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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mannheimer Gold; Manning

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Mannheimer Gold - Manning.

Doppelzentner) und Kolonialwaren; indessen sind nebenher auch die meisten andern Geschäftszweige hier in ziemlichem Umfang vertreten. Getreide wurde in den letzten Jahren im Mittel bis zu 3 Mill. Doppelzentner, Ruhrkohlen auf dem Rhein ungefähr 6 Mill. Doppelzentner eingeführt, während noch eine große Menge mittels Eisenbahn aus den Saarwerken bezogen wird. Der Umschlag in Hopfen betrug 1885 über 20,000, derjenige von Petroleum, wofür M. der Hauptstapelplatz Süddeutschlands ist, über 220,000 Doppelzentner. Für Einlagerung des letztern sind sehr ausgedehnte und zweckmäßig eingerichtete Magazine erbaut. Auch in Wein finden bedeutende Umsätze statt. Die vom Hafenkommissariat M. nach Gattung und Tragfähigkeit der Fahrzeuge für 1885 aufgestellte Übersicht weist 9884 hier angekommene Schiffe nach, darunter auf dem Rhein 745 Personendampfschiffe, 818 Schlepper, 382 Dampfgüterschiffe, 4135 Segelschiffe, auf dem Neckar 497 Dampfkettenschlepper und 3001 Segelschiffe, zusammen mit einer Ladung von 11¾ Mill. Doppelzentner. Der Gesamthafenverkehr (An- und Abfuhr) in M., einschließlich des Floßverkehrs, betrug 1885: 17,160,568 Doppelzentner gegen 6,711,953 im J. 1874. Nicht minder bedeutend ist der Güterverkehr (Empfang und Versand) auf der Eisenbahnstation, welcher 1885: 7,550,898 Doppelzentner betrug. Diese namhaften Güterumsätze werden ermöglicht namentlich durch den in den letzten 20 Jahren mit einem Kostenaufwand von über 24 Mill. Mk. erbauten neuen Hafen, den Zentralgüter-, Rangier- und Personenbahnhof, die zusammen einen Raum von 150 Hektar einnehmen. Der Hafen, welcher, 1875 eröffnet, bereits Mitte der 80er Jahre die Anlage eines neuen Hafenbassins nötig machte, hat eine Länge von 2100 m bei 190 m Breite, ist der größte Binnenhafen Deutschlands und spielt im Handel gleichsam die Rolle eines Seehafens im Binnenland. Ebenso groß und zweckmäßig ist der für den bedeutenden Holzhandel hochwichtige Floßhafen angelegt. Vgl. "Die Mannheimer Hafenanlage" (hrsg. von der Mannheimer Handelskammer, 1886). Bedeckte Lagerräume sind auf den Güterbahnhöfen über 2,2 Hektar vorhanden, und das Verladen aus Schiffen in dieselben oder in die Eisenbahnwaggons wird an einer 1250 m langen Kaimauer durch 13 Dampfkräne, Dampfschiebebühnen etc. leicht und schnell bewirkt. Der Verkehr in der Stadt und mit den Orten der Umgegend wird durch eine Pferdebahn und mehrere Straßendampfbahnen vermittelt. An Bildungsinstituten und andern ähnlichen Anstalten besitzt M. ein Gymnasium, ein Realgymnasium, eine Realschule, ein Fräuleininstitut, mehrere Privat-Knaben- und Mädchenschulen, eine öffentliche Bibliothek, ein großherzogliches Hof- und Nationaltheater (weiteres über dasselbe s. unten), ein Hofantiquarium, ein Naturalienkabinett, eine Gemäldegalerie, einen Kunstverein etc., ferner ein Waisenhaus, mehrere große Krankenhäuser, viele Armenstiftungen und Wohlthätigkeitsinstitute etc. Die städtischen Behörden setzen sich zusammen aus 21 Magistratsmitgliedern und 96 Stadtverordneten. Sonst ist M. Sitz eines großherzoglichen Landeskommissariats, eines Bezirksamtes, eines Landgerichts, eines Hauptzollamtes und eines erzbischöflichen Dekanats. In der nächsten Umgegend ist der Friedhof jenseit des Neckar bemerkenswert. Auf ihm schöne Denkmäler, die Gräber von v. Dalberg, v. Kotzebue, von K. L. Sand, der hier verstorbenen Krieger von 1870/71 mit einem herrlichen Standbild der Germania etc. - Zum Landgerichtsbezirk M. gehören die sechs Amtsgerichte zu Heidelberg, M., Schwetzingen, Sinsheim, Weinheim und Wiesloch.

Geschichte. M. erscheint zuerst 765 urkundlich als Villa und wuchs später zu einem Dorf an, das zur Burg Rheinhausen gehörte. 1606 legte der Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz den Grund zu den Festungswerken Mannheims (Friedrichsburg), und da gleichzeitig viele Auswanderer, besonders aus den Niederlanden, sich hier niederließen, gewann der Ort so rasch an Ausdehnung, daß er 1607 Stadtrechte erhielt. Am 8. Okt. 1622 nahmen die Kaiserlichen unter Tilly die Stadt mit Sturm und behielten sie, bis der Herzog Bernhard von Weimar sich 1631 der Stadt bemächtigte. 1635 ward sie wieder von den Kaiserlichen, 1644 von den Franzosen besetzt, fiel aber nach einem blutigen Kampf in die Hände der Bayern, die erst 1649 wieder abzogen. Kurfürst Karl Ludwig bestätigte 1652 der Stadt ihre alten Privilegien und fügte neue hinzu. 1688 von dem französischen General Mélac nach 17 tägiger Belagerung genommen, wurde sie nebst elf andern Städten der Unterpfalz 5. März 1689 niedergebrannt. Beim Wiederaufbau (1699) ließ sie Kurfürst Johann Wilhelm befestigen. Kurfürst Karl Philipp verlegte 1721 seine Residenz von Heidelberg nach M. Die Glanzperiode kam aber für M. erst unter dem Kurfürsten Karl Theodor; namentlich blühte damals unter dem trefflichen Intendanten v. Dalberg (s. d. 5) das Theater, welches Iffland, Beil, Beck u. a. zum ersten Deutschlands erhoben. Die Blüte der Stadt begann aber nur zu bald wieder zu welken, als der Kurfürst 1777 Bayern erbte und seine Residenz nach München verlegte, wohin er auch die meisten Kunstschätze mitnahm. Im Revolutionskrieg bemächtigten sich die Franzosen im Dezember 1794 der Rheinschanze, und 20. Sept. 1795 mußte sich ihnen die Stadt ergeben. Indessen erschienen schon 18. Okt. die Kaiserlichen vor M., dessen französische Besatzung nach einem heftigen Bombardement 23. Nov. kapitulierte. Infolge der durch den Lüneviller Frieden veranlaßten Entschädigungsverträge kam M. durch den Reichsdeputationshauptschluß 1803 an Baden. Am 23. März 1819 wurde hier Kotzebue von Sand ermordet. Während der badischen Revolution (1849) war M. längere Zeit in den Händen der Volkstruppen. Infolgedessen ward M. von den Preußen beschossen, bis 22. Juni durch eine in der Stadt eingetretene Konterrevolution die Übergabe Mannheims an die Preußen erfolgte. Vgl. Fecht, Mannheim (Mannh. 1864); Feder, Geschichte der Stadt M. (das. 1875-77, 2 Bde.); Baumann, Die Belagerung Mannheims durch die Österreicher 1795 (das. 1885); Pichler, Chronik des Hof- und Nationaltheaters in M. (das. 1879).

Mannheimer Gold, Legierung aus 7 Kupfer, 3 Messing, 1,5 Zinn oder aus 70 Kupfer, 30 Messing, 0,6 Zinn.

Manning (spr. männ-), Henry Edward, Kardinal und Erzbischof von Westminster, geb. 15. Juli 1808 zu Totteridge in Hertfordshire als Sohn eines protestantischen Kaufmanns, wurde 1830 Geistlicher in der Hochkirche, schloß sich seit 1840 als Archidiakonus von Chichester der puseyitischen Bewegung an und trat 1850 zur römischen Kirche über. Seinem ausgesprochenen hierarchischen Talent eröffnete sich jetzt eine glänzende Laufbahn: er wurde Doktor der Theologie, apostolischer Protonotar, päpstlicher Hausprälat, nach dem Tode des Kardinals Wiseman 1865 katholischer Erzbischof von Westminster und Primas von England, dann 1875 Kardinal, nachdem er sich auf dem vatikanischen Konzil als unbedingter An-^[folgende Seite]