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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lugāno; Lugansk; Luganskij; Lugau; Lügde; Lugdūnum; Lüge; Lugger; Luginsland; Lugnezer Rhein; Lugo

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Lugano - Lugo.

in den "untern" Golfen (von Capolago, Porto und Agno) höchstens 84-94 m, in dem Laghetto, dem Anhängsel zwischen Laveno und Ponte Tresa, bloß 50 m beträgt. Seit 6. Dez. 1874 zieht am Ufer entlang eine der zum Netz der Gotthardbahn gehörigen tessinischen Thalbahnen: Lugano-Melide-Mendrisio-Chiasso; diese Linie überschreitet den Seehals von Melide auf einer Brücke. Seit 1856 hat der See Dampfschiffahrt, an deren Endpunkte die Bahnlinien Porlezza-Menaggio (am Comersee) und Ponte Tresa-Luino (am Lago Maggiore) sich anschließen.

Lugāno (deutsch Lauis), der größte und betriebsamste Ort des schweizer. Kantons Tessin, früher mit Bellinzona und Locarno abwechselnd die kantonale Hauptstadt, Station der Gotthardbahn, in wundervoller Lage am Luganer See. Rings um die Stadt, auf den Uferterrassen, schimmern Landhäuser aus dem Grün der Reblauben und Kastanien, der Orangen- und Ölbäume; das schönste Panorama entfaltet sich auf dem nahen San Salvatore (909 m). Zu den bemerkenswertesten Gebäuden gehören die nach Bramantes Plan erbaute, aber unvollendete St. Lorenz- oder Stiftskirche mit schönem Schnitzwerk, die Kirche Santa Maria degli Angeli mit einer Kreuzigung von B. Luini, die Kirchen Santa Marta und San Rocco. Die Stadt hat seit 1853 nur zwei Klöster. Sie zählt (1880) 6129 Einw. Jenseit des Sees liegen die sogen. Windkeller von Caprino (cantine di Caprino), natürliche Höhlungen im Felsen, in denen sich der Wein vortrefflich hält. Die achttägige Oktobermesse ist ein bedeutender Viehmarkt: bis 10,000 Stück Rindvieh (weniger Pferde) werden zugeführt. Seit einiger Zeit ist L. besuchter Luftkurort geworden. Vgl. Beha, L. und seine Umgebungen (St. Gallen 1866); Thomas, Mitteilungen über L. als Luftkurort (Erlang. 1873); Cornils, Lugano (Basel 1882); Hardmeyer, L. (Zürich 1887).

Lugansk, Stadt im russ. Gouvernement Jekaterinoslaw, Kreis Slawenoserbsk, am Lugan, einem Nebenfluß des nördlichen Donez, und an der Donezeisenbahn, hat 4 Kirchen, eine Bergwerksschule, eine Eisengießerei (seit 1795, mit bedeutender Fabrikation von Dampfmaschinen und Lokomotiven), Talgsiedereien, Leder- und Lichtefabriken, Ziegelbrennereien, ein Museum für Bergprodukte mit Bibliothek, ein Berghospital und (1882) 14,931 Einw., welche bedeutenden Handel treiben. L. ist Sitz der Zentral-Bergwerksdistriktsverwaltung für den westlichen Teil des Donezkischen Steinkohlenbeckens.

Luganskij, Kosak, Pseudonym, s. Dahl 2).

Lugau, Pfarrdorf in der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, Amtshauptmannschaft Chemnitz, an der Linie Stollberg-Chemnitz der Sächsischen Staatsbahn, hat Steinkohlenbergbau, Kammgarnspinnerei, Sägewerke, Holzhandel und (1885) 5064 Einw.

Lügde (spr. lüde), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Minden, Kreis Höxter, an der Emmer und an der Linie Hannover-Altenbeken der Preußischen Staatsbahn, hat 2 kath. Kirchen (darunter die romanische St. Kilianskirche aus dem 11. Jahrh. mit Wandmalereien aus derselben Zeit), Zigarren- und Spitzenfabrikation, Bereitung von Käse und (1885) 2398 meist kath. Einwohner. L. wird schon 784 erwähnt.

Lugdūnum (kelt., "Rabenhügel"), Hauptstadt der nach ihr benannten Provinz Gallia Lugdunensis (s. Gallien), im Gebiet der Ambarrer gelegen, am Zusammenfluß des Rhodanus und des Arar (Saône), wurde 43 v. Chr. römische Kolonie und erhob sich bald zur ersten und größten Stadt von Gallien; jetzt Lyon (s. d.). L. Batavorum, Stadt, s. Leiden.

Lüge, die durch ein Zeichen, nicht gerade notwendig durch die Sprache, vermittelte Unwahrheit mit dem Bewußtsein derselben und dem Vorsatz, zu täuschen, weshalb auch absichtliche Zweideutigkeiten und Unbestimmtheiten, Zurückhaltung, wo der andre einen Anspruch auf Mitteilung hat, Verstellung, Wortbrüchigkeit, Verräterei dahin zu rechnen sind. Man unterscheidet verschiedene Abstufungen der L. So nennt man eine erlaubte L. (Notlüge) diejenige, wodurch man andre täuscht, um sie oder sich selbst einem drohenden Übel zu entziehen; eine edle L. die, durch welche man z. B. einem wütenden Verfolger nicht ohne eigne Gefahr den Gegenstand seines Hasses zu verheimlichen sucht; eine fromme L. endlich die, welche die Unwahrheit in der Absicht verbreitet, um religiöse Zwecke dadurch zu befördern. Sogenannte Höflichkeitslügen, welche zwar eine Unwahrheit enthalten, von welchen aber niemand, der mit der Sitte bekannt ist, etwas andres erwartet, und Scherzlügen, die nur zur Unterhaltung dienen sollen, sind keine wirklichen Lügen, weil die Absicht zu täuschen fehlt. Strenge Moralisten, wie Kant ("Über ein vermeintes Recht, aus Menschenliebe zu lügen", 1797) und Fichte, verwerfen jede, auch die beiden letztgenannten Arten der L. als "Verletzung der vollkommenen Selbstpflicht"; moralische Kasuisten erklären nach dem Grundsatz, daß der Zweck das Mittel heilige, zum mindesten die "fromme" L. für erlaubt. Im allgemeinen läßt sich behaupten, daß, die Wahrheit zu sagen, nicht immer eine Pflicht, aber, die Unwahrheit zu sagen, immer Verletzung einer Pflicht sei. Vgl. Heinroth, Über die L. (Leipz. 1834); Locke, Über die Begriffsbestimmung der L. (das. 1886).

Lugger (Logger), zweimastiges, zuweilen auch dreimastiges, besonders in Frankreich beliebtes Küstenfahrzeug von rund 80 Registertonnen, das meist zur Fischerei aus offener See benutzt wird. Die L. sind niedrige, aber langgestreckte Fahrzeuge mit plattem Heck, mit Luggersegeln, deren Raaen auf ein Drittel ihrer Länge mit dem Fall an den Masten fahren. Ist ein dritter Mast vorhanden, so dient er als Beilieger, wenn die Fahrzeuge vor den Netzen treiben. Die Ostseelugger, die aber auch Frachtfahrer sind, haben zwei Masten.

Luginsland, Aussichtsturm, Warte.

Lugnezer Rhein, s. Glenner.

Lugo, 1) span. Provinz in der Landschaft Galicien, grenzt im N. an das Meer, im O. an Asturien und Leon, im S. an Orense, im W. an Pontevedra und Coruña und hat einen Flächenraum von 9880 qkm (179,4 QM.). Das Land ist zum großen Teil gebirgig; es enthält im SO. die zum Kantabrischen Gebirge gehörigen Sierras de Picos und del Caurel (1624 m), welche durch den Paß Puerto de Piedrafita (1123 m) getrennt sind. Den Nordosten und Norden erfüllen zahlreiche Ausläufer des Kantabrischen Gebirges, welche allmählich gegen die Küste zu abfallen, darunter die Montes de los Tejos (1099 m). Im W. befinden sich mehrere zum galicischen System gehörige Berggruppen, wie El Faro (1156 m). Der Paß Puerto Bello (510 m) erleichtert den Verkehr gegen Coruña. Ebenen finden sich hauptsächlich im Zentrum um die Stadt L. herum und im S. bei Monforte. Die Meeresküste ist zerrissen und bildet zahlreiche Rias. Hauptfluß ist der Minho, welcher hier entspringt und die Provinz in südlicher Richtung durchströmt. Beim Austritt aus der Provinz nimmt er den Sil auf. Außerdem fließen gegen N. mehrere Küstenflüsse dem Meer zu, wie Navia, Rivadeo, Landrove etc. Die Bevölkerung beträgt (1878) 410,810