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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Malerei

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Malerei (Stillstandsperiode: 16. und 17. Jahrhundert).

malerei und der Holzschnitt, gewerbsmäßig und zünftig getrieben, und die daraus sich entwickelnde handwerksmäßige Trockenheit und Nüchternheit waren nicht ohne Einfluß auch auf die M. geblieben. Zu Beginn des 16. Jahrh. wich der flandrische Einfluß mehr dem der italienischen Renaissance; sie brachte in den Phantasiereichtum der deutschen Schule eine größere Formenschönheit und vielseitigere Anschauung. Auch die große Bewegung der Geister durch die Erfindung des Buchdrucks und beginnende Reformation konnte nur vorteilhaft wirken, und so sehen wir jetzt in Deutschland sich eine hohe Blüte der M. entwickeln. Hervorzuheben sind unter den schwäbischen Malern Hans Burgkmair (1473-1531), der schon genannte Hans Holbein der ältere und besonders dessen großer Sohn Hans Holbein (1497-1543), dessen Madonnen, Bildnisse und Zeichnungen für den Holzschnitt (Totentanz etc.) den Höhepunkt der deutschen M. in jener Periode bezeichnen. Der größte Meister der fränkischen Schule ist Wolgemuts Schüler Albrecht Dürer (1471-1528), welcher nicht nur als Maler, sondern auch als Kupferstecher und Zeichner für den Holzschnitt thätig war. Dürers bedeutendere Schüler und Nachahmer sind Hans v. Kulmbach (gest. 1523), Aldegrever, Schäuffelein (gest. 1540), Barth. Beham (1502-40) und dessen Bruder Hans Sebald Beham (1500-1550), Altdorfer (1480-1538), Georg Pencz (1500-1560) u. a. Einfluß von Dürer erfuhr H. Baldung, gen. Grien (1476-1545). Ein großer Meister ist auch der ziemlich unabhängige Aschaffenburger Matthäus Grünewald. Die obersächsische Schule hat nur einen bedeutenden Namen aufzuweisen, nämlich Lukas Cranach, Vater und Sohn; der erstere 1472-1553, der zweite 1515-86. In den Niederlanden gestaltete sich die M. hinsichtlich der Form nach den Traditionen der ältern Schulen, hinsichtlich des Inhalts auf besondere Weise. Nirgends übte die Reformation einen tiefer gehenden Einfluß auf die Kunstanschauung als hier, namentlich insofern der früher fast allein die M. beherrschende Madonnen- und Heiligenkultus aufhörte und an die Stelle der religiösen Motive solche des gewöhnlichen Lebens und der Natur traten. So entwickelten sich allmählich die Porträt-, Genre-, Landschafts- und Stilllebenmalerei und gelangten bald zu hoher Blüte. Die brabantische Schule wurde am Ende des 15. und zu Anfang des 16. Jahrh. besonders durch Gerard David und Quintin Massys (1450-1529) vertreten. Die holländische Schule weist mehr bedeutende Künstler auf, namentlich Lucas van Leiden (1494-1533), der besonders als Kupferstecher hervorragt, Jan Mostaert (1499-1553) u. a. Zu den niederländischen Schulen können auch die niederrheinischen Meister gerechnet werden, weil sich in ihrer Auffassungs- und Behandlungsweise entschieden ein niederländischer Einfluß kundgibt. Namentlich sind zu nennen: der Meister vom Tod Mariä und B. Bruyn in Köln, ferner die Meister der westfälischen Schule, wie Ludger tom Ring in Münster mit seinen Söhnen. Mehr und mehr gingen die niederländischen Maler nach Italien und gaben durch die Nachahmung der Manieristen daselbst ihren heimischen Stil auf. Zu nennen sind: Jan van Mabuse (1470-1541), B. van Orley (gest. 1541), die früher noch in alter Weise gearbeitet hatten. Ganz dem Manierismus verfallen erscheinen die Meister aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrh., wie M. van Heemskerk (1498-1574), Frans Floris (1517-70), H. Goltzius (1558-1617), Otto Venius (1558-1629), M. de Vos (1531-1603), M. van Coxszie (1499-1592), Cornelis Corneli (1562-1638) u. a. Im Porträt jedoch, das mehr auf die Natur hinwies, wurde Vorzügliches geleistet, so von Ant. Moor (gest. 1578). Einen eignen Weg schlug der sich mehr an die Natur haltende Genremaler P. Brueghel (gest. 1569) ein. In Deutschland ging man gleichfalls den Italienern nach; am erträglichsten sind noch die Meister, welche, wie J. ^[Johannes] Rottenhammer (1564-1623) und Chr. Schwarz (1550-97), die Venezianer nachahmten. Ein Feinmaler ist A. Elsheimer (1578-1620). In Spanien beginnt die M. im 15. Jahrh., zuerst besonders durch niederländischen Einfluß, einen Anlauf zu nehmen. Im 16. Jahrh. aber gewann die italienische M. und besonders die der venezianischen Schule, deren sinnliche Kraft dem Geschmack der Spanier entsprach, einen großen Einfluß. Tiefe und Kraft der Farbe bei schon früh vorwaltender Neigung zu starken Kontrasten in Hell und Dunkel charakterisieren die spanische M. um die Mitte des 16. Jahrh. Zu nennen sind: Luis de Morales, dessen Formen noch hart sind, während seine Farbe mild und klar ist; Luis de Vargas (1502-68), welcher sich der römischen Schule zuneigte; ferner Alonso Coello (1515-90) und Fernandez Navarrete (1526-79). Von der französischen M. dieser Periode läßt sich nichts bestimmt Charakterisierendes sagen, da sie verschiedene Schulen nachahmte. Die von Leonardo da Vinci am Hofe Franz' I. begründete Schule von Fontainebleau wurde namentlich durch Rosso de' Rossi (1496-1541) und Primaticcio (1504-70) sowie durch deren Schüler weiter gefördert, ihr eigentlicher Aufschwung fand aber erst unter Heinrich II. statt; zu ihr gehört auch der Franzose Jean Cousin (1501-89), während die Familie Clouet teils von den Niederländern, teils von Holbein beeinflußt war.

Fünfte Periode (1550-1670).

Die fünfte Periode der M. ist eine Zeit einerseits des allmählichen Verfalls oder doch des Stillstandes und anderseits einer Nachblüte oder nordischen Renaissance der Kunst, welche durch die italienischen Akademiker (Carracci) und die niederländischen Koloristen (Rubens, Rembrandt etc.) bewirkt wurde. In Italien zeigte sich der allmähliche Verfall nicht in einer Abnahme an technischer Meisterschaft. Im Gegenteil erhielt diese, namentlich rücksichtlich der Zeichnung, durch die Vermehrung der Bekanntschaft mit der Antike sowie durch den Austausch der Kunstmittel der einzelnen Schulen noch eine größere Bedeutung; aber der innere Begeisterungstrieb der alten Meister war erkaltet und hatte einer doktrinären Behandlung der Kunst Platz gemacht. Man nennt diese Richtung die akademische. Gegenüber dem bereits stark hervortretenden Manierismus der Italiener um die Mitte des 16. Jahrh. suchten die Carracci: Lodovico (1555-1619) mit seinen beiden Neffen Agostino (1557-1602) und Annibale (1560-1609), in Bologna auf Grund des Studiums der Antike die Stilreinheit der alten Meister wiederherzustellen. Die charakteristischen Unterschiede der einzelnen Schulen hörten mehr und mehr auf, indem man danach strebte, die großen Eigenschaften derselben zu vereinigen. Dies Streben führte zum Eklektizismus, der die Konsequenz des Systems der Carracci war. Als Gegensatz dazu bildete sich nun eine andre Richtung, welche sich lediglich die Natur zum Vorbild nahm und deshalb Naturalismus genannt wird. Zu den bedeutendsten Eklektikern gehören: Guido Reni (1575-1642) und dessen zahlreiche Schüler, Francesco Albani (1578-1660), welcher ebenfalls eine