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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Manassas; Manasse; Manasse ben Israel; Manātus; Manavi; Mancándo; Mancha, La; Manche, La; Manchester

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Manassas - Manchester (Stoff).

Einw., die vornehmlich vom Handel leben. 1883 wurden Waren im Wert von 510,000 Milreis aus Europa eingeführt; die Ausfuhr besteht namentlich aus Waldprodukten (wilder Kakao, Balsam, Sassaparille etc.). M. ist Hauptstation der den Amazonenstrom und Rio Negro befahrenden Dampfschiffe.

Manassas, Dorf im nordamerikan. Staat Virginia, 40 km südwestlich von Washington, am Flüßchen Bull-Run, mit (1880) 361 Einw. Nach demselben werden auch die Schlachten von Bull-Run (s. d.) benannt.

Manasse, 1) erster Sohn des Patriarchen Joseph und der Priestertochter von Heliopolis, Osnath, in Ägypten geboren, älterer Bruder Ephraims, von Jakob an Sohnes Stelle angenommen, daher Ahnherr eines der zwölf Stämme, welcher stets neben Ephraim genannt wird und bereits unter Moses Wohnsitze im ostjordanischen Gebiet erhalten haben soll. Wahrscheinlich war dies nur ein Ersatz für den Mangel an Besitz im eigentlichen Palästina, wo der Stamm sein ganz im Norden gelegenes Gebiet nie bis zum Meer ausdehnen konnte.

2) König von Juda, Sohn und Nachfolger des Hiskias, bestieg den Thron 697 als zwölfjähriger Knabe, regierte bis 642 und stellte alle Arten von Götzendienst her; er huldigte nicht nur dem babylonischen Sternendienst, sondern errichtete auch auf Zion der Astarte und im Thal Hinnom dem Moloch Altäre. M. selbst opferte seinen Sohn dem Moloch. Die Propheten verfolgte er mit blutiger Grausamkeit. Der Sage nach ließ er auch den Jesaias töten. Doch hatte die blutige Verfolgung nur einen mächtigen Aufschwung der religiösen Begeisterung und eine Läuterung des Jehovahglaubens zur Folge. Nach außen sank die Macht des Reichs, die benachbarten Stämme machten sich unabhängig, und die Angabe 2. Chron. 33, 1-20, daß er von den Assyrern als Gefangener nach Babylon abgeführt worden sei, in der Gefangenschaft sein Herz zu Gott gewendet und nach seiner Rückkehr besser regiert habe, ist nicht unwahrscheinlich. In der letzten Zeit seiner Herrschaft sicherte M. das Reich durch Befestigungen und durch ein Bündnis mit Ägypten. Das Gebet Manasses, ein in manchen Handschriften der Septuaginta vorhandener Bußpsalm, ist unecht und gilt auch der katholischen Kirche nicht für kanonisch.

Manasse ben Israel, s. Menasse ben Israel.

Manātus, s. Lamantin.

Manavi (Manabi), Provinz des südamerikan. Staats Ecuador, liegt fast ganz im heißen Küstengebiet und hat eine 17,100 qkm (310,6 QM.) große Oberfläche mit (1878) 67,852 Einw., vielfach mit Negerblut gemischt. Außer Kautschuk, Kakao und Schweinefleisch exportiert die Provinz noch Strohhüte, Artikel aus Pita (Agavefasern) und Hängematten. Die Küste ist fischreich. Hauptstadt ist Puerto vieja, im Innern, Haupthafen Manta (s. d.).

Mancándo (ital.), musikalische Vortragsbezeichnung, s. v. w. abnehmend.

Mancha, La (spr. mántscha), Landschaft in Spanien, bildet gegenwärtig den Hauptbestandteil der Provinz Ciudad Real und erstreckt sich außerdem in die Provinzen Albacete, Toledo und Cuenca. Trotz der in der M. herrschenden Hitze und Trockenheit ist diese Landschaft die Kornkammer Spaniens.

Manche, La (spr. māngsch, "Ärmel"), die franz. Bezeichnung des den Atlantischen Ozean mit der Nordsee verbindenden Meeresarms (s. Kanal, S. 440), welcher Frankreich von England trennt. Nach ihm ist benannt das an demselben gelegene Departement M. an der Nordwestküste von Frankreich, das aus dem westlichen Teil der ehemaligen Niedernormandie gebildet ist und die beiden Landschaften Avranchin (im S.) und Cotentin (im NW.) umfaßt. Es hat 5928 qkm (107,7 QM.) Flächenraum und wird außer von dem oben genannten Kanal noch von den Departements Calvados und Orne im O., Mayenne und Ille-et-Vilaine im S. begrenzt. Die Bevölkerung belief sich 1886 auf 520,865 Seelen (87 pro QKilometer) und hat seit 1881 um 5512 Seelen abgenommen. Das Departement hat meist klippige, reich ausgebuchtete Küsten, namentlich an der Westseite der Halbinsel Cotentin, die noch aus älterm Gestein, wie die Bretagne, besteht; doch gewährt keine dieser Buchten (von Avranches, St.-Germain, Vauville, Carentan) einen sichern Hafen, deshalb wurde ein solcher in Cherbourg mit großen Kosten durch Kunst hergestellt. Dem entsprechend sind Ackerbau und Viehzucht, nicht Schiffahrt und Handel, die Hauptbeschäftigungen der Bewohner und dazu eignet sich das Land, das meist Ebene oder Hügelland ist und nur in einem Punkt 368 m erreicht, vortrefflich, da der meist granitische oder schieferige Boden in dem stets feuchten, nicht selten auch stürmischen, gleichmäßigen warmen Klima, wenn auch nicht besonders fruchtbar, so doch dem Graswuchs günstig ist. Auch an reichlicher Bewässerung durch Flüsse, ausnahmslos kleine Küstenflüsse, Vire, Taute mit Douve, Sienne, Sélune, fehlt es nicht. Dem Anbau förderlich ist die Zerteilung des Landes in kleine Grundstücke. Auf bebautes Land kommen 3890 qkm (dem Cerealienbau allein sind 42,7 Proz. der Gesamtfläche gewidmet), auf Wiesen 1204 qkm; das übrige nehmen Wald und Weide ein. 1884 wurden 3,95 Mill. hl Getreide geerntet, darunter 1,55 Mill. Weizen, 0,7 Mill. Gerste und 1 Mill. hl Buchweizen. Hervorragende Bodenprodukte sind außerdem: Lein, dann Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Rüben, Hanf und Raps. Sehr reich ist das Departement an Obst, besonders an Äpfeln (jährlich über 1 Mill. hl), die zur Ciderbereitung verwendet werden. Der Viehstand ist verhältnismäßig bedeutend, besonders an Pferden (1881: 95,000 Stück, nach Finistère die höchste Zahl), Rindvieh (341,730 Stück), Schafen (252,450 Stück) und Schweinen (114,850 Stück). Der Mineralreichtum ist bedeutungslos. Neben Landbau und Viehzucht, den hauptsächlichsten Erwerbsquellen der Bevölkerung, ist die Industrie von geringer Wichtigkeit. Sie erstreckt sich auf Eisenwerke, Papierfabriken, Baumwoll- und Schafwollspinnereien. Auch Spitzenklöppelei, Gerberei, Gewinnung von Seesalz und getrocknetem Seegras sowie Schiffbau verdienen Erwähnung. Der Handel, welcher zur See hauptsächlich mit England, dann mit den skandinavischen Staaten betrieben wird, hat zum Gegenstand in der Einfuhr: Kohle, Bauholz, Eisen, Hanf, Getreide; in der Ausfuhr: Granit, Getreide, Kartoffeln, Geflügel, Rindvieh, Hämmel, Pferde, Eier, Butter, Honig, Cider, gesalzenes Fleisch und Fische. Gute Straßen befördern den innern Verkehr; auch wird das Land von den Eisenbahnlinien Paris-Cherbourg (mit Abzweigung nach St.-Lô) und Paris-Granville durchzogen. Das Departement zerfällt in die sechs Arrondissements: Avranches, Cherbourg, Coutances, Mortain, St.-Lô und Valognes; Hauptstadt ist St.-Lô.

Manchester (spr. männtschestr), aus Baumwolle angefertigter samtartiger Stoff, welcher als Nachahmung des echten seidenen Samts auftritt, aber ohne Nadeln (s. Samt) gewebt wird. Der schwerste und feinste M. heißt Samtmanchester. Der Stoff hat seinen Namen von der Stadt M. erhalten, wo er