Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Luftschlucken; Luftspiegelung

990

Luftschlucken - Luftspiegelung.

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Luftschiffahrt'

die Aviation, werden von vielen Seiten für aussichtslos gehalten; vielfach wird es für unmöglich erklärt, daß die für den Flug erforderliche große Kraft durch Maschinen von genügender Leichtigkeit ausgeübt werden könnte. Dabei zeigt aber doch die Natur, daß die rein dynamische L. thatsächlich von zahlreichen Tieren und vielfach auch von sehr zarten und schwachen Tierchen ausgeführt wird. Es ist daher ganz begreiflich, daß immer wieder von neuem der Versuch gemacht worden ist, die Gesetze dieser Bewegungen zu ermitteln; es galt sodann festzustellen, ob nicht die Tiere für uns Modelle für Flugmaschinen sein können, ob nicht das, was sie im kleinen leisten, durch die menschliche Kraft oder durch Maschinen im großen ausführbar ist. Es ist zunächst 1514 durch Leonardo da Vinci, sodann 1630 durch Borelli und in neuester Zeit namentlich durch Marey (seit 1868) der Versuch gemacht worden, die Gesetze des Vogelflugs zu ermitteln und das Gefundene für die Konstruktion von Flugmaschinen praktisch nutzbar zu machen. Die Anatomie und Physiologie des Vogelkörpers zeigte, daß, im Gegensatz zu frühern irrigen Vorstellungen, große und kleine Tiere im ganzen geometrisch ähnlich gebaut seien, daß, zumal bezüglich der Größe der Flügelflächen, dieselben Verhältnisse bei Fliegern aller Größen vorkommen. Bezüglich der treibenden Kraft der Muskeln zeigten exakte Untersuchungen, daß in dieser Beziehung kein Unterschied zwischen den Muskeln der fliegenden Tiere einerseits und zwischen denen der gehenden, springenden, schwimmenden anderseits besteht. Auch bezüglich der Form der Bewegungen wurden durch die Anwendung der Momentphotographie und durch graphische Hilfsmittel neue und klarere Vorstellungen gewonnen, als dieses früher bei der direkten Beobachtung mit bloßem Auge möglich gewesen war. Diese Studien zeigten, daß der Vogelflug ein weit verwickelterer Hergang ist, als er der naiven Betrachtung ursprünglich erschien, und daß einer gelungenen Nachahmung noch immer große Schwierigkeiten entgegenstehen.

Flugmaschinen sind bisher hauptsächlich in Frankreich konstruiert worden. Die einfachste Maschine dieser Art ist das Helikopter oder die Luftschraube, ursprünglich erfunden von Leonardo da Vinci 1514, später durch Launoy und Bienvenu 1784; bei diesen Apparaten bewegen sich eine oder mehrere Schraubenflächen um eine lotrechte Achse. Die Wahrnehmung, daß bei der Hebung von Flugmaschinen durch vertikalachsige Schrauben der weitaus größte Teil der aufgewandten Arbeit nutzlos verloren geht, führte Henson 1842 zu der Konstruktion des Aeroplans, einer Verbindung einer horizontalachsigen Luftschraube mit einer schiefen Ebene. Von den Helikoptern sowohl als von den Aeroplanen haben sich bisher nur kleine Modelle in die Luft erhoben und zwar nur auf ganz kurze Zeit. Sollen die Maschinen leistungsfähiger sein, so ist in erster Linie erforderlich, daß die Motoren möglichst leicht seien. Ob und wie und wann es glücken wird, die dem Gelingen entgegenstehenden großen Schwierigkeiten zu überwinden, darüber sind die Aeronautiker sehr verschiedener Meinung. Vgl. außer den Schriften von Montgolfier (s. d.): Dupuy de Lôme, Note sur l'aérostat (Par. 1872); Gaede, Über den Bau gefesselter und lenkbarer Luftschiffe (Berl. 1873); Stephan, Weltpost und L. (das. 1874); Auerbach, Hundert Jahre L. (Bresl. 1884); Pettigrew, Die Ortsbewegung der Tiere (a. d. Engl., Leipz. 1875); Mödebeck, Handbuch der L. (das. 1886, Nachtrag 1887); Tissandier, La navigation aérienne (Par. 1886); Derselbe, ↔ Histoire des ballons (das. 1887); Masius, Luftreisen von Glaisher, Flammarion, Fonvielle und Tissandier (Leipz. 1872); Lavergne, Verwendbarkeit der Luftballons in der Kriegführung (Berl. 1886); Heß, Der gegenwärtige Stand der militärischen L. (Wien 1887); "Zeitschrift des deutschen Vereins zur Beförderung der L." (Berl., seit 1882); "L'aéronaute, bulletin mensuel etc." (Par. 1868).

Luftschlucken, s. Koppen der Pferde.

Luftspiegelung (Kimmung, Fata Morgana, franz. Mirage), eine optische Lufterscheinung, welche dadurch entsteht, daß Lichtstrahlen, wenn sie durch ungleich erwärmte und folglich auch ungleich dichte Luftschichten dringen, gebrochen und von der ursprünglichen Richtung abgelenkt werden. Sie ist also eine Folge der atmosphärischen Strahlenbrechung (s. Brechung des Lichts). Sie besteht darin, daß Gegenstände, die sich unter dem Horizont befinden, deutlich sichtbar, also gewissermaßen gehoben werden, aber stets wie von Wasser umgeben, oder daß über dem Horizont befindliche Gegenstände doppelt, vergrößert oder umgekehrt in der Luft schwebend erscheinen. Am häufigsten ist die L. über weiten Ebenen, namentlich über größern Sandflächen und über Gewässern, und am auffallendsten in den heißen und kalten Gegenden der Erde. Die deutschen Seeleute nennen diese Erscheinung Kimmung, die englischen Looming, die holländischen Uppdracht, die französischen Mirage. In Indien nennt man die L. Chiltram, "Bild", oder Sikota, "Schlösser der kalten Zeit"; bei den Arabern heißt sie Sehrab, "geheimnisvolles Wasser", auch Bacher el Alfrid, "Sohn des Teufels", oder Bacher el Gazal: Die Erklärung der L. über stark erwärmtem ebenen Boden beruht auf folgendem. An heißen, windstillen Sommertagen, wenn der Boden durch die Sonnenstrahlen erhitzt ist und die untern Luftschichten an dieser hohen Temperatur teilgenommen haben, beobachtet man eine eigentümlich zitternde Bewegung wenige Zoll über der Erde. Blickt man auf eine etwas geneigte Ebene, so erinnert die Erscheinung wohl an den leise bewegten Spiegel eines Sees. In Niederägypten z. B., wo die Sonne eine höhere Wärme entwickelt, zeigt sich das Phänomen auf dem ebenen Boden bedeutend stärker. Hier ist auch die L. durch Monge 1798 untersucht worden. Ist nämlich die Luft völlig ruhig, so lagern die Luftschichten in ebenen horizontalen Schichten übereinander, und der Temperaturunterschied wird so bedeutend, daß die Lichtstrahlen, indem sie aus einer Luftschicht in die andre übergehen, eine bedeutende Brechung erleiden und teilweise total reflektiert werden können. Unter diesen Umständen verschwindet für den Beobachter der Boden in einiger Entfernung (indem die von demselben ausgehenden Lichtstrahlen total reflektiert werden); er sieht zwar noch die höhern Gegenstände, wie Hügel, Dörfer und Bäume, aber er erblickt von diesen gleichzeitig ein umgekehrtes Spiegelbild in derselben Weise, wie sich hohe Gegenstände am Ufer eines Sees in diesem spiegeln. Der Reisende glaubt deshalb stets in der Nähe eines Wassers zu sein, dessen Ufer fliehen, sobald er sich ihnen zu nähern sucht. Besteigt der Beobachter eine Höhe, so steigt auch der Spiegel, und endlich verschwinden selbst Felsen unter demselben. Ähnliche Erscheinungen beobachtet man überall in wärmern Gegenden in der Nähe der Küsten auf dem Meer, und der Schiffer kennt sie als Seegesicht. In den Polargegenden zeigt sich die L. unter andern Bedingungen als in den heißen Gegenden, indem namentlich die Oberfläche des Meers in den kalten Gegenden der

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 991.