Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Magenerweichung; Magenerweiterung; Magenfistel; Magengegend; Magengeschwür

64

Magenerweichung - Magengeschwür.

tische Masse verwandelt, welche später breiige Konsistenz annimmt. Sofern durch die Resorption des Gifts nicht der Tod erfolgt, können selbst die schwersten Ätzungen und Zerstörungen der Magenwand heilen, wobei die extremsten Grade der Schrumpfung, Wandverdickung und Narbenbildung eintreten. Ist die Ätzung sehr tief, so kann Durchbruch des Mageninhalts in die Bauchhöhle erfolgen, oder es kann auch ohne direkten Durchbruch Bauchfellentzündung nachfolgen und den Tod bedingen. Die schwerste Form der M., die phlegmonöse Gastritis, ist in ihren Ursachen noch wenig erforscht; sie stellt sich dar als enorme Schwellung der ganzen Magenwand und Infiltration aller Wandschichten mit trübem wässerigen oder eiterigen Exsudat. Eine Heilung derselben ist nicht wahrscheinlich. Die Symptome der leichtern Grade von M. fallen zusammen mit denen des heftigern Magenkatarrhs; die Symptome der M. durch Vergiftung sind verschieden, je nach dem eingeführten Gifte. Doch gilt allgemein, daß auch Gifte, die nicht direkt lähmend auf das Nervensystem wirken, neben örtlichen Erscheinungen schnell eine allgemeine Depression und namentlich ein fast völliges Daniederliegen der Blutzirkulation herbeiführen. Wird ein bisher gesunder Mensch plötzlich von heftigem Schmerz in der Magengegend und im Unterleib befallen; werden schleimige und schleimig-blutige Massen erbrochen und unter heftigen Kolikschmerzen und Afterzwang entleert; werden Hände und Füße kalt, der Puls klein, die Haut mit klebrigem, kaltem Schweiß bedeckt: so liegt der Verdacht einer M. durch Vergiftung vor. In den schwersten Fällen treten zwar Brechbewegungen ein, aber der schon gelähmte Magen vermag seinen Inhalt nicht zu entleeren; der ganze Körper wird eisig kalt, es tritt allgemeine Lähmung ein, und der Kranke stirbt nach wenigen Stunden. In leichtern Fällen tritt der Tod erst später ein, oder es verschwinden, besonders wenn das Gift durch Erbrechen größtenteils wieder entleert wurde, die Lähmungserscheinungen wieder, und die Zirkulation stellt sich wieder her. Die Genesung pflegt eine sehr langsame und fast nie eine vollständige zu sein. Die Gegengifte, welche in den einzelnen Fällen anzuwenden sind, dürfen nur kurze Zeit (1-2 Stunden) nach stattgehabter Einführung der Gifte noch angewendet werden. Wurden jene Stoffe schon erbrochen, oder haben sie die Magenwand schon zerstört, so können Gegengifte durch neue Reizung des Magens nur schaden. Nur Arsenik und scharfe tierische und vegetabilische Gifte machen eine Ausnahme. Fehlt das Erbrechen, oder ist es zu schwach, um den Magen gehörig zu entleeren, so kann in einzelnen Fällen ein Brechmittel von Nutzen sein. Außerdem bedecke man den Leib mit kalten Umschlägen und lasse den Kranken, wenn er es vermag, kleine Mengen Eiswasser oder kleine Eisstückchen verschlucken.

Magenerweichung (Gastromalacia), eine nur an Leichen vorkommende, durch Gärung und Selbstverdauung der Magenwand bedingte Zerreißung derselben.

Magenerweiterung (Gastrectasis), eine Ausdehnung des Magens über das normale Maß, ist nur als Symptom andrer pathologischer Verhältnisse des Magens anzusehen und fehlt fast niemals beim chronischen Magenkatarrh, bei dem wegen gestörter Funktion des Magens die Speisen längere Zeit im Magen verweilen und Gase entwickeln. Geringere Grade von M. werden als Mageninsuffizienz oder Atonie des Magens bezeichnet. Höhere Grade kommen vor, wenn bei Verengerung des Magenausgangs (Pylorus) durch Narbenbildung die Speisen am Austritt verhindert werden. In solchen Fällen mit Gasansammlung findet man über dem erweiterten Magen tympanitischen Perkussionsschall und beim Befühlen eine luftkissenähnliche Resistenz. Die Behandlung muß gegen die ursachlichen Erkrankungen vorgehen.

Magenfistel, ein Fistelgang, welcher die Magenwand und die Bauchwand durchsetzt, entsteht durch Aufbruch eines Magengeschwürs oder eines Abscesses oder durch Verletzungen und wird durch Ätzung oder Operation geheilt. Je nach der Lage und Größe der M. verursacht dieselbe verschiedene Beschwerden, und infolge des Verlustes an Säften leidet die Ernährung beträchtlich. Patienten mit M. wurden von Physiologen zum Studium des Verdauungsprozesses benutzt, so namentlich von William Beaumont, welcher an dem kanadischen Jäger San Martin sehr lehrreiche Beobachtungen anstellte.

Magengegend, s. Bauch.

Magengeschwür tritt in verschiedenen Formen auf und hat für die Gesundheit und das Leben des betreffenden Individuums eine sehr verschiedene Bedeutung. Kleine, flache Substanzverluste von Hanfkorngröße mit gerötetem Grund, sogen. hämorrhagische Erosionen, haben keine größere Bedeutung und verheilen meist, ohne eine Spur zurückzulassen. Verschwärungen der geschlossenen Drüsenfollikel der Magenschleimhaut sind an sich selten und heilen mit Zurücklassung einer unbedeutenden Narbe, ohne dem Kranken auf längere Zeit belästigende Symptome zu verursachen. Eine sehr wichtige und schwere Form des Magengeschwürs dagegen ist das sogen. chronische, runde oder durchbohrende M. (Ulcus ventriculi chronicum s. rotundum s. perforans), welches sich durch außerordentlich scharfe Grenzen und dadurch auszeichnet, daß in seiner Umgebung stets Entzündung und Eiterbildung fehlen. Nach Virchows Ansicht entsteht das M. dadurch, daß zunächst eine Verstopfung kranker arterieller Gefäße eintritt, daß infolgedessen die Magenwand, soweit sie das kapillare Stromgebiet der verstopften Arterie bildet, brandig abstirbt, und daß der Magensaft die brandig gewordene Stelle, welche seiner Einwirkung keinen Widerstand leisten kann, zur Erweichung und zum Zerfall bringt. Die Disposition für das chronische M. ist sehr verbreitet, denn unter 20 Leichen ist je eine mit einem M. oder mit der Narbe von einem solchen versehen. Das chronische M. kommt im reifen Alter häufiger als in der Kindheit, bei Frauen und bleichsüchtigen Subjekten häufiger als bei Männern und kräftigen Individuen vor. Häufig werden Diätfehler, Mißbrauch von Spirituosen, kalter Trunk bei erhitztem Körper, sogar Störungen des monatlichen Blutflusses als Ursachen bezeichnet; doch ist es kaum möglich, darüber zu einiger Sicherheit zu gelangen. Das chronische M. hat seinen Sitz am häufigsten in der Pförtnerhälfte des Magens, häufiger an der hintern als an der vordern Magenwand und fast immer an dem kleinen Bogen des Magens oder in seiner Nähe. Selten kommt es im Magengrund vor. Zuweilen ist nur ein Geschwür vorhanden, häufiger zwei oder mehrere, mitunter 30-40, welche sich dann gewöhnlich in verschiedenen Stadien befinden. In besonders ausgeprägten Fällen sieht man am Magen von außen her ein kreisrundes Loch mit scharfem Rand, von innen her gesehen bildet das Geschwür gleichsam Terrassen und stellt einen flachen Trichter dar. Die Größe schwankt zwischen 6 mm im Durchmesser bis zur Größe eines Thalerstücks und darüber. Oft heilt das Geschwür, bevor es alle