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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lyda; Lydda; Lydĭen; Lydische Tonart; Lydischer Stein; Lydos; Lyell

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Lyda - Lyell.

Pflanzen auswachsen. Die kleinen, knollenförmigen, nur schwach grün gefärbten Prothallien sind erst in neuester Zeit aufgefunden worden. L. clavatum L. (Kolbenbärlapp, Schlangenmoos, Drudenkraut, Gürtelkraut, Johannisgürtel, Unruhe), mit weit kriechendem, ringsum dicht beblättertem Stengel, aufrecht abstehenden, in eine Borste auslaufenden Blättern und aufrechten, fruchttragenden Ästen, welche 2-8 gestielte, 3-6 cm lange Ähren tragen, ist nicht selten auf Heiden, in Nadelwäldern, an sonnigen Hügeln in ganz Europa, Asien und Amerika. Die Sporen bilden das Hexenmehl (Drudenmehl, Blitz- oder Streupulver, Bärlappsamen, semen Lycopodii L.). Es ist ein sehr leichtes, zartes, blaßgelbes, geruch- und fast geschmackloses Pulver, welches Wasser nicht annimmt und daher trocknend wirkt. Es dient zum Bestreuen der Pillen, sodann äußerlich zum Betupfen wunder Stellen bei Säuglingen, auch zur Darstellung der Lichtenbergschen elektrischen Figuren und der Chladnischen Klangfiguren sowie als Blitzpulver auf Theatern. Früher nagelte man das Kraut gegen Hexen an Stallthüren, hing es, zu einem Kranz geflochten, als "Unruhe" in Schlafkammern auf oder trug es auch als Gürtel um den Leib.

Lyda, s. Blattwespen.

Lydda, früherer Name von Diospolis (s. d. 3).

Lydĭen (ursprünglich Mäonia), im Altertum Landschaft an der Westküste Kleinasiens, welche die heutigen Liwas Saruchan und Syghla (Smyrna) umfaßte, grenzte gegen N. an Mysien, von welchem es der Temnos (Demirdschi Dagh) trennte, gegen O. an Phrygien, gegen S. an Karien, wovon es das Gebirge Messogis (Dschuma Dagh) schied, und gegen W. an das Ägeische Meer. Im Innern erhebt sich der Tmolos mit seinen westlichen Fortsetzungen Drakon und Sipylos (dem heutigen Bos Dagh entsprechend). Zwischen diesen Gebirgen breiten sich große und fruchtbare Ebenen aus, das Kilbianische Gefilde am obern Kaystros, das Kaystrische zu beiden Seiten des Kaystros und das Hyrkanische zwischen dem Tmolos und Sipylos, vom Hermos durchströmt. Die sogen. Katakekaumene (d. h. die "verbrannte" Gegend) im O. Lydiens ist öde und unfruchtbar und trägt vielfache Spuren früherer vulkanischer Thätigkeit. Als Flüsse sind zu nennen: der Hermos (Gedis-tschai), der Hauptstrom, mit den Nebenflüssen Hyllos, Kogamos und Paktolos, und der schon erwähnte Kaystros (Kütschük Menderes). Unter den Landseen war besonders der Gygäische See (jetzt Mermere) unweit Sardes berühmt. Die Hauptprodukte waren: guter Wein, Safran, Metalle, besonders Gold, das teils in den Gruben des Tmolos, teils aus dem Sande des Paktolos gewonnen wurde. Die Bergtriften nährten Herden von kräftigen Rossen und Schafen. - Die Bewohner des Binnenlandes, die Lydier oder Lyder (die Küste war von Äoliern und Ioniern besetzt), waren vermutlich ein vom Euphrat her eingewandertes Volk semitischen Stammes, das hier mit einem ältern phrygischen Stamm arischer Abkunft verwuchs. Unternehmend, kaufmännisch und gewerbfleißig, wurden sie auf dem Landweg, wie die Phöniker zur See, die Vermittler zwischen Hellas und Vorderasien. Zugleich sind sie das älteste Volk Kleinasiens, welches wir als ein staatenbildendes genauer kennen. Anfangs herrschten in L. die zwei mythischen Geschlechter der Attyaden und Sandoniden (Herakliden), denen um 690 v. Chr. mit Gyges die kräftigern Mermnaden folgten. Den Grund zu Lydiens Größe legte der vierte König dieser Dynastie, Alyattes (612-563), der Vater des Krösos, durch die Vertreibung der Kimmerier aus Kleinasien und durch die Vernichtung des phrygischen Reichs; doch erst unter Krösos (s. d.) erreichte L. seinen höchsten Glanzpunkt, aber auch sein frühes Ende. Dieser Eroberer wurde bekanntlich der Stifter eines mächtigen Reichs, welches ganz Kleinasien bis zum Halys umfaßte. Als jedoch dieses Reich schon 548 durch Kyros der persischen Monarchie einverleibt wurde und darauf alle Schicksale des vordern Asien unter persischer, makedonischer, syrischer und römischer Herrschaft teilte, verloren die Einwohner des eigentlichen Stammlandes L. immer mehr ihre Nationalität, so daß zu Strabons Zeiten ihre Sprache schon gänzlich verschwunden war. Vor ihrer Unterdrückung durch die Perser waren die Lydier ein tapferes und streitbares Volk; Kyros aber vernichtete systematisch den kriegerischen Geist des Volkes, verbot den Lydiern das Tragen von Waffen, ließ sie, anstatt in den Waffenübungen, im Singen und Tanzen unterrichten und legte so den Grund zu jener unmännlichen Weichlichkeit, durch welche das Volk später verrufen war. Seine Betriebsamkeit, besonders im Handel, dauerte jedoch selbst unter der persischen Oberherrschaft fort und war die Quelle eines blühenden Wohlstandes. Die Sitten der Lydier waren von denen der Griechen nur wenig verschieden, obgleich sie allerdings im ganzen auf einer tiefern Kulturstufe standen. Ihr religiöser Kultus bestand besonders in der Verehrung des Sonnengottes Sandon und der Göttinnen Blatte (Mylitta-Aschera) und Ma (Kybele, in Ephesos als Artemis gefeiert). Sie verstanden die Kunst, kostbare Kleider und Tapeten zu verfertigen, Wolle zu färben, Erze zu schmelzen, und hatten geprägtes Geld. Von alten lydischen Kunstdenkmälern haben sich nur Grabmonumente, meist lydischer Könige, in Form runder, oben spitzer Grabhügel erhalten. Haupt- und Residenzstadt war Sardes. Sonstige wichtigere Städte waren im O. Philadelphia, im W. Thyatira und Magnesia am Sipylos (s. Karte "Alt-Griechenland"). Vgl. Schubert, Geschichte der Könige von L. (Bresl. 1884); Olfers, Über die lydischen Königsgräber bei Sardes (Berl. 1859).

Lydischer Stein (Lydit), s. v. w. Kieselschiefer.

Lydische Tonart, s. Griechische Musik und Kirchentöne.

Lydos, eigentlich Johannes Laurentius, griech. Schriftsteller, geb. 490 n. Chr. zu Philadelphia in Lydien (daher der Name L.), 511-522 hoher Beamter in Konstantinopel, dann nach seiner Entlassung durch Justinian schriftstellerisch thätig. Von seinen Schriften sind uns indessen nur zwei erhalten: "De initiis rei publicae romanae", über die römischen Magistrate (hrsg. von Fuß, Par. 1811), und "Über die Himmelszeichen", über die Auguralwissenschaft (hrsg. von Hase, das. 1823, und Wachsmuth, Leipz. 1863), beide nach alten, zum Teil verloren gegangenen Quellen bearbeitet; außerdem kennt man noch Auszüge aus einem Werk: "Über die Monate" (hrsg. von Röther, Darmst. 1827). Eine Gesamtausgabe lieferte Bekker (Bonn 1837).

Lyell (spr. lei-ĕl), Sir Charles, Geolog, geb. 14. Nov. 1797 zu Kinnordy in Forfarshire, studierte seit 1816 zu Oxford die Rechte, widmete sich daneben aber auch der Naturwissenschaft, besonders der Geologie, und wurde, als er sich 1819 in London als Sachwalter niederließ, bald ein eifriges Mitglied der Geologischen Gesellschaft. 1831 übernahm er eine Professur der Geologie am King's College. Seine