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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Madridejos; Madrigāl; Madrilēna; Madrillbrett; Madüe; Madura

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Madridejos - Madura.

und eine Antiquitätensammlung. Erstere besteht aus etwa 100,000 Münzen sowie aus mehr als 300 kostbaren Gemmen und über 1500 geschnittenen Steinen; letztere umfaßt eine Menge ägyptischer, etrurischer, römischer, griechischer, gotischer, arabischer, chinesischer und amerikanischer Gerätschaften und Kunstwerke. Die Armeria real, von Philipp II. angelegt, bildet eine der kostbarsten Sammlungen von Waffen und Rüstungen; das naturhistorische Museum enthält unter anderm eine ausgezeichnete mineralogische Sammlung, eine Sammlung von Trachten und Erzeugnissen der Indianer Amerikas, Westindiens und der Philippinen und das vollständige Skelett des Megatherium americanum. Mit diesem Museum sind der botanische Garten, zugleich eine angenehme Promenade, und die Sternwarte in den Gärten des Buen Retiro verbunden. Noch hat M. viele wissenschaftliche Vereine (darunter namentlich El Ateneo, der von großem Einfluß auf die spanische Bildung ist), Privatunterrichts-, litterarische und artistische Anstalten und 5 Theater. Auch erscheinen hier 30 politische Journale und zahlreiche Fach- und Unterhaltungszeitschriften. M. ist Sitz der Landesregierung und eines Gouverneurs, des obersten Gerichtshofs und zahlreicher Gesandtschaften und Konsulate (darunter auch ein deutsches Konsulat). In der Umgegend von M. befinden sich einige königliche Schlösser mit Parkanlagen, nämlich Casa del Campo am Manzanares, El Pardo mit Eichenwaldungen und Tiergarten, La Florida, Zarzuela und Villa Viciosa, wo 1759 Ferdinand VI. in Raserei starb. Viel bedeutender sind die unter dem Namen Sitios bekannten Schlösser San Ildefonso oder La Granja, Escorial und Aranjuez (s. d.).

In der Geschichte tritt die Stadt zuerst im J. 939 n. Chr. unter dem Namen Majerit auf, wo sie durch König Ramiro II. von Leon erstürmt wurde. Solange die Mauren die Halbinsel besetzt hielten, diente der Ort als Grenzbefestigung und wurde von den Mauren oft genommen, bis ihn 1086 Alfons VI., der Eroberer des maurischen Königreichs Toledo, besetzte. König Heinrich III. von Kastilien wählte M. zu seiner Residenz während der Jagdzeit. Einige Fürsten hielten hierauf längere Zeit in M. ihr Hoflager, und nach dem Tod Ferdinands des Katholischen wurde die Reichsregierung dahin verlegt. Kaiser Karl V. hielt sich meist in M. auf und ließ den Alkazar, das alte Schloß, in einen königlichen Palast umwandeln; sein Sohn Philipp II. erklärte 1560 M. endgültig für die Hauptstadt der Monarchie. Seit jener Zeit und durch jenen Monarchen entwickelte sich die Stadt zu ihrer jetzigen Größe und Bedeutung. M. ist durch eine ganze Reihe von Verträgen merkwürdig, die daselbst abgeschlossen wurden, namentlich durch den Frieden von M. vom 14. Jan. 1526 zwischen Karl V. und Franz I. von Frankreich, von 1617 zwischen Spanien und Venedig und von 1800 zwischen Portugal und Spanien. Während des Erbfolgekriegs hielt es M. mit der französischen Partei. Bei der französischen Okkupation gab es durch einen Aufstand gegen Murat, 2. Mai 1808, und durch einen Straßenkampf, bei dem über 1500 Bürger das Leben verloren, das Signal zur allgemeinen Erhebung, wofür der Stadt in der Anrede des Kanzleistils die Bezeichnung "die heroische" beigelegt wurde. In den karlistischen Kämpfen stand es immer auf seiten der Königin. Vgl. Alvarez y Baena, Hijos de M. etc. (Madr. 1789-91, 4 Bde.); Mesonero Romanos, El antiguo M. (das. 1861); Amador de los Rios, Historia de la villa y corte de M. (das. 1861-64, 4 Bde.); Valverde y Alvarez, La capital de España (das. 1883).

Madridejos (spr. -dēchos), Bezirksstadt in der span. Provinz Toledo, in einer fruchtbaren Ebene, mit (1878) 6263 Einw., Käsebereitung und Weberei.

Madrigāl (ital.), eine vorzeiten sehr beliebte kleine lyrische Dichtungsform, meist erotischen Inhalts, in der Regel mit drei mehrfach verschlungenen Reimen und epigrammatischer Wendung. Das Versmaß war meist iambisch und die Anzahl der Zeilen gewöhnlich nicht unter 6 und nicht über 13. Seine Entstehung verdankt das M. den Provençalen, seine weitere Ausbildung den Italienern; von ihnen kam es frühzeitig auch nach Deutschland, wo es lange Zeit eifrige Pflege fand. Die bedeutendsten Madrigalendichter sind: die Italiener Petrarca und Tasso, die Franzosen de Montreuil, Lainez, Moncrif, die Deutschen Hagedorn, Götz, Gotter, Voß, Manso, Goethe, A. W. Schlegel. Vgl. Strümpell, Das französische M. vom 16. bis zum 19. Jahrhundert (Braunschw. 1873). - In der Musik ist M. das eigentliche Kunstlied des 16. Jahrh., d. h. da jene Zeit das einstimmige begleitete Lied nicht kannte, das (meist drei- bis sechsstimmige) Chorlied, das sich von der volksmäßigern, in Rhythmik und Kontrapunktierung einfachern Kanzonette, Villanelle, Frottola etc. durch eine kunstvollere Faktur unterschied. Das M. ist daher der eigentliche Repräsentant der Kammermusik des 16. Jahrh. und als der älteste Madrigalenkomponist Arcadelt (s. d.) zu bezeichnen. Das M. wurde indirekt auch zum Ausgangspunkt der begleiteten Monodie und der Instrumentalmusik, da man beliebte Madrigale derart für Laute (auch für Klavier) bearbeitete, daß eine Stimme (der Tenor oder Sopran) gesungen, die andern dagegen, so gut es ging, auf dem Instrument ausgeführt wurden.

Madrilēna, ein span. Nationaltanz.

Madrillbrett, s. Petarde.

Madüe, Landsee im preuß. Regierungsbezirk Stettin, 12 km lang und 3 km breit, 17 m ü. M., ist reich an Maränen und wird von der Plöne durchströmt.

Madura, 1) Distrikt der britisch-ind. Präsidentschaft Madras, an der Koromandelküste, 21,758 qkm (395 QM.) groß mit (1881) 2,168,680 Einw., darunter nur 140,948 Mohammedaner und 84,900 Christen (67,554 römische Katholiken, 17,346 Protestanten). Das Christentum wurde hier bereits 1606 gepredigt, jetzt bestehen eine katholische und eine protestantische Mission. Durch die Hungersnot 1876-1877 verlor M. über 100,000 Menschen. Das Land ist meist eben, im NW. erheben sich die dicht bewaldeten Palniberge (2400 m) mit der Gesundheitsstation Kodehkanal; dort haben sich noch teilweise hinduisierte Urbewohner (Wellalar, Marawar, Kallar) erhalten. Der wichtigste Fluß ist der Waiga. Das Mineralreich enthält Salpeter, Salz, Eisen, Graphit, Edelsteine, Goldsand. - Die Hauptstadt M. mit 73,807 Einw., am Waiga und der Südindischen Bahn, besitzt in einer großen Pagode (s. Tafel "Baukunst I", Fig. 4-6), einem Palast und einer 3 km von der Stadt mitten in einem großen Teich errichteten Moschee ausgezeichnete Bauwerke, die aber zum Teil in Ruinen liegen, und von neuern Bauten ein Hospital, College, mehrere Kirchen und eine prächtige medizinische Anstalt der Jesuiten. - 2) Insel an der Nordostküste von Java, von diesem durch die in ihrem westlichen Teil nur 3 km breite und dort fast unbefahrbare Madurastraße getrennt, umfaßt 4570 qkm (83 QM.). M. ist von niedrigen Hügeln erfüllt, hat viel Wald, ist jedoch dürr und darum auch zum großen Teil nicht