Konrad I. unternahm vergeblich zwei Feldzüge gegen diesen (912). König Heinrich I. stellte die vorige Verbindung durch Traktate, sowohl mit Karl von Frankreich als mit Rudolf von Burgund, nicht nur wieder her (921, 923), sondern befestigte sie noch durch die Vermählung seiner Tochter Gerberga mit Reginars Sohn, dem Herzog Giselbert von L. Nachdem dieser, im Begriff, Andernach, das von Kaiser Otto I. belagert wurde, zu entsetzen, 939 im Rhein ertrunken war, trat Ottos I. Bruder Heinrich an seine Stelle, ward aber wegen seiner Treulosigkeit durch Otto, Richwins Sohn, ersetzt. Nach dessen Tod (944) folgte Konrad von Franken, der sich 953 in eine Verschwörung gegen seinen Schwiegervater, Kaiser Otto I., einließ und deshalb L. verlor, welches nun des Kaisers Bruder Bruno, Erzbischof von Köln, erhielt. Diesem wurden zwei Herzöge untergeordnet: der eine, Gottfried, sollte das Land an der Maas (Niederlothringen), der andre, Friedrich, das an der Mosel (Oberlothringen) regieren. Auch nach Brunos Tod (965) blieben beide Teile getrennt.

In Oberlothringen herrschte Friedrichs Geschlecht bis 1033; dann fiel das Land an den Herzog Gozelo I. von Niederlothringen. Nach seinem Tod (1044) erhielt sein ältester Sohn, Gottfried der Bärtige, Oberlothringen, verband sich aber mit Frankreich gegen Kaiser Heinrich III. Obwohl er entsetzt wurde, machte er dem Kaiser auch in den folgenden Jahren viel zu schaffen. Dieser belehnte 1048 den Grafen Gerhard von Elsaß mit Oberlothringen, und er wurde der Stammvater aller nachmaligen Herzöge. Heinrich I. von Frankreich erhob bei der Zusammenkunft mit dem Kaiser zu Ivois Ansprüche auf L., verließ jedoch heimlich die Stadt, als ihn jener zum Zweikampf herausforderte (1055). In den folgenden Jahrhunderten verminderte sich der Territorialbesitz der Herzöge, indem manche Gebietsteile an jüngere Söhne gegeben wurden, welche dann nach und nach Landeshoheit erwarben. Seitdem Niederlothringen den Namen "Brabant" bekommen hatte, hieß dies Herzogtum "L." Dietbald II. (1304-12) bestimmte 1306 aus einem Landtag, daß auch die Töchter des Herzogs das Land erben könnten, was später zu vielen Streitigkeiten Anlaß gab. Herzog Rudolf (1328-46) beteiligte sich als Bundesgenosse des Königs von Frankreich an dem französisch-englischen Krieg und blieb 1346 bei Crécy. Sein Sohn Johann I. kämpfte ebenfalls für Frankreich und wurde bei Poitiers 1356 und 1364 bei Aurai in der Bretagne gefangen. Er starb 1390 in Paris, man sagt an Gift. Sein Nachfolger Karl I., gleichfalls ein tapferer Kriegsmann (er wurde Connétable von Frankreich), schlug 1407 die vereinigten Fürsten von Luxemburg, Bar, Jülich, Berg, Nassau u. a. bei Nancy. Er hinterließ 1431 L. seiner Tochter Isabella, die mit Renatus von Anjou und Bar vermählt war. Anton von Vaudemont, Karls Neffe, bestritt die weibliche Nachfolge, wurde aber 1431 bei Bulgnéville von Renatus I. geschlagen, so daß letzterm das Herzogtum blieb. 1453 trat er L. an seinen ältesten Sohn, Johann II., ab; mit dessen Sohn Nikolaus starb 1473 diese weibliche Linie aus. Es folgte der Mannesstamm, nämlich jenes Anton von Vaudemont Enkel Renatus II. (gest. 1508), dessen Mutter Jolantha eine Tochter der Isabella von L. gewesen war. Renatus II. (René) wurde 1475 von Karl dem Kühnen von Burgund vertrieben, gewann aber 1477 durch die Schlacht bei Nancy sein Land wieder. Sein jüngerer Sohn, Claudius, ist der Stammvater des Hauses Guise, von dem sich die Linien Mayenne, Aumale und Elbeuf bald abzweigten. Renés Enkel Franz I. starb früh (1545) und hinterließ das Herzogtum dem minderjährigen Karl II. (gest. 1608), für welchen fortan seine Mutter Christine, Prinzessin von Dänemark, die Regierung führte. Am 13. März 1552 rückten die Franzosen in L. ein, besetzten Toul, Verdun und Metz und sogar das herzogliche L., und erst 1559 gab König Heinrich II. dies Karl III. zurück. Während des Dreißigjährigen Kriegs suchte Herzog Karl III. (1625-1675) sich als Verbündeter des Kaisers noch einmal der französischen Übermacht zu entziehen, da besetzte Ludwig XIII. 1632 L., und Kardinal Mazarin gab es erst im Pyrenäischen Frieden 1659 heraus. Schon 1670 eroberte Ludwig XIV. wiederum L., behielt es auch im Frieden zu Nimwegen 1678 und setzte erst im Frieden zu Ryswyk 1697 den Sohn des 1690 verstorbenen Herzogs Karl IV., Leopold Joseph Karl, in sein Land ein. Frankreich (Kardinal Fleury) nahm L. (1733) im polnischen Erbfolgekrieg wiederum in Besitz und erhielt es mit dem Herzogtum Bar im Wiener Frieden 1738 einstweilen auf lebenslang für den ehemaligen König Stanislaus von Polen, für dessen Todesfall aber mit völliger Souveränität abgetreten. Dagegen bekam der letzte Herzog, Franz Stephan (seit 1729), Gemahl der Maria Theresia, das Großherzogtum Toscana zur Entschädigung angewiesen, auf welches Kaiser Karl VI. resignierte. Zwar war dem Herzogtum L. 1736 sein Sitz und Stimmrecht bei deutschen Reichs- und Kreistagen vorbehalten und verblieb ihm bis zum Frieden von Lüneville (1801), aber das Land ward sogleich in französische Verwaltung genommen und nach dem Tode des Königs Stanislaus (22. Febr. 1766) dem französischen Reich völlig einverleibt. Im Frieden zu Frankfurt (10. Mai 1871) mußte Frankreich das Departement der Meurthe und die Arrondissements Saarburg und Château-Salins an Deutschland abtreten, 6221 qkm mit 489,000 Einw. Sie bilden den Bezirk L., welcher in acht Kreise zerfällt (s. Elsaß-Lothringen, mit Karte).

Niederlothringen hatte in der Teilung Lothringens von 954 Gottfried I. erhalten. Dieser starb 964 in Italien, wohin er Otto I. begleitet hatte. Sein Land ward zunächst eingezogen, 976 an Karl, den Bruder des Königs Lothar von Frankreich, von Otto II. als Reichslehen verliehen, aber der räuberische Einfall des französischen Königs Lothar 978 durch des Kaisers glorreichen Feldzug nach Frankreich gebührend gerächt. Karls Sohn und Nachfolger Otto