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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lothringisches Feuer; Lotichĭus; Lötigkeit; Lötkolben; Lotleine; Lotophāgen; Lotos; Lotrecht; Lötrohr

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Lothringisches Feuer - Lötrohr.

starb 1004 ohne Nachkommen. 1012 erhielt Gottfried, der Sohn des Grafen Gottfried von Verdun, Niederlothringen, ihm folgte 1023 sein Bruder Gozelo I., welcher 1033 auch mit Oberlothringen belehnt wurde. Als er 1044 starb, gab Kaiser Heinrich III. dessen jüngerm Sohn, Gozelo II., Niederlothringen. Nachdem noch der ehemalige Herzog Gottfried II. von Oberlothringen 1065-70 in Niederlothringen geherrscht, fiel dies an seinen Sohn Gottfried den Buckligen, einen treuen Anhänger Heinrichs IV. Er adoptierte seinen Neffen Gottfried von Bouillon, doch erst 1088 belehnte diesen der Kaiser mit Niederlothringen. Nach dessen Tod in Jerusalem (1100, s. Kreuzzüge) übertrug Kaiser Heinrich V. Gottfried dem Bärtigen, Grafen von Brabant, das Herzogtum, und dieser wußte es im Kampf gegen Heinrich von Limburg zu behaupten. Doch die Feindschaft zwischen beiden Geschlechtern bestand, bis 1155 die Limburger, aus dem Verband Niederlothringens entlassen, Titel und Rechte eines Herzogs in ihrem eignen Gebiet erhielten. Seit Heinrich I. (1186-1235) nannten sich die Herzöge von Niederlothringen Herzöge von Brabant. Herzogin Johanna trat 1404 das Herzogtum an Anton von Burgund ab, und dieser gründete hier 1405 eine Sekundogenitur. 1429 wurde es endlich, ebenso wie Hennegau und Holland, durch Herzog Philipp den Guten mit Burgund vereinigt. Vgl. Digot, Histoire de Lorraine (2. Aufl., Nancy 1879-80, 6 Bde.); Haussonville, Histoire de la réunion de la Lorraine à la France (2. Aufl., Par. 1860, 4 Bde.); Wittich, Die Entstehung des Herzogtums L. (Götting. 1862); Jacquet, Histoire de Lorraine (Metz 1874); Hutzelmann, Angriffe Frankreichs auf Elsaß und L. (Nürnb. 1872); Huhn, Geschichte Lothringens (Berl. 1877, 2 Bde.).

Lothringisches Feuer, s. Feuer, flüssiges, S. 200.

Lotichĭus, Petrus, neulat. Dichter, zur Unterscheidung von seinem gleichnamigen Oheim auch Secundus genannt, geb. 2. Nov. 1528 zu Schlüchtern im Hanauischen, studierte zu Marburg Medizin, in Wittenberg unter Camerarius und Melanchthon Humaniora, machte später als Führer mehrerer reichen Jünglinge Reisen durch Frankreich und Italien und wurde 1557 Professor der Medizin zu Heidelberg, wo er 7. Nov. 1560 starb. Seine lateinischen Gedichte, namentlich die Elegien, in denen er mit Ovid wetteifert, reihen ihn den bedeutendsten lateinischen Dichtern der neuern Zeit an. Seine "Poemata" (1551) wurden später von Burmann (Amsterd. 1754, 2 Bde.), Kretschmar (Dresd. 1775) und Friedemann (Leipz. 1840) herausgegeben und von Köstlin ins Deutsche übersetzt (Halle 1826). - Auch ein Neffe von ihm, Johann Peter L., gest. 1669 in Frankfurt als kaiserlicher Historiograph, hat sich als lateinischer Dichter bekannt gemacht. Vgl. Ebrard, Peter L. der jüngere (mit Auswahl seiner Gedichte, Gütersl. 1883).

Lötigkeit, s. Silberlegierungen.

Lötkolben, s. Lot.

Lotleine, s. Senkblei.

Lotophāgen (griech., "Lotosesser"), bei Homer ein an der Nordküste Libyens wohnendes Volk, das von den Früchten des dort einheimischen Lotosbaums lebte. Sie nahmen den Odysseus, als er auf seinen Irrfahrten zu ihnen kam, mit seinen Gefährten gastfrei auf; doch äußerte auf letztere die Süßigkeit der Lotosfrucht eine solche Wirkung, daß sie ihr Vaterland darüber vergaßen. Spätere Autoren setzen die L. an die Küste der Kleinen Syrte (vgl. Dscherba).

Lotos, antiker Pflanzenname, welcher sich auf sehr verschiedene Pflanzen bezieht. Unter dem L. der Lotophagen des Homer hat man Bäume oder Sträucher mit süßen, saftigen Beeren zu verstehen, und man glaubt ihn in Zizyphus lotus Lam. und Z. spina Christi Willd., auch in Celtis australis L. zu erkennen. Der L., welchen bei Homer die Pferde fressen, ist wohl eine Kleeart, vielleicht Melilotus, aber nicht unser heutiger Lotus (s. d.). Endlich hat man unter L. (Lotusblumen) verschiedene Wasserlilien zu verstehen, besonders Nymphaea lotus L., N. edulis Dec. und Nelumbium speciosum Willd. Die symbolische Behandlung des L. in den Mythologien bezieht sich ausschließlich auf die Wasserlilien und vorzugsweise auf Nelumbium speciosum (s. d.). S. Tafel "Wasserpflanzen".

Lotrecht, s. v. w. in der Richtung des Lotbleies, senkrecht, perpendikulär (s. Lot).

Lötrohr, ein rechtwinkelig gebogenes, etwas konisches Metallrohr zum Anblasen der Flamme beim Löten und bei der Analyse von Mineralien und andern Körpern auf trocknem Weg. Besteht das L. nur aus einem einfachen Rohr, so stört die aus der ausgeatmeten Luft sich absetzende Feuchtigkeit sehr bald die Flamme. Man konstruiert deshalb das L. aus einem geraden, etwas konischen, mit Mundstück versehenen Messingrohr, welches mit seinem schwächern Ende in einem erweiterten cylindrischen Körper steckt. Dieser hohle Körper dient als Sammler der Feuchtigkeit und besitzt eine zweite Öffnung, in welcher rechtwinkelig zu dem erstern Rohr ein kurzes, dünnes, ebenfalls konisch zulaufendes Rohr steckt, welches mit einer fein durchbohrten Platinspitze versehen ist. Letztere hält man in die Flamme, während man durch das Mundstück einen gleichmäßigen starken Luftstrom erzeugt. Die Länge des Lötrohrs richtet sich nach der Weite des deutlichen Sehens und beträgt gewöhnlich 20-25 cm. Man kann zum Arbeiten mit dem L. eine Öl-, Spiritus- oder besser eine Gasflamme benutzen und unterscheidet an allen die Reduktions- und die Oxydationszone. Letztere ist die äußerste Hülle der Flamme, in welcher vollständige Verbrennung stattfindet und außerdem überschüssiger Sauerstoff vorhanden ist. Im Innern der Flamme dagegen befinden sich noch unverbrannte Gase, und diese wirken bei völliger Abwesenheit von Sauerstoff reduzierend, indem sie bei der hohen Temperatur auf Kosten des erhitzten Körpers zu verbrennen suchen. Man bläst mit Hilfe der Wangenmuskeln, nicht mit der Lunge, und muß lernen, während des Blasens ruhig zu atmen, damit die Flamme nicht gestört werde. Zur Erleichterung des Blasens benutzt man Gebläse, am besten zwei Gummibälle, von welchen der eine als Windsack dient. Die vor dem L. zu untersuchenden Substanzen erhitzt man auf Holzkohle oder mit Flußmitteln in einem Platindrahtöhr und schließt aus den Erscheinungen, die hierbei auftreten, auf die Natur und die Bestandteile des Körpers. Die Lötrohranalyse ist für den Chemiker von großer Wichtigkeit, da sie sofort Resultate liefert. Diese sind meist nur qualitativer Art und oft nur andeutend, doch kann man einige Körper auch quantitativ mit dem L. bestimmen. Das L. wurde zuerst 1670 von Erasmus Bartholin benutzt und in Schweden bald als wichtige Hilfe bei mineralogischen und chemischen Untersuchungen geschätzt. Gahn, welcher dem L. seine jetzige Gestalt gab, legte auch den Grund zu dessen heutigem wissenschaftlichen Gebrauch. Berzelius veröffentlichte Gahns Methode und 1820 ein eignes Werk über das L. Harkort zeigte 1827, daß das L. auch zu quantitativen Untersuchungen zu benutzen sei, und Plattner erweiterte seine Methode und gab dem L. das Mundstück.