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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Main de justice; Mainau; Mainberg; Mainbernheim; Mainburg; Maine

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Mainau - Maine.

Häuptlingen und einem Rat von Alten, in welchem ein jährlich gewählter Protogeront den Vorsitz führte. Später wählten sie einen Bei, der von dem türkischen Kapudan-Pascha investiert wurde. Beim Ausbruch der griechischen Revolution war Pietro Mauromichali Oberhaupt der Mainoten. Da die Blutrache unter ihnen im ausgedehntesten Maß herrschte, so waren ihre Häuser Festen; auch längs der Küste waren Türme errichtet. Die Widersetzlichkeit der Mainoten gegen die neuen Einrichtungen führte 1834 eine Expedition der Bayern nach der M. herbei, wobei die letztern acht jener Türme zerstörten. Aber erst mildern Maßregeln gelang es, die Bewohner an regelmäßigen Kriegsdienst, regelmäßige Abgaben und sonstige Gesetzlichkeit zu gewöhnen. Gegenwärtig bildet die M. zwei zum Nomos Lakonien gehörige Eparchien (Gythion und Itylos) mit (1879) 46,355 Einw.

Mainau, Insel im Überlinger See (Bodensee), zum badischen Kreis Konstanz gehörig, durch eine 35 m lange eiserne Brücke mit dem Ufer in Verbindung gesetzt, hat ein großherzogliches Schloß (früher Sitz einer Komturei des Deutschen Ordens), eine Kirche, Land- und Weinbau und 28 Einw. Vgl. Roth v. Schreckenstein, Die Insel M. Geschichte einer Deutschordenskommende (Karlsr. 1873).

Mainberg, Schloß, s. Schweinfurt.

Mainbernheim, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Unterfranken, Bezirksamt Kitzingen, unweit des Mains und an der Linie Passau-Nürnberg-Würzburg der Bayrischen Staatsbahn, 433 m ü. M., hat Weinbau und (1885) 1446 meist evang. Einwohner.

Mainburg, Flecken im bayr. Regierungsbezirk Niederbayern, Bezirksamt Rottenburg, hat ein Amtsgericht, eine Oberförsterei, Bierbrauerei und (1885) 2208 kath. Einwohner.

Main de justice (franz., spr. mäng d'schüstihs, "Gerechtigkeitshand"), Art Zepter mit einer Hand an der Spitze, Sinnbild auf dem Siegel der französischen Könige seit Ludwig X.

Maine (spr. mähn), ein durch Vereinigung der Mayenne und Sarthe gebildeter, von da bis zur Mündung noch 10 km langer schiffbarer Nebenfluß der Loire im westlichen Frankreich. Danach benannt das Departement Maine-et-Loire (s. d.).

Maine (spr. mähn), ehemalige franz. Provinz, umfaßte, von der Bretagne, Normandie, von Anjou und Vendômois begrenzt, ungefähr die heutigen Departements Sarthe und Mayenne und hatte zur Hauptstadt Le Mans. Sie führte von den alten Cenomanen den Namen Cenomania. Von der römischen Herrschaft kam sie unter die fränkische, bildete dann einen Bestandteil des Herzogtums Francien und stand unter erblichen Grafen. Von 1063 bis 1089 gehörte M. den Herzögen von der Normandie, kam 1110 an Anjou und mit diesem durch das Haus Plantagenet an England. 1204 nahm es König Philipp August von Frankreich den Engländern wieder ab, und 1246 gab es Ludwig der Heilige seinem Bruder Karl, dessen Nachkommen es mit Anjou zusammen besaßen, bis 1440 die Grafschaft durch Karl VII. an das Haus Anjou kam, nach dessen Aussterben 1481 sie an die Krone Frankreich zurückfiel. Vgl. de Wismes, Le M. et l'Anjou historiques, archéologiques etc. (Nantes 1854-62, 2 Bde.); Lepelletier, Histoire de la province du M. (Le Mans 1861-62, 2 Bde.).

Maine (spr. mehn, abgekürzt Me.), der nordöstlichste Staat der nordamerikan. Union, grenzt im N. und NW. an Quebec, im O. an Neubraunschweig, im S. und SO. an den Atlantischen Ozean, im W. an New Hampshire. Mit Ausnahme der unfruchtbaren, sich längs des Meers hinstreckenden, teilweise sumpfigem Ebene ist die Oberfläche hügelig. Ein Gebirgszug mit nackten Gipfeln, aber dicht bewaldeten Abhängen, erstreckt sich von den White Mountains in New Hampshire in nordöstlicher Richtung durch den Staat und erreicht im Katahdin eine Höhe von 1767 m. Die Bewässerung ist ungemein reichlich; die offizielle Landeskarte enthält nicht weniger als 1620 Seen und 5151 Flüsse, deren gesamte Wasserfläche 6733 qkm beträgt. Die wichtigsten Flüsse sind: der in den White Mountains entspringende Saco, der dem Umbagog entströmende Androscoggin, der Kennebec, welcher durch den Mooseheadsee fließt, und der Penobscot, beide letztern die wichtigsten. Der Fluß St. Croix trennt M. von Neubraunschweig im O., und der Fluß St. John bildet einen Teil der Nordostgrenze. Der größte Teil der Küste ist steil und bietet zahlreiche landumschlossene Häfen, die an ihrer Mündung durch vorlagernde Inseln gedeckt sind. Am wichtigsten sind die Cascobai (mit 365 Inseln), an welcher Portland liegt, und die geräumige Penobscotbai. Unter den zahlreichen Küsteninseln ist Mount Desert Island in der Frenchmansbai die schönste und größte. Das Klima ist im allgemeinen gesund. Der Winter ist streng und von langer Dauer; einen Frühling kennt man kaum, und im Sommer steigt die Temperatur häufig auf 36° C. Nachtfröste kommen nur von Anfang Juni bis Mitte September nicht vor. Monatelang sind Seen und Flüsse mit Eis bedeckt, und Bangor am Penobscot ist infolge des Eises durchschnittlich 125 Tage im Jahr unzugänglich. Die mittlere Temperatur des Staats beträgt 5,36° C., und es fallen jährlich 1098 mm Regen und 2110 mm Schnee. In den verschiedenen Teilen des Staats wechselt die mittlere Temperatur des Sommers zwischen 15 und 20° C., diejenige des Winters zwischen -12 und -4° C. Über 25 Proz. der Todesfälle werden durch Schwindsucht verursacht, wogegen Sumpffieber ganz unbekannt sind. M. hat ein Areal von 84,158 qkm (1528,4 QM.) mit 1870: 626,915, 1880 aber 648,936 Bewohnern, einschließlich von 1451 Farbigen und 625 Indianern, die in festen Ansiedelungen am Penobscot wohnen und in der Kultur bedeutende Fortschritte gemacht haben. Die öffentlichen Schulen wurden 1885 von 144,909 Kindern besucht. An höhern Bildungsanstalten bestehen eine Universität und 2 Colleges mit 354 Studenten. Landwirtschaft bildet die Hauptbeschäftigung. Die Alluvialebenen in den Flußthälern sind ungemein fruchtbar, und namentlich gilt das Thal des Aroostook, eines Nebenflusses des St. John, im nördlichen M. als eine der ergiebigsten Strecken in den Vereinigten Staaten. Man baut namentlich Hafer, Weizen, Mais, Buchweizen und Gerste, Kartoffeln, Erbsen, Bohnen und Obst (Getreideernte 1880: 1,600,113 hl). An Vieh zählte man 1880: 88,000 Pferde, 333,000 Rinder, 566,000 Schafe und 74,000 Schweine. Auch Bienenzucht wird getrieben, und aus dem Safte des Ahorns bereitet man Zucker. Im J. 1880 waren nur 9,7 Proz. der Oberfläche angebaut. Wohl zwei Drittel des ausgedehnten Gebiets sind mit Wäldern von Fichten, Tannen, Ahornen, Birken, Lärchen, Espen, Ulmen, Buchen, Eschen und andern Bäumen bedeckt, in welchen das amerikanische Elen, Bären, Karibu, Wölfe, wilde Katzen, Biber und andres Wild vorkommen. Bauholz bildet einen der Hauptausfuhrartikel. Die Fischereien beschäftigten 1880: 11,071 Menschen mit 606 Schiffen und 5920 Booten und lieferten namentlich Stockfische und Makrelen, insgesamt in einem Wert von 3,6 Mill. Doll. Der Ertrag des Bergbaues