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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ludwig

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Ludwig (Frankreich: L. XV.).

Frankreichs, die unerschöpflich schienen, begannen zu versiegen; die großen Staatsmänner und Feldherren, die nach und nach starben, wurden nicht durch ebenbürtige Nachfolger ersetzt. Trotzdem war die Überlegenheit des einheitlich geleiteten Frankreich der Koalition gegenüber so groß, daß L. 1697 im Frieden zu Ryswyk Elsaß und Straßburg behielt. Gleichwohl bezeichnet dieser Friede einen Stillstand, ja Rückschritt. Der Plan einer französischen Universalmonarchie unter L. war nun unausführbar. Die hohen Steuern, Mißwachs und Teurung hatten den Wohlstand des Landes sehr geschädigt und Unzufriedenheit erregt. L. versöhnte sich mit dem Papst und gab 1693 die gallikanische Unabhängigkeit preis; auch gewährte er 1698 den noch vorhandenen Protestanten wenigstens Gewissensfreiheit.

In der spanischen Erbfolgefrage, welche nun in den Vordergrund des Interesses trat, da der Tod des kinderlosen letzten Habsburgers in Spanien, Karls II., jeden Augenblick erfolgen konnte, verstand sich L. zu Verträgen mit den Seemächten, welche sein Erbrecht ausschlossen. Als nun aber Karl II. 1. Nov. 1700 starb und sein Testament unerwarteterweise Ludwigs zweiten Enkel, Philipp von Anjou, zum Erben der gesamten Monarchie ernannte, konnte L. der Versuchung nicht widerstehen, das Ziel seiner ganzen Politik, die Erwerbung Spaniens für seine Familie, zu erreichen: er nahm für seinen Enkel die Erbschaft an, um so mehr, da die spanische Nation den Bourbon wünschte, und rief so den spanischen Erbfolgekrieg hervor, in dem Frankreich auch seine militärische Überlegenheit nicht mehr behaupten konnte. Dem Prinzen Eugen und Marlborough waren die Nachfolger Turennes, Condés, Luxembourgs und Catinats nicht gewachsen. Von 1704 bis 1709 folgte Niederlage auf Niederlage, schon drangen die Verbündeten in Frankreich ein, die Kräfte des Landes waren erschöpft, und die Sehnsucht nach Frieden war allgemein. L. war auch bereit, ihn mit den größten Opfern, nicht bloß Verzicht auf Spanien, sondern sogar Herausgabe aller Eroberungen in Deutschland, zu erkaufen; aber mit berechtigtem Stolz weigerte er sich trotz alles Unglücks, seinen Enkel, der sich mit Erfolg in Spanien behauptete, selbst mit französischen Truppen vertreiben zu helfen. Seine Zuversicht auf sein Glück wurde gerechtfertigt. Der Sturz des Whigministeriums in England führte den Abfall der Seemächte von Österreich und den Separatfrieden von Utrecht 1713 herbei, welchem sich Kaiser und Reich 1714 anschließen mußten. L. behauptete die Grenzen seines Reichs und rettete seinem Enkel den Hauptteil der spanischen Monarchie; aber die Blüte seines Landes war geknickt, die Finanzen zerrüttet, die Schuldenlast auf 2 Milliarden gewachsen. L. überlebte die Glanzzeit seiner Monarchie und starb erst 1. Sept. 1715. Seine Gemahlin Maria Theresia, Tochter des Königs Philipp IV. von Spanien, hatte ihm sechs Kinder geboren, von denen die fünf jüngern früh starben; der älteste Sohn, der Dauphin Ludwig, starb 1711. Da 8. März 1712 auch der älteste Sohn desselben, der Herzog von Bourgogne, und im März 1714 dessen Bruder, der Herzog von Berri, starben, so blieb außer Philipp V. von Spanien nur der Sohn des Herzogs von Bourgogne übrig, der dem Urgroßvater im Alter von fünf Jahren als Ludwig XV. folgte. Ludwigs einflußreichste Mätressen waren nacheinander Lavallière (s. d.), die ihm vier, Montespan, die ihm sechs Kinder gebar, Fontanges und die Witwe Scarron, Françoise d'Aubigné, die er zur Marquise von Maintenon erhob, und mit der er sich nach Maria Theresias Tod (1683) im Herbst 1685 heimlich vermählte; sie übte einen großen Einfluß auf ihn aus und bekehrte ihn zur Frömmelei. Seine "Œuvres", welche die Instruktionen für den Dauphin und für Philipp V. sowie auch Briefe enthalten, erschienen zu Paris 1806 in 6 Bänden. Seine "Mémoires" (Instruktionen) gab Dreyß (Par. 1859, 2 Bde.) heraus. Vgl. Voltaire, Siècle de Louis XIV (1740); Saint-Simon, Mémoires sur le siècle de Louis XIV et la régence (1788, viele Auflagen; zuletzt von Chéruel, Par. 1856-76, 20 Bde.); Lemontey, Essai sur l'établissement monarchique de Louis XIV (das. 1818; deutsch, Leipz. 1830); Gaillardin, Histoire du règne de Louis XIV (Par. 1871-76, 6 Bde.); Philippson, Das Zeitalter Ludwigs XIV. (Berl. 1879); Chéruel, Histoire de France pendant la minorité de Louis XIV (Par. 1878-80, 4 Bde.); Michelet, Louis XIV et la révocation de l'édit de Nantes (3. Aufl., das. 1875); Michaud, Louis XIV et Innocent XI (das. 1882-83, 4 Bde.); Krohn, Die letzten Lebensjahre Ludwigs XIV. (Jena 1865); Clément, La police sous Louis XIV (2. Aufl., Par. 1866).

33) L. XV., König von Frankreich, Sohn des Dauphins Ludwig, Herzogs von Bourgogne, und der Prinzessin Maria Adelheid von Savoyen, geb. 15. Febr. 1710, folgte seinem Urgroßvater Ludwig XIV. schon 1. Sept. 1715 unter der Regentschaft des Herzogs Philipp von Orléans auf dem Thron. Ein schwächliches Kind, kam er erst im siebenten Jahr unter männliche Aufsicht und erhielt durch Marschall Villeroi und Kardinal Fleury eine sehr fromme Erziehung. 1723 wurde er bereits für mündig erklärt, übernahm aber noch nicht selbst die Regierung. Nach dem Tode des Herzogs von Orléans (2. Dez. 1723) ward auf Fleurys Rat der Herzog von Bourbon zum obersten Staatsminister ernannt; aber 1726 trat Fleury) selbst in diese Stelle ein und verwaltete sie bis an seinen Tod (1743). Wiewohl friedliebend und auf Ordnung in den Finanzen und auf Hebung des Wohlstandes bedacht, wurde er doch durch den Wunsch Ludwigs, den Vater seiner Gemahlin Maria, den frühern König Stanislaus Leszczynski von Polen, nach Augusts II. Tod 1733 wieder auf den polnischen Thron erhoben zu sehen, in den polnischen Erbfolgekrieg verwickelt, der zwar mit der Vertreibung Stanislaus' aus Polen endete, aber 1738 im Wiener Frieden Frankreich die Anwartschaft auf Lothringen verschaffte. Als Fleury 1743 während des österreichischen Erbfolgekriegs starb, übernahm L. selbst die Leitung des Staats. Er besaß Bildung und ein treffendes Urteil; auch war er vom Ehrgeiz beseelt, unter den Fürsten Europas die erste Rolle zu spielen, wie sein Vorgänger; aber gänzlich fehlte ihm ausdauernde Thätigkeit. Seine grob sinnlichen Liebschaften nahmen bald fast seine ganze Zeit in Anspruch, nur um Kleinigkeiten kümmerte er sich, und selbst in der auswärtigen Politik, der er noch das meiste Interesse zuwendete, wechselte er sprungweise seine Minister und seine Gesichtspunkte oder verfolgte in geheimer Korrespondenz mit diplomatischen Agenten besondere Pläne. Im österreichischen Erbfolgekrieg erfocht zwar das französische Heer unter L. selbst bei Fontenoy 1745 und dann unter dem Marschall von Sachsen mehrere Siege, welche die spanischem Niederlande in französische Gewalt brachten. Um so unglücklicher wurde aber der Krieg in Italien und zur See geführt, und im Frieden von Aachen mußte L. auf alle Eroberungen verzichten und Maria Theresia als Erbin ganz Österreichs anerkennen. Noch