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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lu-tschu; Luton; Lutra; Lütschĭne; Lutte; Lutter; Lutter am Barenberg; Lutterberg; Lutterworth; Lutti; Lüttich

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Luton - Lüttich.

Luton (spr. ljuht'n), Stadt in Bedfordshire (England), am Lea, mit einer alten gotischen Kirche und (1881) 23,960 Einw.; Hauptsitz der Strohflechterei.

Lutra (lat.), Fischotter.

Lütschĭne, ein linksseitiger Nebenfluß der Aare, im schweizer. Kanton Bern, entsteht aus zwei Quellflüssen, der Schwarzen und der Weißen L., die sich bei Zweilütschinen vereinigen. Die Schwarze L., aus dem untern Grindelwaldgletscher entspringend, durchfließt Grindelwald (s. d.), die Weiße L. das enge Lauterbrunnenthal mit seinen steilen, oft 300-500 m hohen Kalkfelswänden, das seinen Namen von den zahlreichen Wasserfällen (über 20) hat. In der Mitte desselben, beim Ort Lauterbrunnen, stürzt der 264 m hohe Staubbach, dessen Wassermasse an der hohen Felswand in einen leichten, schleierartigen Regen zerstiebt, weiter aufwärts im Thal der imposante Trümmelbachfall und oberhalb Trachsellauenen, in wildschöner Umgebung, der Schmadribach. Auf der Zinne einer hohen Felswand, 1630 m ü. M., thront der kleine Älplerort Mürren mit seinen Kurhäusern. Das Lauterbrunnenthal bildet eine einzige Gemeinde von 2103 Einw. Beide Thäler, Grindelwald und Lauterbrunnen, verbindet der Weg über die Wengernalp und die Kleine Scheideck (s. d.). Ein neuer Weg führt von Lauterbrunnen durch das Roththal auf die Spitze der Jungfrau. Der Unterlauf des 23 km langen Flusses bewegt sich durch das "Bödeli", den Thalgrund von Interlaken; hier ist ihm schon seit dem 13. Jahrh. ein Kanal nach Bönigen in den Brienzer See gegraben, damit er seine Geschiebe unschädlich ablade.

Lu-tschu, Inseln, s. Liukiu.

Lutte (Kutte), in Bergwerken eine Röhre aus Brettern oder Blech zur Zuführung von reiner Luft oder zur Abführung von Wasser (Wind- u. Wasserlutte).

Lutter, s. Spiritus.

Lutter am Barenberg, Flecken im braunschweig. Kreis Gandersheim, an der Linie Holzminden-Oschersleben der Braunschweigischen Staatsbahn, hat eine gotische Kirche, ein Amtsgericht, große Sandsteinbrüche und (1885) 1801 evang. Einwohner. - Die Burg L. ward 1322 von Heinrich von Grubenhagen an das Hochstift Hildesheim verpfändet, welches zu Anfang des 17. Jahrh. die Einlösung dem Herzog Christian von Lüneburg verweigerte. 1649 einigten sich die braunschweigischen Herzöge dahin, daß das Eigentumsrecht am Amt L. auf die Linie Wolfenbüttel übergehen solle. L. ist berühmt durch die Schlacht im Dreißigjährigen Krieg, in welcher Tilly 27. Aug. 1626 den König Christian IV. von Dänemark entscheidend schlug. Vgl. Lichtenstein, Die Schlacht bei L. (Braunschw. 1850).

Lutterberg, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Hildesheim, Kreis Münden, hat (1885) 582 Einw. und ist bekannt durch ein Treffen im Siebenjährigen Krieg, 23. Juli 1762, in welchem die Sachsen unter Prinz Xaver von den preußischen Alliierten unter Ferdinand von Braunschweig geschlagen wurden.

Lutterworth (spr. lötterwörth), Marktflecken in Leicestershire (England), wo der Reformator Wiclef als Geistlicher wirkte, mit (1881) 1965 Einw.

Lutti, Francesca, ital. Dichterin, geb. 1831 zu Campo im Gebiet von Trient als die Tochter des Cavaliere Vincenzo L., ehemaligen Kapitäns in der Ehrengarde Napoleons I., verdankte ihre poetische Ausbildung ihrem Landsmann, dem Dichter Andrea Maffei, und gehörte mit Giovannina Milli und Erminia Fuà-Fusinato zu den hervorragendsten dichtenden Frauen Italiens. Sie starb 6. Nov. 1878 in Brescia. Von den drei poetischen Erzählungen: "Giovanni", "Rosa e Stella" (1859) und "Maria" (1858) ist die erste die bedeutendste. Nicht sehr erheblich war der Erfolg einer weiterhin erschienenen kleinen lyrischen Sammlung (mit jenen gesammelt in "Novelle e liriche". Flor. 1862). Aber einen wahren Triumph feierte die Dichterin mit ihrem "Alberto" (1867), einer Erzählung in Stanzen, mit einem Vorwort Maffeis eingeführt. Große Darstellungsgabe, feine Menschenbeobachtung, lebensvolle Charakteristik und eine wahrhaft klassische Form werden dieser Dichtung einstimmig nachgerühmt.

Lüttich (vläm. Luik, franz. Liége), belg. Provinz, wird im O. von Rheinpreußen, im N. von Belgisch- und Holländisch-Limburg, im W. von Brabant und Namur, im S. von Luxemburg begrenzt und hat 2894,85 qkm (52,6 QM.) Flächeninhalt. Das Land wird im S. und O. von Ausläufern der Ardennen erfüllt, die ein waldreiches, aber wenig fruchtbares hügeliges Plateau (bis 663 m) bilden, und von der zwischen hohen malerischen Ufern fließenden Maas, der in diese mündenden Ourthe und deren Nebenflüssen (Amblève und Vesdre) durchströmt; Ourthe und Maas sind auf eine große Strecke ihres Laufs kanalisiert. Die Provinz zählte Ende 1885: 710,819 Einw. (meistens Wallonen) oder 245 auf 1 qkm. Das Ackerland umfaßte 1880: 2075,6 qkm, die Waldungen 574,6 qkm; damals zählte man 26,653 Pferde, 135,417 Rinder, 34,250 Schafe und 89,865 Schweine. Die Brieftaubenzucht wird neuerdings in großem Umfang betrieben (1886 wurde über eine Million Tauben versandt). Das nördlich von der Vesdre gelegene Herveland ist sehr fruchtbar und für Getreidebau und Viehzucht gleich gut geeignet; Butter und Käse ("Limburger") bilden Hauptausfuhrartikel. Der südliche Teil der Provinz enthält dagegen meist unkultivierbare Striche, ist aber außerordentlich reich an Steinkohlen (1886 wurden in 52 Gruben 4,099,343 Ton. gefördert), Eisen-, Blei- und Zinkerzen, an Steinbrüchen (Marmor) und bildet einen der bedeutendsten Industriebezirke Belgiens. 1886 wurden unter anderm erzeugt 119,339 T. Eisen, 136,611 T. Gußstahl, 50,243 T. Schienen, 8665 T. Blei, 14,757 kg Silber, 79,246 T. Zink und 28,729 T. Zinkbleche. Die Baumwoll- und Wollweberei, Tuchmanufaktur. Kurzwaren- (besonders Messer-) und Strohhutfabrikation, Lokomotiven- und Maschinenbau, Kanonengießerei, Glasindustrie etc. sind ansehnliche Erwerbszweige. Unter den Eisenbahnen, welche die Provinz durchschneiden, ist die von Aachen her durch das schöne Thal der Vesdre führende als eine der großartigsten Eisenbahnbauten namhaft zu machen. Wichtige Bäder besitzt L. in Spaa und Chaudfontaine. An höheren Unterrichtsanstalten bestehen (1884) eine Universität, 3 königliche Athenäen, 8 Staats- und eine Kommunalschule für Knaben. Die Provinz zerfällt in vier Arrondissements: Huy, L., Verviers und Waremme, und hat Lüttich zur Hauptstadt (s. Karte "Belgien"). - Das ehemals zum westfälischen Kreis gehörige Bistum L., dessen Bischöfe deutsche Reichsfürsten waren und den Titel Herzöge von Bouillon führten, stand unter dem Erzbistum Köln und wurde im 4. Jahrh. und zwar in der Stadt Tongern von Maternus gestiftet und im 6. Jahrh. nach Maastricht

^[Abb.: Wappen von Lüttich.]