Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lytton

19

Lytton.

für schon seine Übersetzung von Schillers Gedichten zeugt), seinen Geist mannigfach bereichert. Seine Beliebtheit stieg mit jedem seiner neuen Romane; er trat nach und nach in die Rangstellung ein, von der Walter Scott allmählich abschied. Hierher gehören: "The Disowned" (1829), "Devereux" (1829), "Paul Clifford" (1830). Er betrat nun ernstlich die politische Laufbahn, schrieb satirische Verse: "The Siamese twins" (1831), wurde von St. Ives ins Unterhaus gewählt, und als dieser Ort sein Wahlrecht durch die Reformakte verlor, vertrat er 1832-41 die Stadt Lincoln im vorgeschritten freisinnigen Geist jener Zeit. Bei der Krönungsfeier der Königin Viktoria (1838) wurde er zum Baronet geschlagen und ihm der erbliche Rittertitel "Sir" beigelegt; er hatte dem liberalen Ministerium Melbourne durch die Flugschrift "The Crisis" einen wesentlichen Dienst geleistet. In diese erste Periode seiner parlamentarischen Thätigkeit fällt eine Reihe seiner größten schriftstellerischen Erfolge, zunächst die Romane: "Eugene Aram" (1832), eine höchst merkwürdige Verbrechergeschichte, späterhin auch dramatisiert; das liebliche Buch "The pilgrims on the Rhine" (1834); "The last days of Pompeii" (1834), die Frucht einer italienischen Reise, und die großartige Wiederbelebung einer bis dahin dunkeln Geschichtsepoche in "Rienzi, the last of the tribunes" (1835), welche Mosen den Stoff zu seinem Drama, Wagner zu seiner Oper geliefert; dann von ganz anderm Gehalt, an Goethes "Wilhelm Meister" sich anlehnend, der "dem großen deutschen Volk, einer Nation von Denkern und Kritikern" gewidmete Roman "Ernest Maltravers" (1837) und dessen Fortsetzung: "Alice" (1838). Von geringerer Bedeutung sind: "Godolphin" (1833); "Lella, or the siege of Granada" (1840); "Night and morning" (1841) und "Zanoni" (1842), worin sich der Hang zum Geheimnisvollen darthut, der späterhin großen Einfluß über L. erlangte. Aber die eben genannten Werke erschöpften keineswegs seine schriftstellerische Thätigkeit während dieser Periode. Er veröffentlichte Bilder des Nationallebens: "England and the English" (1833), schrieb eine Reihe von sehr geschätzten kritischen Aufsätzen in "Black Wood's Magazine", die er nachher als "The Student" (1835) zusammenstellte, leitete das "New Monthly Magazine", schrieb sein Geschichtswerk "Athens, its rise and fall" (1837) und eine Reihe von Dramen, von welchen "The lady of Lyons" (1838) und "Richelieu" (1839) einen hohen Rang im Repertoire der englischen Bühne behaupten, während "Money" (1840) noch kürzlich ein halbes Jahr lang jeden Abend ein Londoner Theater füllte und auch "The Sea-captain" (1839), umgearbeitet als "The rightful heir" (1869), einen nennenswerten Neuerfolg hatte. Bei den Neuwahlen von 1842 fiel L. durch, und während zehn Jahren, die für seine weitere Entwickelung bedeutend wurden, lebte er in verhältnismäßiger Zurückgezogenheit. Bald nach Beginn dieser Periode fiel ihm (1843) durch den Tod seiner Mutter ein großes Vermögen zu; er änderte seinen Namen nun in Bulwer-L. Auf dem Felde des Romans begann er mit dem wichtigen historischen Bilde: "The last of the barons" (1844), aus dem Krieg der Rosen. Er wollte damit dem Roman den Rücken kehren, und in seinem nächsten Buch: "Harold, the last of the Saxon kings" (1845), tritt auch das Romantische weit hinter das Historische zurück. Dennoch kehrte er in "Lucretia, or the children of night" (1846) zum eigentlichen Roman zurück; nicht mit dem frühern Erfolg. Unterdessen hatte er wieder Gedichte herausgegeben mit persönlichen Beziehungen: "Eve, and the ill-omened marriage" (1842), in liebevollem Sinn Schiller übersetzt: "Poems and ballads" (1844), in satirischen Versen die Mitwelt gegeißelt: "The new Timon, a romance of London" (1846), und sich zum Heldengedicht erhoben in "King Arthur" (1848). Mit andern begründete er 1851 eine Heimstätte für alternde Schriftsteller und Künstler, gab dazu bei seinem Landsitz Knebworth den Bauplatz, schrieb dafür das Lustspiel "Not so bad as we seem" (1851) und ließ es beim litteraturfreundlichen Herzog von Devonshire aufführen. Die Sache war gut gemeint, aber diese Guild of literature and art hat sich nicht bewährt; 1879 wurde die Anstalt wieder aufgelöst. In aller Stille, zuerst anonym in Monatslieferungen von "Black Wood's Magazine", bereitete sich Bulwer-L. einen neuen Triumph, vielleicht seinen höchsten: aus dem Mittelalter und dem Altertum kehrte er in die Neuzeit, aus der Fremde in die Heimat zurück. Hier hatte er mit "Pelham" angefangen, hier stand er nun wieder mit den "Caxtons" (1850), aber an Geist und Herz unendlich vertiefter, erwärmter. Man übersah leicht oder sah nicht, daß er das Gerüst dem "Tristram Shandy" des Lawrence Sterne abgeborgt hatte. Man erbaute sich an dem reichen Inhalt des Familienbildes, das Herz der Nation flog ihm zu, den man für beinahe erschöpft gehalten. Auf derselben Höhe erhielt er sich in der Fortsetzung: "My novel" (1852). Indessen hatte eine Flugschrift: "Letter to John Bull" (1850), in acht Auflagen, den Übertritt Bulwer-Lyttons zu einem gemäßigten Konservatismus verkündet, und als Tory trat er bei den Wahlen von 1852 als Kandidat auf und wurde von der Grafschaft Hertford in das Unterhaus gewählt, wo er zum zweitenmal und bis 1866 saß, merkwürdigerweise nun ein hohes Rednertalent entwickelnd, das man früher an ihm nicht gekannt. Unter Derby war er 1858-59 auch Minister für die Kolonien. Er erhob den Bezirk Britisch-Columbia zum Rang einer Kolonie und schaffte das Monopol der Hudsonbaikompanie ab. Seine Thätigkeit war auf Bewahrung der Kolonien und deren engere Verknüpfung mit dem Mutterland gerichtet. Die Universität Oxford verlieh ihm 1852 den Doktorgrad, Glasgow ernannte ihn 1856 zum Rektor seiner Universität. In diese Periode gehören seine Romane: "What Will he do with it?" und "A strange story" (1861), in welch letzterm er starke Hinneigung zu dem Spiritismus unsrer Zeit an den Tag legte, sowie das längere Gedicht "St. Stephens", eine politische Satire, und eine Reihe von kürzern Aufsätzen, Ergebnissen einer gereiften Lebensphilosophie, die zuerst in "Black Wood's Magazine", dann in 2 Bänden gesammelt erschienen als "Caxtoniana" (1864). Auch in die "Quarterly", "Edinburgh" und "Westminster Review" lieferte er manche wertvolle Beiträge, unter denen "The reign of terror" zu erwähnen (gesammelt in den "Miscellaneous prose works", 1868, 3 Bde., und in den von seinem Sohn herausgegebenen "Essays", 1875). Als Baron L. of Knebworth ins Oberhaus berufen (1866), hielt er sich von seiner Partei insoweit unabhängig, als er für Beseitigung von Gesetzesbestimmungen, welche der Litteratur und dem Buchhandel hemmend waren, mit Erfolg sprach und stimmte, auch Gladstones Maßregeln zur Versöhnung mit Irland unterstützte. Litterarisch thätig zeigte er sich in dieser Periode, wie immer Genie mit Fleiß verbindend, durch "The lost tales of Miletus" (1866), eine Übersetzung der Oden des Horaz, die er mit einer Neuausgabe seiner Übersetzung der Ge-^[folgende Seite]