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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Malmesbury; Malmö; Malmsey; Malmström

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Malmesbury - Malmström.

mit der Abtei Stablo und der Grafschaft Ligne unter einem Fürstabt stand, aber durch den Lüneviller Frieden ihre Besitzungen an Frankreich verlor, worauf dieselben 1815 teils an Preußen, teils an die Niederlande kamen. M. bildete dann mit verschiedenen umliegenden Orten eine Gemeinde, seit 1886 wurden diese unter eigne Verwaltung gestellt, und so bildet die Stadt jetzt eine Gemeinde für sich.

Malmesbury (spr. máhmsbĕri), altertümliche Stadt in Wiltshire (England), am Avon, mit einer Abteikirche und (1881) 3133 Einw.

Malmesbury (spr. máhmsbĕri), 1) James Howard Harris, Graf von, engl. Diplomat, geb. 21. April 1746, studierte zu Oxford und Leiden, ward 1767 Legationssekretär in Madrid, 1772 Gesandter in Berlin, ging 1776 als bevollmächtigter Minister nach Petersburg, 1782 nach dem Haag, wurde 1788 zum Peer ernannt und ging 1793 wieder nach Deutschland, wo er 1795 die Heirat des Prinzen von Wales mit der Prinzessin Karoline von Braunschweig zu stande brachte. 1796 und 1797 unterhandelte er erfolglos mit der französischen Republik in Paris und Lille, mußte aber sodann wegen Taubheit in den Ruhestand treten und erhielt 1800 den Grafentitel. Er starb 20. Nov. 1820. Vgl. "Diaries and correspondence of James Harris, first Earl of M." (Lond. 1844, 4 Bde.) und "Letters of the first Earl of M., 1746-1820" (das. 1870, 2 Bde.).

2) James Howard Harris, Graf von, brit. Staatsmann, Enkel des vorigen, geb. 25. März 1807, folgte 1841 seinem Vater als Graf von M., nachdem er vorher für Wilton Mitglied des Unterhauses gewesen war. Um diese Zeit schloß er ein Freundschaftsbündnis mit dem in England im Exil lebenden Prinzen Ludwig Napoleon. In der litterarischen Welt machte er sich durch die Herausgabe der Denkwürdigkeiten seines Großvaters bekannt. Ein Anhänger der Protektionistenpartei und eifriger Tory, wurde er von Lord Derby bei Bildung seines Kabinetts im Februar 1852 zum Staatssekretär für das Auswärtige ernannt und beeilte sich in dieser Eigenschaft, vor allen andern Großmächten Napoleon III. als Kaiser von Frankreich anzuerkennen. Doch mußte er schon im Dezember d. J. bei Bildung des Ministeriums Aberdeen zurücktreten. Im Toryministerium vom Februar 1858 bis Juni 1859 ward er abermals Minister des Äußern und trug durch seine Parteinahme für Österreich viel zum Sieg der Liberalen bei den Neuwahlen bei. Als daher die Tories 1866 wieder ans Ruder kamen, erhielt er nur das weniger bedeutende Amt des Geheimsiegelbewahrers, das er auch in dem Ministerium Disraeli vom Februar 1874 bis August 1876 bekleidete. Vgl. seine Autobiographie ("Memoirs of an Ex-Minister", Lond. 1884, 2 Bde.).

Malmö (Malmöhuslän), Län im südlichen Schweden, umfaßt den südwestlichen, fruchtbarsten und bevölkertsten Teil der Landschaft Schonen am Kattegat, dem Öresund und der Ostsee, grenzt im NO. an das Län Kristianstad und enthält ein Areal von 4795,4 qkm (87,1 QM.) mit (1885) 358,178 Einw. (75 auf 1 qkm). Das Land bildet jetzt eine fast ganz waldlose Ebene und ist das fruchtbarste des ganzen Landes, da 66,22 Proz. des Areals Acker, 7,22 natürliche Weidefläche und nur 26,66 Proz. unproduktiv sind. Eine große Landfläche, deren Wert 1880 auf 30½ Mill. Kronen abgeschätzt wurde, ist Fideikommiß. Von den 315,000 Hektar, die 1880 bebaut wurden, trugen 14,26 Proz. Winterkorn, 42,92 Sommerkorn, 5,95 Kartoffeln und Lein, 23,47 Gras und Futterpflanzen, 13,09 Proz. lagen brach. Außer dem Ackerbau und der Viehzucht (man zählte 1884: 61,836 Pferde, 152,956 Stück Rindvieh, 71,959 Schafe) treibt die Bevölkerung Fischerei und Schiffahrt. Im Nordwesten (bei Helsingborg) findet man Steinkohlen. - Die Hauptstadt M., am Öresund gelegen, Ausgangspunkt der Eisenbahnen nach Stockholm und Ystad, ist gut gebaut, hat ein altes Schloß (Malmöhus, jetzt Zuchthaus) als einzigen Überrest der ehemaligen Befestigungen, 3 Kirchen und eine Kapelle, ein schönes Rathaus (von 1546) mit dem großen Knutsaal, eine gelehrte, eine technische und eine Navigationsschule, einige Bankanstalten, einen erst seit 1775 durch Kunst geschaffenen Hafen von 6,5 m Tiefe, 2 Schiffswerften und 6 mechanische Werkstätten, 10 Bierbrauereien, 12 Zigarrenfabriken, 5 Dampfmühlen, 3 Sägewerke, eine Zuckerfabrik und eine Zuckerraffinerie. Ein Dock, wo größere Schiffe Schutz finden, liegt dicht beim Hafen, in dessen unmittelbarer Nähe die beiden Bahnhöfe liegen. 1886 liefen, die benachbarten Landungsplätze Lomma und Limhamn inbegriffen, 5575 Schiffe vom Ausland ein, und 4609 Schiffe gingen dahin ab. Die Einfuhr bestand vornehmlich in Roggen, Weizen, Steinkohlen, Heringen, Kaffee, Zucker, Wein, Tabak und Geweben, die Ausfuhr in Mehl, Hafer, Gerste, Butter, Kreide und Zündhölzern. Zum Hafen gehörten 88 Schiffe von 9651 Ton. Die Zahl der Einwohner beträgt (1886) 45,143. M. steht mit Kopenhagen, Amsterdam, Hull, London, Havre, Bordeaux, Hamburg, Lübeck, Stettin und Stralsund in regelmäßiger Dampferverbindung und ist Sitz eines deutschen Konsuls. - Die Stadt wird schon 1259 als Landungsstelle unter dem Namen Malmhauge, später als Malmoge oder Malmey (lat. Malmogia) erwähnt und hob sich bald durch Heringsfischerei und Handel. Am 23. April 1523 wurde hier ein Friede zwischen den Dänen und Hanseaten und ein Waffenstillstand der Dänen mit Gustav Wasa von Schweden geschlossen. Im 16. und 17. Jahrh. wurde M. bald von den Schweden, bald von den Dänen belagert und 26. Aug. 1848 daselbst ein Waffenstillstand zwischen Dänemark und Preußen auf sieben Monate geschlossen. Hier starb 18. Sept. 1872 König Karl XV.

Malmsey (engl., spr. mamsi), s. v. w. Malvasier (s. d.).

Malmström, 1) Bernhard Elis, schwed. Dichter und Litterarhistoriker, geb. 1816 in der Provinz Nerike, studierte bis 1842 auf der Universität zu Upsala und begann 1843 daselbst seine Lehrthätigkeit auf dem Gebiet der Ästhetik und Litteraturgeschichte, der er bis zu seinem Tod (21. Juni 1865) ununterbrochen oblag. Als Dichter gehörte M. keiner besondern Schule an, sondern war einer der wenigen schwedischen Poeten, welche, gestützt auf tiefe klassische Bildung, in voller moderner Originalität hervorgetreten sind. Er debütierte 1838 mit dem epischen Gedicht "Ariadne", erhielt 1840 für den Elegiencyklus "Angelica" den großen Preis der schwedischen Akademie und wurde zehn Jahre später selbst in den Schoß derselben aufgenommen. Von seinen poetischen Erzeugnissen sind noch seine Romanzen, ein dramatischer Entwurf über Kaiser Julian, die poetische Erzählung "Fiskarflickan från Tynnelsö" ("Das Fischermädchen von Tynnelsö") und vorzügliche lyrische Gedichte hervorzuheben. Litterarhistorisch hat sich M. durch seine trefflichen "Litteraturhistoriska studier" große Verdienste erworben, wogegen die nach seinem Tod veranstaltete Sammlung seiner Vorlesungen: "Grunddragen af svenska vitterhetens historia" ("Grundzüge der schwedischen Litteraturgeschichte") wegen ihrer Einseitigkeit im ganzen von geringeren