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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Madurafuß; Maduro; Madvig; Maelen; Maerlant

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Madurafuß - Maerlant.

angebaut, enthält aber sehr reiche Salinen. Die Bewohner, die Maduresen, gehören zur malaiischen Rasse und sind den Javanern nahe verwandt, jedoch von gröbern Zügen, kräftiger, ausdauernder und unternehmender, zählen daher zu den besten Soldaten der niederländisch-indischen Armee. Politisch bildet M. mit ca. 80 östlicher gelegenen Inselchen eine Residentschaft mit einem Umfang von 5286 qkm (96 QM.) mit (1885) 1,373,948 Einw. (473 Europäer, 4029 Chinesen, 1425 Araber) und vier Distrikten: M., Pamekasan, Sampang und Sumenep, regiert von einheimischen Fürsten unter Kontrolle des niederländischen Residenten, der in Pamekasan wohnt; die bedeutendste Stadt ist aber Sumenep, dann der Hafen Bangkallan an der Westküste.

Madurafuß (Mycetom), Erkrankung der Haut und der tiefern Weichteile des Fußes, der obern Gliedmaßen und des Rumpfes, welche in den ostindischen Kolonien endemisch vorkommt und nach langem Siechtum zum Tod führt. Es handelt sich dabei um langwierige Entzündungen, welche durch einen Schimmelpilz (Chionyphe Carteri Berk.) hervorgerufen und unterhalten werden. Vgl. Carter, On mycetoma or fungus foot of India (Lond. 1874).

Maduro, s. Portwein.

Madvig, Johan Nikolai, ausgezeichneter Philolog und dän. Staatsmann, geb. 7. Aug. 1804 zu Svaneke auf Bornholm, vorgebildet auf der gelehrten Schule zu Frederiksborg auf Seeland, studierte 1820 bis 1825 in Kopenhagen, wurde 1826 an der dortigen Universität Dozent, 1829 Professor der lateinischen Sprache und Litteratur, 1848 daneben Unterrichtsinspektor der gelehrten Schulen. Im Oktober d. J. in den dänischen Reichstag gewählt, gehörte er zum Zentrum und übernahm im November 1848 das Portefeuille des Kultus, legte dasselbe aber im Dezember 1851 nieder und trat in seine frühern Ämter als Universitätsprofessor und Unterrichtsinspektor zurück. Doch entwickelte er auch ferner als Wortführer der nationalliberalen Partei im Folke- und Landsthing sowie seit 1855 mehrfach als Präsident des Reichstags eine rege politische Thätigkeit. Er starb erblindet 13. Dez. 1886. Durch seine philologischen Arbeiten erwarb er sich bald den Ruf eines der scharfsinnigsten und gründlichsten Kritiker. Auf Cicero beziehen sich: "De Asconii Pediani commentariis in Ciceronis orationes" (Kopenh. 1828), "Emendationes in Ciceronis libros philosophicos" (das. 1828), "Epistola critica ad Orellium de orationibus Verrinis" (das. 1828), die trefflichen Ausgaben von: "De finibus bonorum et malorum" (das. 1839, 3. Aufl. 1876) und "Cato major et Laelius" (das. 1835, 2. Aufl. 1869) sowie die Rezension zwölf ausgewählter Reden (das. 1830, 4. Aufl. 1858). Für Livius lieferte er: "Emendationes Livianae" (Kopenh. 1860, 2. Aufl. 1876) und im Anschluß daran mit Ussing eine Gesamtausgabe (das. 1861-65, 4 Bde.; zum Teil schon in 4. Aufl.). Zahlreiche Emendationen zu verschiedenen Schriftstellern bot er in den "Adversaria critica ad scriptores graecos et latinos" (Kopenh. 1871-84, 3 Bde.). Die grammatischen Studien förderte er in der "Latinsk Sproglaere til Skolebrug" (Kopenh. 1841, 7. Aufl. 1881; deutsch zuletzt von Genthe, Braunschw. 1877) sowie in der "Graesk Ordföiningslaere" (Kopenh. 1846, 2. Aufl. 1857; deutsch: "Syntax der griechischen Sprache", 2. Aufl., Braunschw. 1884). Seine letzten Werke sind: "Die Verfassung und Verwaltung des römischen Staats" (Kopenh. u. Leipz. 1881-82, 2 Bde.) und die Selbstbiographie: "Livserindringer" (das. 1887). Seine akademischen Gelegenheitsschriften und kleinern Arbeiten, zum Teil von größter Bedeutung, sind gesammelt in: "Opuscula academica" (Kopenh. 1834-1842, 2 Bde.; 2. Aufl. 1887) und "Kleine philosophische Schriften" (Leipz. 1875).

Maelen (spr. mālen), Philippe Marie Guillaume van der, belg. Kartograph, geb. 23. Dez. 1795 zu Brüssel, war anfangs Kaufmann, wandte sich noch im Alter von 30 Jahren dem Kartenzeichnen zu und gab schon 1827 einen "Atlas universel" in 400 Blättern heraus, dann 1829-30 einen "Atlas de l'Europe" in 165 Blättern. 1830 gründete er sein berühmtes Établissement géographique de Bruxelles, eine großartige Gruppe von Ateliers, aus denen eine bedeutende Anzahl von Karten, Atlanten, Reliefs, Globen und Büchern hervorgegangen ist, namentlich solche, welche für die Kenntnis Belgiens von Wichtigkeit sind, wie: "Carte de la Belgique" (1833, 43 Blatt); "Dictionnaires géographiques des provinces de la Belgique" (1831-38); "Carte de la Belgique" (1837-53, 25 Blatt); eine andre (1846-54, 250 Blatt); "Atlas hypsométrique de la Belgique" (1851-61, 10 Blatt) u. a. M. starb 29. Mai 1869 in Brüssel.

Maerlant (spr. mār-), Jacob van, der bedeutendste niederländ. Dichter des 13. Jahrh., geboren in Zeeland oder in Flandern, wohnte seit etwa 1257 zu Damme bei Brügge, wo er nach der Tradition das Amt eines Stadtschreibers bekleidete und zwischen 1291 und 1300 starb. Seine frühsten Gedichte, der nur in Bruchstücken erhaltene "Trojanische Krieg", nach dem Französischen des Bénoît de Sainte-More (hrsg. von Verdam, Groning. 1873), und der um 1256 abgefaßte "Alexander", nachdem Lateinischen des Gauthier de Chastillon (hrsg. von Franck, das. 1882) sowie der Roman von "Torec" (hrsg. von Te Winkel, Leiden 1875), gehören zwar dem Stoff nach noch ganz zu dem Kreis der ritterlichen Epik, stehen aber schon unter dem Einfluß einer historischen Kritik, und das lehrhafte Element wiegt in ihnen vor. Später empfahl M. nur historisch glaubhafte biblische, geistliche oder weltliche Erzählungen und rein lehrhafte Darstellungen, von denen er selbst sehr umfängliche Muster aufstellte. Zu den Gedichten aus dieser zweiten Periode Maerlants gehören: ein "Leben des heil. Franziskus", nach dem Lateinischen des Bonaventura (hrsg. von Tideman, Leiden 1848); die "Heimelijkheid der heimelijkheden", nach den "Secreta secretorum" des Pseudo-Aristoteles (hrsg. von Clarisse, Dordr. 1838); verschiedene strophische, zum Teil geistliche Gedichte, unter denen das Gespräch "Wapene Martijn" (Antwerp. 1496; hrsg. von Verwijs, Leiden 1857) das bemerkenswerteste ist. Andre Schriften sind: "Rymbybel" (hrsg. von David, Brüssel 1858-60, 4 Bde.); "Bestiaris" oder "Der Naturen bloeme", eine gereimte Naturgeschichte nach dem lateinischen Werk "De naturis rerum" von Thomas de Cantimpré (hrsg. von Bormans, das. 1857, und von Verwijs, Groning. 1878); "Alexanders geesten" (hrsg. von Snellaert, das. 1860-62, 2 Bde.) und das umfänglichste seiner Werke: "Spiegel historiael", 1284 begonnen, eine lange Zeit unvollendet vorliegende gereimte Weltchronik nach dem "Speculum historiale" des Vincentius Bellovacensis (hrsg. von der Maatschappij voor nederlandsche letterkunde durch de Vries und Verwijs, Leiden 1857-63, 3 Tle.), deren verloren geglaubter 2. Teil 1869 von Ferdinand v. Hellwald (s. d.) auf der Wiener Bibliothek aufgefunden und mit de Vries und Verwijs (das. 1873-77) heraus-^[folgende Seite]