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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mac Carthy; Mac Clellan; Mac Clintock; Maccarōnische Poesie; Macchiavelli; Macclesfield

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Maccaronische Poesie - Mac Clintock.

Maccarōnische Poesie, Bezeichnung einer Art scherzhafter lateinischer Gedichte, in welche lateinisch flektierte Wörter einer andern Sprache eingestreut sind. Als ersten maccaronischen Dichter bezeichnet man Typhis Odaxius (1488) aus Padua, der sein jetzt sehr seltenes Gedicht nach der bekannten Lieblingsspeise der Italiener "Carmen maccaronicum" nannte. Eine gewisse Bedeutung erhielt die Dichtgattung aber erst durch Folengo (s. d.). Ein andres Gedicht dieser Art ist "Moschea" oder "Der Krieg der Mücken und Ameisen" betitelt (deutsch von Fuchs, 1580; neue Ausg. von Genthe, Eisleb. 1833). Für das älteste und bedeutendste deutsche maccaronische Gedicht gilt die "Flohiade" (s. d.). Ein andres ist betitelt "De lustitate studentica", worin es z. B. heißt:

^[Liste]

Purscha studentorum finstris sub tempore noctis

Gassatim laufunt cunctis per commata gassis

Cum harphis, pfeifis, citharis, cum geigibus ipsis

Et hauunt steines, ut feuer springit ab ipsis etc.

Französische maccaronische Verse finden sich in dem zu Molières "Malade imaginaire" gehörigen dritten Zwischenspiel. In England fand die m. P. Eingang durch John Skelton, in Schottland durch William Drummond. Vgl. Genthe, Geschichte der maccaronischen Poesie (Halle 1829); Schade, Zur maccaronischen Poesie (in "Weimarisches Jahrbuch", Bd. 2, Hannov. 1855).

Mac Carthy (meist M'Carthy), 1) Denis Florence, irischer Dichter, aus dem altirischen Königsgeschlecht der Mac Cauras stammend, geboren um 1820, veröffentlichte: "The book of Irish ballads" (Dubl. 1846) und "The poets and dramatists of Ireland" (das. 1846), dann "Ballads, poems and lyrics" (1850), eine Sammlung von größern erzählenden, zum Teil auf alten Traditionen beruhenden Dichtungen, kleinere lyrischen Gedichten voll Anmut und Schwung und vortrefflichen Übertragungen aus fast allen europäischen Sprachen. Von gleicher Vortrefflichkeit sind "Underglimpses, and other poems" (1857) und "Bell-founder, and other poems" (1857). Eine neue Ausgabe seiner "Poems" erschien 1882. Noch ist seine metrische Übersetzung mehrerer Dramen Calderons (1853) und "Shelley's early life" (1872) zu erwähnen. M. starb 7. April 1882 in Dublin.

2) Justin, irischer Politiker und Geschichtschreiber, geboren im November 1830 zu Cork, erhielt daselbst eine sehr freisinnige Erziehung und widmete sich 1853 in Liverpool dem journalistischen Beruf. 1860 wurde er in London Parlamentsberichterstatter des "Morning Star", trat im folgenden Jahr in die Redaktion dieses Blattes und übernahm 1864 die Leitung desselben. Von 1868 bis 1871 bereiste er die Vereinigten Staaten, wo er in verschiedenen Städten politische und litterarische Vorträge hielt. Im April 1879 wurde er für die irische Grafschaft Longford ins Parlament gewählt, wo er sich der Home Rule-Partei anschloß; bei den Neuwahlen von 1880 behauptete er seinen Sitz. Im Dezember 1880 wurde er zum Vizepräsidenten seiner Fraktion ernannt und spielte bei den Debatten über die irische Frage seit 1881 eine hervorragende Rolle. Außer verschiedenen Romanen ("The Waterdale neighbours", 1867; "My enemy's daughter", 1869; "Lady Judith", 1871; "A fair Saxon", 1873; "Linley Rochford", 1874; "Dear Lady Disdain", 1875; "Miss Misanthrope", 1877; "Maid of Athens", 1883, u. a.) schrieb er ein vierbändiges Werk über die Geschichte Englands seit Thronbesteigung der Königin Viktoria: "A history of our own times" (1880; deutsch von Katscher, Leipz. 1881), das in England einen großartigen Erfolg hatte (ein Auszug daraus erschien 1883); ferner: "History of the four Georges" (1884 ff.) und "The case for Home Rule" (1887). Eine Sammlung zerstreuter Essays erschien unter den Titel: "Con amore" (1868).

Macchiavelli, s. Machiavelli.

Mac Clellan (meist Mc Clellan, spr. mack klellen), George Brenton, nordamerikan. General, geb. 3. Dez. 1826 zu Philadelphia, besuchte die Militärakademie in West Point, focht 1845-48 gegen Mexiko, war dann Ingenieur, unternahm 1855-56, nachdem er inzwischen zum Artilleriekapitän aufgerückt war, während des Krimkriegs eine militärwissenschaftliche Reise nach Europa, wurde 1857 Chefingenieur der Illinois-Zentralbahn und 1860 Präsident der St. Louis-Cincinnatibahn und erhielt beim Ausbruch des nordamerikanischen Bürgerkriegs das Oberkommando über die Ohiotruppen übertragen. Am 14. Mai 1861 ward er zum wirklichen Generalmajor der Unionsarmee und 3. Nov. 1861 an Scotts Stelle zum Oberbefehlshaber der gesamten Armee der Vereinigten Staaten ernannt; doch ward sein Kommando im Frühjahr 1862 auf die Potomacarmee beschränkt, weil er wegen der mangelhaften Organisation des nordstaatlichen Heers einer Entscheidungsschlacht auswich und nicht, wie man erwartet hatte, die Südarmee bei Yorktown gefangen nahm. In den Gefechten am Chickahominy (26. Juni bis 1. Juli d. J.) ward er von Lee geschlagen und mußte sich hinter den Rappahannock zurückziehen. Mit General Pope vereinigt, lieferte er 23.-30. Aug. der Armee des Südbundes am Aquia Creek neue Gefechte, war jedoch abermals unglücklich und wurde hierauf 1. Sept. zum Kommandanten der Befestigungswerke von Washington ernannt. Am 10. Sept. von neuem ins Feld beordert, siegte er 16. und 17. Sept. bei Antietam. Da er aber diesen Erfolg nicht benutzte, ferner die von der Regierung versprochene Sklavenemanzipation in einem Armeebefehl tadelte, ward er 17. Nov. 1862 des Oberbefehls über die Potomacarmee enthoben und durch General Burnside ersetzt. Anfang 1863 erhielt er den Oberbefehl im Westen und nahm 11. Jan. Arkansas Post. Im August 1864 trat er als Präsidentschaftskandidat der demokratischen Partei gegen Lincoln auf. Nachdem er unterlegen, wendete er sich nach Europa und lebte längere Zeit in Dresden. 1868 kehrte er nach Amerika zurück, ward Superintendent für die Docks und Hafenbauten von New York, 1878 Gouverneur von New Jersey und starb 29. Okt. 1885 in Grange (New Jersey). Er schrieb: "The armies of Europe" (1861) und "Report on the organization and campaigns of the army of the Potomac" (New York 1864). Vgl. Hilliard, Life and campaigns of M. (Philad. 1864); Webb, The peninsula, Mac Clellan's campaign of 1862 (New York 1881).

Macclesfield (spr. mäkkelsfīld), Stadt im O. Cheshires (England), am Bollin, hat eine alte Kirche (aus dem 13. Jahrh.), eine Bibliothek, ein Museum, eine lateinische Freischule (seit 1502), großartige Seiden-, Baumwoll-, Woll- und Alpakaspinnereien und -Webereien und (1881) 37,514 Einw.

Mac Clintock (gewöhnlich M'Clintock), Sir Francis Leopold, engl. Nordpolfahrer, geb. 1819 zu Dundalk in Irland, erlernte seit 1831 den Seedienst zu Portsmouth, wurde 1848 der Nordpolexpedition unter Roß zur Aufsuchung Franklins (s. d.) beigegeben und war fortan fast ein Dezennium hindurch auf Nordpolexpeditionen thätig. Er war es insbesondere, der die sogen. Schlittenexpeditionen zu einer nie ge-^[folgende Seite]