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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Magĭer; Magindanao; Magister; Magister bibendi; Magister equĭtum,; Magisterĭum

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Magier - Magisterium.

ist. Ihr sinnliches Leben ist ein Zustand der Verzauberung, die Körperwelt ein Komplex sympathischer und antipathischer Beziehungen und Verhältnisse, welche die Götter selbst den Menschen bekannt machen, die nun durch deren Kenntnis Kraft und Macht auch über jene erhalten. Durch strenge Asketik und genaue Befolgung der religiösen Zeremonien tritt die Seele mit den guten Göttern in Verbindung, ja sie wird eins mit dem Absoluten. Die Neuplatoniker unterschieden nun M. und Goëtie ("Zauberei") und betrachteten ihre magische Thätigkeit nicht als Zauber, obwohl sie ein gutes Teil der gewöhnlichen Zaubermittel anwendeten. In Rom, wo namentlich das Divinationswesen mit dem Staatsorganismus eng verbunden war, fand die ausländische M. früh schon Eingang und Verbreitung, obwohl von Zeit zu Zeit Edikte dagegen erlassen wurden. Nur die Astrologie blieb in Rom ein fremdes Element. Im Mittelalter unterschied man höhere und niedere, weiße und schwarze M., je nachdem man den beabsichtigten Zauber durch himmlische oder irdische Kräfte zu erreichen, gute oder böse Geister dazu verwenden zu müssen glaubte. Von großem Einfluß darauf war der Glaube an den Teufel und die ihm untergebenen Geister, und die wichtigste und traurigste Folge dieses Wahns war der Glaube an die Teufelsbündnisse (s. Hexe). Vieles, was man früher in das Gebiet der geheimen Wissenschaft und der M. zog, hat jetzt durch die genauere Erkenntnis der Natur und ihrer Gesetze alles Wunderbare verloren; doch hält der Volksglaube noch an vielen magischen Wirkungen (z. B. sympathetische Mittel, böser Blick etc.) fest, während andernteils namentlich der Glaube an eine übertragbare Nervenkraft selbst in gebildeten Kreisen in der neuern und neuesten Zeit zu vielen Vorstellungen Anlaß gegeben hat, die in das Gebiet der M. zu verweisen sind (vgl. Magnetische Kuren). Ferner hat auch der Glaube an das willkürliche Hervorrufen von Geistererscheinungen und Offenbarungen aus dem Jenseits mittels begabter Personen (Medien), Spiritualismus oder Spiritismus (s. d.), wieder Bedeutung erlangt. Unter natürlicher M. versteht man heutzutage die Kunst u. Geschicklichkeit, durch physikalische, mechanische und chemische Mittel Wirkungen hervorzubringen, welche den Ununterrichteten in Erstaunen setzen. Vgl. Ennemoser, Geschichte der M. (2. Aufl., Leipz. 1844); Salverte, Des sciences occultes (3. Aufl., Par. 1856); Maury, La magie et l'astrologie (4. Aufl., das. 1877); Christian, Histoire de la magie (das. 1870); Lenormant, La magie chez les Chaldéens (das. 1874; deutsch, Jena 1878); A. de Rochas, L'art des thaumaturges dans l'antiquité (Par. 1882); Fabart, Histoire philosophique et politique de l'occulte, magie, etc. (das. 1885). Über die M. als natürliche Entwickelungsstufe des menschlichen Denkens handeln besonders O. Caspari, Urgeschichte der Menschheit (2. Aufl., Leipz. 1877), und Tylor, Anfänge der Kultur (a. d. Engl., das. 1873). Die Mittel der sogen. natürlichen M. erläutern zahlreiche, teilweise bändereiche deutsche Werke von Wiegleb, Martius, Halle, Poppe u. a. Speziellere Nachweisungen gibt Grässes "Bibliotheca magica" (Leipz. 1843).

Magĭer (lat. Magi), die Priester bei den Medern und Persern, welche sehr einflußreich waren. Die M. waren im Besitz der wissenschaftlichen Kenntnisse und übten die heiligen Gebräuche der Religion, trieben aber auch Traumdeuterei und Mantik. Ihre Lehren nannte man Magismus, ihre Weisheit die Magie (s. d.). Sie genossen außerordentliches Ansehen, hatten entscheidenden Einfluß auf alle öffentlichen und Privatangelegenheiten, leiteten die Erziehung der Prinzen und umgaben beständig die Person des Fürsten. Zoroaster reformierte mit dem Parsismus auch die M. und teilte sie in drei Klassen: Lehrlinge (Herbeds), Meister (Mobeds) und vollendete Meister (Desturmobeds). Pasargadä, die Totenstadt der persischen Könige, war auch die Priesterstadt des Reichs, wo die M. ihren Mittelpunkt hatten. Bei den Chaldäern erwähnt schon Jeremias einen Magierorden, dessen Mitglieder aus den Sternen, aus dem Flug der Vögel und aus den Opfertieren weissagten; auch bei der Geburt Jesu werden M. erwähnt (s. Drei Könige). Später, im Zeitalter der Römer, hießen M. überhaupt die herumziehenden Astrologen, Wahrsager und Gaukler Asiens, welche zugleich als Wundärzte und Traumdeuter in großem Ansehen standen, und noch gegenwärtig versteht man unter Magiern oder Magikern die sogen. Zauberer und Taschenspieler. - Magisch, zauberisch, zauberhaft; magische Laterne, s. Laterna magica.

Magindanao, Insel, s. Mindanao.

Magister (lat.), Vorgesetzter, Vorsteher, Aufseher; bei den Römern Titel für die verschiedensten Staats- und Gemeindeämter, Korporationen etc., z. B. M. admissionum, kaiserlicher Zeremonienmeister; M. aeris, Kassierer; M. auctionis oder bonorum, Konkursverwalter; M. census, Vorsteher des Steuer- und Schätzungswesens, Finanzminister; M. collegiorum, Vorsteher einer Sodalität; M. cubiculariorum, Oberkämmerer; M. municipiorum, Stadtvorsteher; M. pagorum, Dorfschulze; M. vicorum, Bezirksvorsteher, Gemeindevorsteher; M. navis, Kapitän od. Steuermann; M. scriniorum, Chef des kaiserlichen Kanzleibüreaus; M. scripturae oder societatis, Vorsteher einer Steuerpachtgesellschaft; M. vestis lineae oder lintĕae, Chef der kaiserlichen Wäschgarderobe. Auch am päpstlichen Hof (M. sacri palatii) und in den Klöstern war M. der Titel für verschiedene Beamte der Zucht- und Kirchenordnung sowie des Gottesdienstes und Lehrer. Weiteres s. in den folgenden Artikeln.

In neuerer Zeit bezeichnet M. (vollständig M. artium liberalium, d. h. Meister der freien Künste) eine akademische Würde, die sich aus den ersten Zeiten des Universitätswesens herschreibt, wo sich der Kreis der akademischen Thätigkeit auf die sieben freien Künste beschränkte. Wer die Würde eines M. erlangen wollte, mußte zuvor Bakkalaureus (s. d.) geworden sein. Schon im 12. Jahrh. legte man diesem Prädikat, namentlich in Frankreich, hohen Wert bei. Nachdem das Fakultätswesen eingeführt war, büßte die nun auf die Artisten- oder philosophische Fakultät beschränkte Magisterwürde einen Teil ihres Ansehens ein. Manche philosophische Fakultäten verliehen das Prädikat M. zugleich mit dem Doktortitel, während anderwärts dasselbe nur denen erteilt ward, welche nach öffentlicher Disputation die Erlaubnis erhalten hatten, Vorlesungen zu halten (M. legens). Gegenwärtig hat das Magisterium an deutschen Universitäten jede selbständige Bedeutung verloren, indem es mit dem Doktorat der Philosophie zusammenfällt.

Magister bibendi (lat.), Zechkönig, s. Comissatio.

Magister equĭtum, in Rom der Gehilfe und Stellvertreter des Diktators (s. d.), der ihn ernannte, und mit dem er auch gleichzeitig sein Amt niederlegte. Er hatte einen hohen Rang, die sella curulis, die praetexta und sechs Liktoren.

Magisterĭum (lat.), Würde eines Magisters (s. d.); dann s. v. w. Meisterstück, namentlich bei den Alchimisten gewisse Zubereitungen, deren Darstellung