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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lünen; Lünenburg; Lünette; Lunéville; Lungau; Lunge

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Lünen - Lunge.

Lünen, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, Landkreis Dortmund, an der Mündung der Seseke in die Lippe und der Dortmund-Enscheder Eisenbahn, 45 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, 2 Eisengießereien, Blechwaren- und Nägelfabrikation, Strumpfwirkerei, Dampfsägemühlen und (1885) 3907 meist kath. Einwohner. L. wurde 1340 vom Grafen Adolf II. von der Mark gegründet.

Lünenburg, Stadt in der britisch-amerikan. Provinz Neuschottland, an der Mahonbai, 1753 von Deutschen gegründet, hat Fischerei, Seehandel und (1881) 1500 Einw. Einfuhr 1884-85: 134,921 Dollar, Ausfuhr 654,062 Doll.

Lünette (franz. Lunette), Augen-, Fernglas, in der Mehrzahl (lunettes) s. v. w. Brille; in der Baukunst ein halbmond- oder halbkreisförmiges Feld unter einem Bogen oder einer Stichkappe, über einem Fenster oder einer Thür, welches gewöhnlich mit Malereien geschmückt wird; im Befestigungswesen ein aus zwei Facen und zwei Flanken bestehendes Werk (s. Figur). Die Kehle bleibt ganz offen oder wird durch Palissaden, Kehlmauern etc. leicht geschlossen (über die Anwendung der vielgebrauchten Form s. Feldbefestigung u. Festung). Auch die Scheuklappe der Pferde und bei Uhren der zur Fassung des Uhrglases dienende Ring heißt L.

^[Abb.: Lünette.]

Lunéville (Lüneville, Lunae villa), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Meurthe-et-Moselle (im ehemaligen Herzogtum Lothringen), am Zusammenfluß der Meurthe und Vezouse und an der Ostbahn, liegt in einer fruchtbaren Ebene und ist eine gut gebaute Stadt mit angenehmen Spaziergängen, einer schönen Kirche, St.-Jacques, mehreren andern Prachtgebäuden und einem schönen Hauptplatz mit prächtigem Springbrunnen. Das große, vom Herzog Leopold erbaute, vom König Stanislaus von Polen verschönerte Schloß (in welchem der deutsche Kaiser Franz I. geboren wurde) brannte wiederholt ab und dient jetzt teils als Kavalleriekaserne, teils als Standquartier des Divisionskommandanten. Die Stadt zählt (1886) 16,335 (als Gemeinde 20,500) Einw., welche bedeutende Handschuhfabrikation, Tüllstickerei, Wirkwaren-, Strohhut-, Fayence- und Spielwarenfabrikation, Baumwollspinnerei, Handel mit Getreide, Wein, Likören und Tabak betreiben. Sie ist Sitz eines Tribunals und einer Ackerbaukammer, hat ein Kommunalcollège, eine Bibliothek und ein Museum. - Als der frühere König von Polen, Stanislaus Leszczynski, 1735 zum Besitz von Lothringen gelangte, wählte er L. zu seiner Residenz. Geschichtlich denkwürdig wurde die Stadt durch den Lüneviller Frieden, der daselbst 9. Febr. 1801 zwischen dem Deutschen Reich und der französischen Republik auf der Grundlage des Friedens von Campo Formio abgeschlossen wurde. Nach demselben wurden Belgien und das linke Rheinufer an Frankreich, Mailand und Mantua an die Cisalpinische Republik, Venedig und das Gebiet bis an die Etsch, Istrien und Dalmatien mit Cattaro an Österreich abgetreten. Für den Verlust ihrer Besitzungen auf dem linken Rheinufer sollten die betreffenden deutschen Reichsfürsten durch Säkularisation der geistlichen Stifter und Mediatisation der Reichsstädte entschädigt werden.

Lungau, Landschaft im österreich. Herzogtum Salzburg, umfaßt das Gebiet der obern Mur und fällt etwa mit der Bezirkshauptmannschaft Tamsweg zusammen. Die Bewohner betreiben hauptsächlich Viehzucht und Bergbau.

Lunge (Pulmo), das Organ zur Luftatmung bei den Wirbeltieren. Sie entsteht beim Embryo aus einer unpaaren Ausbuchtung des Darms, die allmählich in zwei Lappen auswächst und mit dem Anfang des Darms durch einen anfänglich kurzen, später sich verlängernden Kanal (Luftröhre) in Verbindung bleibt. Bei den Fischen wird sie durch die Schwimmblase (s. d.) vertreten, die in manchen Fällen auch zum Atmen dienen kann. Eine echte L. findet sich jedoch erst von den Amphibien ab, und zwar bei diesen noch im Verein mit Kiemen, vor. Hier besteht sie ähnlich wie bei den Lurchfischen aus zwei einfachen, durch die Luftröhre mit Luft anfüllbaren Säcken, in deren Wandung sich zuführende Gefäße (Lungenarterien) für das der Atmung bedürftige Blut und abführende (Lungenvenen) für das mit Sauerstoff versehene Blut verzweigen. Zur Vergrößerung der Oberfläche dieser Säcke springen ferner auf der Innenseite netzförmig angeordnete Falten vor. Bei vielen Reptilien hingegen besteht diese schlauchförmige L. nicht mehr, sondern das Organ zerfällt in zahlreiche Abschnitte, von denen jeder durch einen Zweig der Luftröhre versorgt und selbständig gemacht wird. So verhält es sich auch bei den Säugetieren, wo diese Teilung in Lappen u. Läppchen außerordentlich weit gediehen ist. Bei den Vögeln treten letztere miteinander wieder in Verbindung und stellen so ein schwammartiges Gewebe dar. Zugleich verlängern sich bei ihnen die Lungen weit in den Körper zwischen die Eingeweide hinein, haben aber an diesen Stellen nur eine einfache, nicht mehr auf das Atmen berechnete Wandung und dienen daher als Luftsäcke nur noch zur Erleichterung des Körpers für den Flug. In vielen Fällen dehnen sich diese Hohlräume sogar in die Knochen aus. (Über die sogen. L. der Lungenschnecken, Spinnentiere und Seegurken s. die betreffenden Artikel.)

Die L. des Menschen (s. Tafel "Eingeweide I") besteht aus zwei seitlichen Hälften (weshalb man auch von "den Lungen" spricht), welche in dem von den Rippen umschlossenen Brustraum liegen und das Herz zwischen sich aufnehmen. Sie sind nicht ganz symmetrisch gebaut, denn einmal zeigt die linke L. an ihrer Innenfläche eine größere Ausbuchtung zur Bergung des Herzens, dann zerfällt die rechte in drei, die linke in nur zwei größere Abteilungen, sogen. Lungenlappen. Das Volumen der rechten L. ist ungefähr um ein Zehntel größer als das der linken und beträgt im ganzen bei Luftleere 800-1200, bei stärkster Anfüllung mit Luft dagegen bis 9500 ccm. Die Oberfläche der L. ist mit dem glatten, dünnen, durchsichtigen Lungenfell (pleura pulmonalis) überzogen, das einen Teil des Brustfelles (s. d.) bildet. Das Gewebe der L. ist weich, knistert beim Druck und läßt beim Durchschneiden schaumiges, mit Luftbläschen gemengtes Blut austreten. Junge, gesunde Lungen haben eine rote Farbe und ein gleichmäßiges Ansehen; bei alten Leuten sind sie dagegen mehr oder weniger reichlich mit schwarzen, stecknadelkopf- bis linsengroßen Flecken durchsetzt und erscheinen daher rotgrau bis schwärzlich. Das absolute Gewicht der L. bei mäßiger Füllung mit Blut beträgt 1-1,7 kg. Wenn sie mit Luft erfüllt ist, so ist ihr spezifisches Gewicht geringer als das des Wassers (0,34-0,74), sonst großer (1,04-1,06); frische Lungen von Embryonen der totgebornen Kindern sinken daher, weil sie keine Luft enthalten, im Wasser zu Boden (s. Lungenprobe). In zahlreichen Krankheitszuständen sind größere oder kleinere Partien der L. vollständig luftleer.

Der feinere Bau der L. ist aus dem oben Ange-^[folgende Seite]