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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Magnetīt; Magnētkies; Magnetkristallachse; Magnētnadel; Magnetograph; Magnetomēter

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Magnetit - Magnetometer.

fand auch das Gesetz der ungleichnamigen Pole und das Magnetischwerden eines Eisenstäbchens unter dem Einfluß des Erdmagnetismus. 1590 beobachtete Cäsar in Rimini den M. einer auf einem Kirchturm verrosteten Eisenstange. Um den M. zu erklären, hat man lange abenteuerliche Vorstellungen gehegt, und besonders glaubte man an nordische Magnetberge, denen kein Schiff sich nähern dürfe, ohne zu zerschellen, indem die Nägel durch den Magnet aus dem Holz herausgezogen würden. Erst Gilbert verwies 1600 diese Vorstellung ins Reich der Fabeln. Daß die Deklination sich an demselben Ort mit der Zeit ändere, wurde in London und Paris nachgewiesen, und 1722 entdeckte Graham auch die täglichen Variationen. Halley, der sich um die Theorie des M. sehr verdient gemacht hat, entwarf 1699 die isogonischen Linien, die übrigens schon Burrus gezogen haben soll. Die neuern Arbeiten über den M. knüpfen sich an die Namen Euler, Humboldt, Hansteen, Gauß, Weber, Lamont. Der Diamagnetismus wurde 1845 von Faraday entdeckt, neben welchem als Forscher auf diesem Gebiet noch Plücker, Weber, Tyndall, Wiedemann und Verdet zu nennen sind. - Über den sogen. tierischen oder Lebensmagnetismus s. Magnetische Kuren. Vgl. Lamont, Handbuch des M. (Leipz. 1867); Airy, Über den M. (a. d. Engl., Berl. 1874); Ferrini, Technologie der Elektrizität und des M. (deutsch, Jena 1878); Hoh, M. und Elektrizität als kosmotellurische Kräfte (Wien 1887).

Magnetīt, s. v. w. Magneteisenerz.

Magnētkies (Pyrrhotin, rhomboedrischer Eisenkies), Mineral aus der Ordnung der einfachen Sulfuride, kristallisiert hexagonal in sechsseitigen Tafeln oder kurzen Säulen, kommt meist derb oder eingesprengt vor, durch schalige Zusammenhäufung blätterig erscheinend, oder körnig, auch dicht, ist bronzegelb, tombakartig angelaufen, Härte 3,5-4,5, spez. Gew. 4,54-4,64, magnetisch, bisweilen polarisch, besteht aus Schwefeleisen Fe6S7 ^[Fe_{6}S_{7}] bis Fe11S12 ^[Fe_{11}S_{12}] mit 38,4-40 Proz. Schwefel. M. findet sich häufig auf Erzlagern im kristallinischen Schiefergebirge, so auf den Kupferkieslagern Skandinaviens, aber auch mit Bleiglanz, Blende und andern Schwefelmetallen und Mineralien (Kupferberg, Breitenbrunn, Auerbach, Kongsberg) oder auch nur mit Schwefelkies (Walcheren; Kallwang in Steiermark), mit Blende (Bodenmais u. a. O.) in selbständigen Lagern, auch auf Magneteisenlagern; ebenso auf Erzgängen im Gneis (Freiberg u. a. O. im Erzgebirge), im Urschiefer und im Übergangsgebirge (Cornwall, Andreasberg am Harz); eingesprengt im Granit (Barèges in den Pyrenäen), im Serpentin, Diorit etc., in den Blasenräumen basaltischer Gesteine (Kyklopeninsel in Sizilien) und in Meteorsteinen (Juvenas). Man benutzt den M. auf Eisenvitriol und in der Schwefelsäurefabrikation.

Magnetkristallachse, s. Magnetismus, S. 90.

Magnētnadel, s. Magnetismus, S. 84, und Kompaß.

Magnetograph, s. Registrierapparate.

Magnetomēter (griech.), Instrument zur genauen Bestimmung der Richtung der horizontalen Magnetnadel, besteht im wesentlichen aus einem an ungedrehten Seidenfäden aufgehängten Magnetstab m (Fig. 1, von oben gesehen), an welchem sich ein kleiner Spiegel o befindet, dessen Ebene rechtwinkelig auf der magnetischen Achse des Magnetstabs steht. Dem Spiegel gegenüber und in einer Entfernung von 1,5-4,5 m ist ein Theodolit a aufgestellt, dessen Fernrohrachse etwas schräg von oben herab gegen die Mitte des Spiegels gerichtet ist. Am Stativ des Theodolits befindet sich eine 1 m lange horizontale Millimeterskala s s. Derjenige Punkt der Skala, welcher mit der optischen Achse des Fernrohrs in einer Vertikalebene liegt, wird durch einen von der Mitte des Objektivs herabhängenden feinen Draht bezeichnet. Durch das Fernrohr sieht man das Bild eines Teils der Skala im Spiegel. Der ganze Apparat muß so stehen, daß die Vertikalebene der optischen Fernrohrachse und die vertikale Drehungsachse des Magnetstabs mit dem vorläufig annähernd genau bestimmten magnetischen Meridian zusammenfallen. Solange nun die Magnetachse o d mit der Vertikalebene a o des Fernrohrs zusammenfällt, erscheint das Bild des vor der Mitte der Skala hängenden Fadens in der Achse des Fernrohrs; weicht der Magnetstab aber aus dieser Ebene ab, so erscheinen andre Teilstriche c am vertikalen Faden des Fadenkreuzes im Fernrohr, und man kann mithin die Lage des wirklichen magnetischen Meridians mit der größten Genauigkeit bestimmen, da ein geübtes Auge noch sehr gut Zehntel eines Millimeters schätzen kann. Man erfährt so den Winkel a o d, welchen der magnetische Meridian mit der Vertikalebene des Fernrohrs macht; ermittelt man nun den Winkel, den die Vertikalebene des Fernrohrs mit dem durch den Mittelpunkt des Theodolits gelegten astronomischen Meridian S N macht, so findet man den genauen Wert der magnetischen Deklination. Der Magnet oszilliert in langsamen Schwingungen um seine Gleichgewichtslage, welch letztere also dadurch gefunden wird, daß man die Grenzen bestimmt, innerhalb welcher der Stab schwingt, und zwischen diesen das Mittel nimmt. Die Fig. 2 stellt ein von Leyser in Leipzig ausgeführtes transportables M. dar. Der Magnetstab ist umgeben von einem massiven kupfernen Gehäuse, in welchem er vermöge seiner Bewegung elektrische Ströme induziert (s. Magnetelektrizität), welche auf die Schwingungen des Magnetstabs hemmend zurückwirken und denselben daher sehr bald in seiner Gleichgewichtslage zur Ruhe bringen. (Die Drahtwindungen, mit welchen das Gehäuse umwickelt ist, machen es möglich, das Instrument zugleich als Spiegelgalvanometer zu benutzen.) Für wissenschaftliche Reisen hat Lamont einen magnetischen Theodolit konstruiert, mit welchem in ähnlicher Weise die Deklination bestimmt werden kann. Die Inklination ist viel schwieriger zu bestimmen als die Deklination; doch geschieht es mit Sicherheit in der Weise, daß man den durch den Erdmagnetismus in weichem Eisen erregten Magnetismus bestimmt. Hält man nämlich einen weichen Eisenstab zuerst horizontal in der Richtung der Deklinationsnadel und dann vertikal, so wird er zwar in beiden Fällen durch den Einfluß der Erde magnetisch; aber im ersten Fall wirkt nur die horizontale, im zweiten nur die vertikale Komponente erregend auf ihn ein. Bringt man in beiden Stellungen neben dem einen seiner Pole eine Bussole an, so wird die Nadel derselben ab-

^[Abb.: Fig. 1. Aufstellung des Magnetometers.]