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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Luise

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Luise.

Glück und Unglück beratend und tröstend zur Seite. Sie starb aber schon 18. Juni 1667. L. hat Oranienburg gegründet, wo sie ein Waisenhaus stiftete; die ihr zugeschriebenen geistlichen Lieder, z. B. das bekannte "Jesus, meine Zuversicht etc.", rühren nicht von ihr, sondern von O. v. Schwerin, ihrem Freund und dem Erzieher ihrer Kinder, her. Ihr Leben beschrieben Wegführer (Leipz. 1838) und Knauth (Halle 1867). Vgl. v. Medem, L. H., Kurfürstin von Brandenburg (Homb. 1874); "Andachtsbuch L. Henriettes von Brandenburg", herausgegeben von Runge 1653 (neu bearbeitet von Irenäus, Berl. 1879).

2) Auguste Wilhelmine Amalie L., Königin von Preußen, eine der edelsten Frauen der Geschichte, Tochter des Herzogs Karl Ludwig Friedrich von Mecklenburg-Strelitz, geb. 10. März 1776 zu Hannover, wo damals ihr Vater Gouverneur war, verlor schon im 6. Jahr ihre Mutter, geborne Prinzessin Friederike Karoline Luise von Hessen-Darmstadt, und ward erst zu Herrenhausen unter der Aufsicht des Fräuleins v. Wolzogen, dann zu Darmstadt von ihrer Großmutter, der Landgräfin Marie Luise Albertine, und einer Schweizerin, Fräulein v. Gélieux, erzogen. Von 1791 bis März 1793 verweilte sie bei ihrer Schwester, der regierenden Herzogin Charlotte von Sachsen-Hildburghausen. Auf der Rückreise lernte sie in Frankfurt a. M. den Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen, der seinen Vater Friedrich Wilhelm II. in den französischen Krieg begleitete, kennen und verlobte sich 24. April 1793 in Darmstadt mit ihm, während zu gleicher Zeit die Verlobung ihrer jüngern Schwester, Friederike, mit dem Prinzen Ludwig von Preußen stattfand. Am 24. Dez. fand in Berlin die Vermählung statt. Durch ihre Schönheit, Anmut und Herzensgüte gewann sie aller Herzen. Ihr höchstes Glück war ihr einfaches häusliches Leben mit ihrem Gemahl und ihren Kindern. Als ihr Gemahl 1797 den Thron bestieg, vereinigte L. die Pflichten der Königin redlich mit denen der Gattin und Mutter. Als Schutzgeist des Landes begleitete sie ihren Gemahl auf seinen Reisen durch die Provinzen, und überall fanden die Unglücklichen in ihr eine Wohlthäterin, die anspruchslos das Elend zu mildern suchte. Ihrem hellen Blick blieb nichts verborgen; allenthalben wußte sie das Gute zu fördern und das Schöne zu verherrlichen. Beim Ausbruch des Kriegs von 1806 begleitete sie ihren Gemahl nach Naumburg und nach der Schlacht bei Jena nach Königsberg und Memel. Vergeblich war ihre demütigende Unterredung mit Napoleon I., der sie durch schmähliche Verleumdungen beleidigt hatte, 6. Juli 1807, durch welche man billigere Friedensbedingungen zu erlangen hoffte. Sie lebte hierauf mit der königlichen Familie in und bei Königsberg, ihre Muße namentlich dem Studium der Geschichte und der deutschen Litteratur widmend. Obwohl sie den furchtbaren Sturz des Staats schmerzlich empfand, verlor sie doch den Mut und das Vertrauen auf Gott nicht, richtete durch ihren Trost auch ihren tief gebeugten Gemahl auf, und während sie früher jede Einmischung in Staatsangelegenheiten vermieden hatte, war sie nun eifrig bemüht, Stein zur Leitung des Staats zu verhelfen und ihn im Ministerium zu erhalten, da sie mit ihm wie mit Scharnhorst und Gneisenau über die Reformen einverstanden war. Auf Einladung des Kaisers Alexander I. unternahm sie mit dem König 27. Dez. 1808 eine sechswöchentliche Reise nach Petersburg. Im Dezember 1809 kehrte sie nach Berlin zurück. Aber der Schmerz über das Schicksal des Vaterlandes hatte ihre Gesundheit gebrochen; nachdem sie noch Hardenbergs Berufung ins Ministerium erwirkt, starb sie während eines Besuchs bei ihrem Vater auf dem Schloß Hohenzieritz bei Neustrelitz 19. Juli 1810 und ward im Schloßgarten zu Charlottenburg beigesetzt, wo ihr und ihrem Gemahl ein Mausoleum errichtet wurde und auch das herrliche Marmorbild der schlafenden Königin, von Rauch (s. Tafel "Bildhauerkunst VII", Fig. 1), steht. 1879 wurde ihr Marmorstandbild von Encke im Berliner Tiergarten enthüllt. Ihrem Andenken sind die Luisenstiftung (s. d.) in Berlin und der Luisenorden (s. d.) gewidmet. Vgl. Eylert, Gedächtnisfeier der Königin L. von Preußen (Potsd. 1816); die Biographien derselben von Adami (10. Aufl., Berl. 1882), Kluckhohn (das. 1876), Engel (das. 1876), Horn (das. 1883); ferner Martin, Briefe der Königin L. (das. 1887); Beding, Die Königin L. in der Dichtung (das. 1886).

3) L. von Savoyen, Herzogin von Angoulême, Tochter des Herzogs Philipp von Savoyen, geb. 1476, wurde 1488 mit Karl von Orléans, Grafen von Angoulême, vermählt, dem sie 1494 den spätern König Franz I. gebar, und den sie bereits 1495 durch den Tod verlor. Als ihr Sohn, den sie zu unruhigem Ehrgeiz und Sinnlichkeit erzogen, durch den Tod Ludwigs XII. (1. Jan. 1515) König wurde und sofort nach Italien zog, um Mailand zu erobern, übernahm sie als Regentin in Gemeinschaft mit dem Kanzler Duprat die Regierung des Landes, führte sie aber zum Nachteil desselben, indem sie die Einkünfte verschwendete, und gab sich zügellos ihren Lüsten hin. Der von ihr begangenen Verschleuderungen öffentlicher Gelder beschuldigte sie den Intendanten Semblançay und ließ ihn hinrichten. 1523 bot sie dem eben verwitweten Herzog Karl von Bourbon ihre Hand an, und als diese zurückgewiesen wurde, verfolgte sie ihn mit ingrimmigem Haß, beraubte ihn der Güter seiner Gemahlin und trieb ihn dadurch zum Abfall von Frankreich. Dagegen bewies sie Klugheit und Thatkraft nach der Gefangennehmung ihres Sohns bei Pavia 1525: sie brachte die Liga von Cognac zu stande und schloß 1529 mit Margarete von Österreich den Damenfrieden von Cambrai. Sie begünstigte die Wissenschaften, haßte und verfolgte aber die Anhänger der Kirchenreform. Sie starb 1531. Ihr "Journal" ist in den "Mémoires relatifs à l'histoire de France" publiziert.

4) L. Ulrike, Königin von Schweden, Schwester Friedrichs d. Gr., geb. 24. Juli 1720, entwickelte im Umgang mit ausgezeichneten Männern ihre nicht geringen Talente und vermählte sich 29. Aug. 1744 auf Drottningholm mit dem damaligen Kronprinzen Adolf Friedrich von Schweden. Unbesonnen, hochfahrend und ränkevoll, stachelte sie ihren schwachen Gemahl, nachdem derselbe 1751 König geworden, zum Widerstand gegen die Anmaßung und Herrschsucht des schwedischen Adels auf, welcher dem König aber nur Demütigungen verursachte und ihr den Haß des Adels zuzog, so daß dieser, um sie zu kränken, Schwedens Beteiligung am Siebenjährigen Kriege gegen Preußen veranlaßte. 1771 Witwe geworden, lebte sie fortan zurückgezogen bei Stockholm. Sie gründete 1753 aus eignen Mitteln die schwedische Akademie der Wissenschaften sowie die Bibliothek und das Kunstkabinett zu Drottningholm. Linné genoß ihren besondern Schutz. Auch verwendete sie große Summen auf die Förderung der Künste und der Industrie und für Wohlthätigkeitszwecke. Sie starb 16. Juli 1782.

5) Raugräfin, s. Degenfeld.