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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ludwig

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Ludwig (Bayern).

gen den Vater und brachte ihn 1443 in seine Gewalt, in der er bis zum Tod seines Sohns 1445 blieb. Nun bemächtigte sich Albrecht von Brandenburg des Gefangenen, welcher ihn 1446 an seinen Todfeind Heinrich von Landshut auslieferte. L. starb 1. Mai 1447 in Burghausen im Kerker. Seine Schätze und Länder erbte Heinrich. Vgl. K. v. Lang, Geschichte Herzog Ludwigs des Bärtigen von Bayern (Nürnb. 1821).

16) L. IX., der Reiche, Herzog von Bayern-Landshut, Sohn Heinrichs des Reichen, geb. 21. Febr. 1417, folgte seinem Vater, der ihn bisher aus Geiz in engen Verhältnissen in Burghausen gehalten, 29. Juli 1450. Ungeheuer reich, freigebig und prachtliebend, hielt er einen prunkvollen Hof. Sein Hochzeitsfest mit Amalie von Sachsen und später das seines Sohns Georg mit der polnischen Königstochter Hedwig blieben wegen ihrer seltenen Pracht und des ungeheuern Luxus noch lange im Andenken der Leute. Obwohl friedliebend, suchte er doch das Ansehen des wittelsbachischen Hauses im Reich zu heben. Mit seinem Vetter Friedrich dem Siegreichen von der Pfalz verbündet, bemächtigte er sich 1458 Donauwörths und kämpfte glücklich gegen Albrecht Achilles von Brandenburg, der sich ein Gericht über ihn anmaßte, und den er 1460 zum Vertrag von Roth zwang und, als Albrecht von neuem den Reichskrieg gegen L. erregte, 19. Juli 1462 bei Giengen glänzend besiegte. Hierdurch erlangte er die gebührende Stellung im Reich für Bayern wieder, welches er durch eine weise Verwaltung auch in Sicherheit und Rechtspflege, Ackerbau, Handel und Industrie, endlich in geistiger Bildung zu hoher Blüte brachte; 1472 gründete er die Universität Ingolstadt. Er starb 18. Jan. 1479. Vgl. A. Kluckhohn, L. der Reiche (Nördling. 1865).

17) L. I. Karl August, König von Bayern, ältester Sohn des Königs Maximilian Joseph aus dessen erster Ehe mit Auguste von Hessen-Darmstadt, geb. 25. Aug. 1786 zu Straßburg, wo sein Vater Oberst des französischen Regiments d'Alsace war, ward in Mannheim, wohin seine Eltern 1789 vor der Revolution geflüchtet waren, und in Rohrbach an der Bergstraße einfach und streng erzogen und genoß den Unterricht vortrefflicher Lehrer, welche seine guten natürlichen Anlagen zu hoher, vielseitiger Bildung entwickelten. Als sein Vater 1799 Kurfürst von Bayern wurde, siedelte er mit seinen Eltern nach München über und bezog 1803 die Universität Landshut, dann Göttingen, um Staatsrecht, Philosophie und Geschichte zu studieren. Damals begann er zuerst sich in Gedichten zu versuchen, die zwar barock in Wort- und Satzbau und voll Verstöße gegen die Metrik sind, aber für den edlen Geist und das tiefe Gemüt des Verfassers ein schönes Zeugnis ablegen. Eine hohe Begeisterung für das Vaterland, den Genius des deutschen Volkes erfüllte ihn. Seine erste Reise nach Italien 1804 förderte und bethätigte seinen lebhaften Kunstsinn. 1806 mußte er Napoleon nach Paris begleiten, und 1807 befehligte er im französischen Heer die bayrische Division. Auch im Krieg von 1809 kommandierte er unter Lefebvre eine Division des bayrischen Korps, obwohl er Napoleon haßte. Um so schmerzlicher war es ihm, daß er an dem Kriege gegen Frankreich 1813-14 nicht teilnehmen durfte. In der Zeit des Friedens widmete er sich besonders der Kunst, namentlich in Rom, wo er sich zweimal, 1817-18 und 1820-21, längere Zeit aufhielt, und begann den Bau der Glyptothek, für deren Sammlung er schon 1804 die Ankäufe begonnen hatte. An der Politik nahm er nur wenig Anteil; nur den Sturz Montgelas' (1817), dessen büreaukratischer Rationalismus seinen romantischen Anschauungen zuwider war, und die Einführung der Verfassung beförderte er. Seine liberalen Grundsätze bethätigte er auch in den ersten Jahren nach seiner Thronbesteigung (12. Okt. 1825): das Zensuredikt wurde aufgehoben, der Kirche größere Freiheit gelassen, und seine erste Thronrede 17. Nov. 1827 verkündete noch weitere Reformen. Die arg zerrütteten Finanzen wurden durch bedeutende Ersparungen in Ordnung gebracht. Die Universität Landshut wurde reorganisiert und nach der Hauptstadt verlegt sowie die großartigen Kunstbauten und Sammlungen begonnen, deren Kosten zumeist aus den Privatmitteln des Königs bestritten wurden. Cornelius, Schnorr, Kaulbach u. a. wurden nach München berufen, um es mit Fresken und Gemälden zu schmücken; Schwanthaler schuf zahlreiche Bildwerke, die Glasmalerei und Gießkunst wurden von L. wieder belebt. 1826 wurde der Grundstein zur Pinakothek, 1830 zur Walhalla gelegt. Lebhaft hatte L. schon als Kronprinzen der Freiheitskampf der Hellenen beschäftigt; als König lieh er ihnen seine materielle und moralische Unterstützung und brachte der Einsetzung seines Sohns Otto als König von Griechenland 1832 bedeutende Opfer aus seinem Privatvermögen (über 2 Mill. Gulden), die ihm schlecht gedankt wurden. 1835-36 bereiste er selbst Griechenland. Mehr und mehr aber wurde L. seiner königlichen Rechte und seiner Pflicht für Wahrung des monarchischen Prinzips bewußt, zumal als die Stände ihm öfters opponierten oder ungeduldige Forderungen stellten, und seitdem der liberal gesinnte Minister Fürst Wallerstein 1837 seine Entlassung nahm. Mit der Ernennung Abels zu seinem Nachfolger wuchs auch die Macht der ultramontanen Partei, der L. selbst durch seine romantische Vorliebe für die katholische Kirche und ihre mittelalterlichen Einrichtungen Vorschub leistete. Zahlreiche Klöster erstanden wieder, Klagen über Beeinträchtigung der Protestanten wurden laut, die Zensur lebte von neuem auf, Unterricht und Wissenschaft wurden vernachlässigt. Die klerikalen Anmaßungen wurden endlich L. selbst unerträglich; aber der äußere Anlaß, der L. zum Sturz des wenig beliebten Ministeriums Abel bewog, raubte diesem Schritt seine Popularität vollständig: erst als das Ministerium 11. Febr. 1847 sich weigerte, die Indigenatsverleihung an die Freundin Ludwigs, die abenteuerliche Tänzerin Lola Montez, gegenzuzeichnen, erhielt es seine Entlassung, und der freisinnige Staatsrat v. Maurer ward an die Spitze der Regierung berufen, dem jedoch bald Fürst Wallerstein folgte. Die Opposition der ultramontanen Professoren und Studenten in München reizte L. so, daß er mit scharfen Polizeimaßregeln dagegen einschritt und im Februar 1848 sogar die Universität schloß. Als dies, verbunden mit der Erregung der Februarrevolution, zu Unruhen in München Anlaß gab, legte er 20. März 1848 die Krone nieder; ihm folgte sein ältester Sohn, Kronprinz Maximilian. So endete seine fast 23jährige Regierung. L. war zu wenig Staatsmann, um Bayern durchgreifend umzugestalten und bestimmte Ziele mit Konsequenz zu verfolgen. Nur in der auswärtigen Politik hielt ihn seine echt deutsche Vaterlandsliebe stets ab (von seinen Bestrebungen zur Wiedererwerbung der badischen Pfalz abgesehen), mit fremden Mächten zu intrigieren; er wünschte lebhaft die Einigung Gesamtdeutschlands. Von bedeutendem Einfluß war L. durch seine Beförderung der Künste auf die geistige Entwickelung Bayerns und Deutschlands; gerade seine Vielseitigkeit war hier von Vorteil. Auch nach seiner Abdankung ver-^[folgende Seite]