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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Manfred; Manfredonĭa; Mangal; Mangalia; Mangalur; Mangān

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Manfred - Mangan.

frühzeitig untergegangen, nur das Verzeichnis der Dynastien, ein Dritteil der Königsnamen und einige Fragmente sind übrig; auch diese Reste besitzen wir erst in Auszügen aus zweiter und dritter Hand, welche durch die christlichen Chronographen, namentlich durch Julius Africanus und Eusebios, für ihre Zwecke gemacht worden waren und aus deren ebenfalls verlornen Werken durch Syncellus (im 8. Jahrh.) erhalten worden sind. Die Fragmente sind herausgegeben von Fruin (Leiden 1847), Müller im 2. Bande der "Fragmenta historicorum graecorum" (Par. 1848) und Unger (Berl. 1867). Unter dem Namen des M. besitzen wir auch noch ein Gedicht in sechs Büchern ("Apotelesmata"), gleichfalls in griechischer Sprache, welches von dem Einfluß der Gestirne auf die Geschicke der Menschen handelt (hrsg. von Gronovius, Leiden 1698; verbesserter Abdruck von Axt und Rigler, Köln 1832, und von Köchly im "Corpus poetatarum epicorum graecorum", Bd. 7, Leipz. 1858; vgl. Rigler, De Manethone Astrologo commentatio, Köln 1828). Es stammt dieses Gedicht jedoch aus einer weit spätern Zeit, vielleicht aus dem 5. Jahrh. n. Chr., und ist aus verschiedenartigen Stücken zusammengesetzt. Vgl. Böckh, M. und die Hundssternperiode (Berl. 1845); Lauth, M. und der Turiner Königspapyrus (Münch. 1865); Peßl, Das chronologische System M.' (Leipz. 1878).

Manfred, König von Sizilien, geb. 1231, Sohn des Kaisers Friedrich II. von Bianka, der Tochter des Grafen Bonifacio Lancia, mit der sich der Kaiser noch auf seinem Sterbebett trauen ließ, um Manfreds Geburt für legitim zu erklären, erhielt von seinem Vater 1250 das Fürstentum Tarent und die Statthalterschaft in Italien während der Abwesenheit seines Halbbruders Konrad IV. Von männlicher Schönheit, ritterlicher Tapferkeit, fein gebildetem Geist und liebenswürdigem Charakter, wußte M. durch entschlossenes Auftreten und großmütiges Benehmen die Anhänglichkeit der Neapolitaner sich zu erwerben. Als Konrad IV. 1252 die Regierung des sizilischen Königreichs übernahm, stand er ihm mit uneigennütziger Treue zur Seite. Nach Konrads Tod (1254) wurde er von den Großen des Reichs zum Regenten erhoben und suchte sich anfangs mit dem Papst zu versöhnen, den er im Oktober selbst nach Neapel geleitete. Als derselbe aber das staufische Erbrecht anzuerkennen sich weigerte, flüchtete M. zu den Sarazenen nach Luceria und eroberte mit deren Hilfe ganz Neapel und Sizilien (1257). Auf dringenden Wunsch des Volkes ließ er sich 1258 von den Großen des Reichs zum König ausrufen und 11. Aug. in Palermo krönen. Mild und gerecht, herrschte er nun mehrere Jahre in Frieden; Wohlstand und Lebensfreude kehrten zurück, der Hof von Palermo entfaltete den frühern, durch Poesie und wissenschaftliches Leben gehobenen fürstlichen Glanz. Aber weil M. den Papst nicht als seinen Lehnsherrn anerkennen wollte, ward er 1259 wiederum mit dem Bann, sein Königreich mit dem Interdikt belegt. Von neuem brach der Kampf aus, in dem M. durch seinen Sieg bei Montaperto (4. Sept. 1260) über die Florentiner die Oberhand gewann und ganz Tuscien seiner Oberhoheit unterwarf. Jedoch Rom zu erobern gelang ihm nicht, und der unversöhnliche Papst rief fremde Hilfe herbei, indem er 1265 Karl von Anjou das Königreich beider Sizilien übertrug. Im Januar 1266 brach das französische Kreuzheer von Rom aus in Neapel ein, wo die Hetzereien der Pfaffen die Treue der Großen erschüttert hatten. Am 26. Febr. 1266 kam es zu der entscheidenden Schlacht bei Benevent, in welcher M., als er sah, daß die Deutschen geschlagen waren und die apulischen Ritter sich zur verräterischen Flucht wandten, den Tod suchte und fand. Da der Bann auf ihm ruhte, wurde sein mit Wunden bedeckter Leichnam nicht in geweihtem Boden, sondern im Felsenthal des Verde begraben. Manfreds Witwe, die griechische Fürstin Helena, welche er 1259 geheiratet, wurde auf der Flucht nach Epirus in Trani mit ihren Kindern ergriffen und starb fünf Jahre später, 29 Jahre alt, im Gefängnis. Ihre Tochter Beatrix wurde erst nach 22jähriger Haft 1288 gegen Karls Sohn Karl II. ausgeliefert, welcher in aragonische Gefangenschaft geraten war. Die drei Söhne Manfreds, Heinrich, Friedrich und Enzio, starben im Kerker. Auf die Vermählung der ältesten Tochter Manfreds, Konstanze, aus seiner ersten Ehe mit Beatrix von Savoyen, mit Peter III. von Aragonien (1262) gründeten sich die spätern Ansprüche Aragoniens auf Sizilien und Neapel. Vgl. Cesare, Storia di Manfredi (Neap. 1837, 2 Bde.); Schirrmacher, Geschichte der letzten Hohenstaufen (Götting. 1871). E. Raupach, O. Marbach, F. W. Rogge machten den König M. zum Helden eines Trauerspiels.

Manfredonĭa, Stadt in der ital. Provinz Foggia, am Fuß des Monte Gargano und am Golf von M. gelegen und durch eine Zweigbahn mit Foggia verbunden, hat Mauern und Türme, ein altes Kastell, eine 1848 restaurierte Kathedrale, einen Hafen, in welchem 1885: 662 Schiffe mit 46,840 Ton. einliefen, und (1881) 8324 Einw. M. ist Sitz eines Erzbischofs und wurde 1261 vom König Manfred 2 km nördlich von der ungesund gelegenen alten Hafenstadt Sipontum, von welcher noch die schöne Kirche Santa Maria Maggiore erhalten ist, gegründet.

Mangal (arab., "Kohlenbecken"), der Wärmeapparat in der Türkei und in Asien, besteht aus einem ca. 1 m hohen, geschmackvoll gearbeiteten Messinggestell, in dessen Mitte glühende Kohle gelegt wird.

Mangalia, kleine Stadt in der rumän. Dobrudscha, am Schwarzen Meer und an der bulgarischen Grenze, hat eine wenig geschützte Reede und 1000 meist griech. Einwohner. Zur Römerzeit lag hier Kallatis, eine Kolonie des kleinasiatischen Heraklea.

Mangalur, Hafenstadt im Distrikt Südkanara der britisch-ind. Präsidentschaft Madras, an der Mündung der Natrawati, die für kleine Fahrzeuge zugänglich ist, mit (1881) 32,099 Einw. Sehr bedeutende Ausfuhr von Kaffee aus Curg; jährliche Handelsbewegung 15½ Mill. Mk. Die Zahl der Christen ist hier bedeutender als in einer andern indischen Stadt. Die Katholiken haben 2 Erzbischöfe, mehrere Kirchen und ein Kloster; die Protestanten (Baseler Mission) haben hier ihren Hauptsitz und große Anstalten errichtet, in welchen ihre Anhänger Weberei, Ziegelbrennerei, Druckerei, Buchbinderei u. a. betreiben.

Mangān Mn, Metall, findet sich nicht gediegen, aber sehr verbreitet in Sauerstoffverbindungen (als Braunstein oder Pyrolusit MnO2^[MnO_{2}], Braunit Mn2O3^[Mn_{2}O_{3}], Hausmannit Mn3O4^[Mn_{3}O_{4}], mit Baryt und Kalk als Psilomelan [MnBa]O.MnO2^[[MnBa]O.MnO_{2}]), dann als Kohlensäuresalz (Manganspat MnCO3^[MnCO_{3}]), mehrfach als Silikat (Mangankiesel, Schwarzbraunsteinerz) und als mehr oder weniger untergeordneter Bestandteil andrer Silikate, auch mit Schwefel verbunden (Manganglanz MnS), sehr allgemein als Begleiter des Eisens, in geringer Menge in Ackererde, in Pflanzen und Tieren. Das aus einem Manganoxyd durch Schmelzen mit Kohle erhaltene M. ist grauweiß mit rötlichem Schimmer, sehr politurfähig, nicht hämmerbar, ritzt gehärteten Stahl, spez. Gew. 8,0, Atomgew. 54,8, oxydiert sich