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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Marotte - Marquis.

veraltete Sprache der mittelalterlichen Volksdichter anwandte, bildet als "Style marotique" ein besonderes Genre und fand in den leichtern Dichtungsgattungen vielfache Nachahmung. Die besten Ausgaben seiner Werke sind die von Auguis (Par. 1823, 5 Bde.), von Lacroix (das. 1842, 3 Bde.), besonders die von Perrin de Lyon (1869) und von Guiffrey (1876 ff.). "Œuvres choisies de M." erschienen Paris 1801 und 1826. - Auch Marots Sohn Michel M., welcher 1534 Page der Königin Margarete ward, machte sich als Dichter bekannt. Vgl. Vitet, Clément M. (Par. 1868); Collétet (gest. 1659), Notices biographiques sur les trois M. (hrsg. von Guiffrey, das. 1871); Douen, Clément M. et le psautier Huguenot (das. 1879, 2 Bde.).

Marotte (franz.), eigentlich Narrenkappe; dann s. v. w. Schrulle, Lieblingsthorheit.

Marozia (Mariuccia), wie ihre Mutter Theodora eine der berüchtigtsten Frauen der mittlern Geschichte Italiens. Sie war dreimal vermählt, zuerst mit dem Markgrafen Alberich, dann seit 922 mit ihrem Stiefsohn Guido und zuletzt 932 mit König Hugo von Italien. Als Geliebte des Papstes Sergius III. und Mutter und Großmutter von drei Päpsten, Johann XI., Johann XII. und Leo VII., beherrschte sie von der Engelsburg aus lange Zeit willkürlich den Kirchenstaat und selbst ganz Italien. Den Papst Johann X., dem ihre Mutter zum päpstlichen Stuhl verholfen hatte, ließ sie 928 erdrosseln. Ihr Sohn erster Ehe, Alberich, erregte nach ihrer Vermählung mit Hugo von Italien einen Aufstand gegen sie und ließ die Mutter 932 ins Gefängnis werfen, wo sie starb.

Marpessa, nach griech. Mythe Tochter des Flußgottes Euenos, Gattin des Idas (s. d.).

Marpingen, kath. Pfarrdorf im preuß. Regierungsbezirk Trier, Kreis St. Wendel, 9 km westsüdwestlich von St. Wendel, mit (1885) 1723 Einw., war 1876 Schauplatz argen Unfugs infolge der lügenhaften Erzählung einiger Kinder von Erscheinungen der Jungfrau Maria, die angeblich bis 1877 dauerten. Obgleich die Regierung sofort einschritt, ward M. das Ziel vieler Wallfahrten, zumal die ultramontane Presse eifrig für M. eintrat. Die Gerichtsverhandlung in Trier 1879 bewies klar die stattgefundenen Betrügereien.

Marpurg, Friedrich Wilhelm, Musiktheoretiker, geb. 1. Okt. 1718 zu Seehausen in der Altmark, lebte eine Zeitlang in Paris, von 1749 an aber in Berlin, wo er mit Unterbrechung eines mehrjährigen Aufenthalts in Hamburg bis zu seinem Tod 22. Mai 1795, von 1763 an als Lotteriedirektor mit dem Titel Kriegsrat, wirksam war. Seine Hauptthätigkeit liegt auf den Gebieten der Kompositionslehre und der Geschichte sowie der Ästhetik der Musik, die er durch die folgenden noch bis zur Gegenwart wertvoll gebliebenen Arbeiten wesentlich bereichert hat: "Abhandlung von der Fuge" (Berl. 1753-56, 2 Bde.; neue Ausg. von Dehn, Leipz. 1858), sein Hauptwerk; "Einleitung in die Geschichte der Musik" (das. 1754); "Historisch-kritische Beiträge zur Aufnahme der Musik" (das. 1754-60, 5 Bde.); "Anleitung zum Klavierspiel" (das. 1755); "Anleitung zur Singkomposition" (das. 1758); "Kritische Einleitung in die Geschichte und Lehrsätze der alten und neuen Musik" (das. 1759); "Anfangsgründe der theoretischen Musik" (das. 1760); "Kritische Briefe über die Tonkunst" (das. 1760 u. 1763, 2 Bde.); "Handbuch beim Generalbaß und der Komposition" (das. 1757-58, 3 Bde.; Anhang 1760), eine vollständige Harmonielehre, welcher das Rameausche System zu Grunde liegt; "Versuch über die musikalische Temperatur" (Bresl. 1776).

Marquard, s. Häher.

Marquardsen, Heinrich, Rechtsgelehrter, geb. 25. Okt. 1826 zu Schleswig, studierte in Kiel und Heidelberg die Rechte, habilitierte sich an letzterer Universität als Privatdozent, ward 1857 ordentlicher Professor und folgte 1861 einem Ruf als ordentlicher Professor des deutschen Staatsrechts nach Erlangen, wo er zum Mitglied des bayrischen Abgeordnetenhauses gewählt wurde, dem er noch jetzt angehört. Auch ward er 1868 in Erlangen zum Mitglied des Zollparlaments und seit 1871 bei allen Neuwahlen zum Mitglied des deutschen Reichstags gewählt. In beiden Versammlungen gehörte er zur nationalliberalen Partei. Er schrieb: "Über Haft und Bürgschaft bei den Angelsachsen" (Erlang. 1852); "Der Trentfall" (das. 1862); "Das Reichspreßgesetz vom 7. Mai 1874 mit Einleitung und Kommentar" (Berl. 1875) sowie zahlreiche Abhandlungen in der von ihm mit begründeten "Kritischen Zeitschrift für die gesamte Rechtswissenschaft". Bests "Grundzüge des englischen Beweisrechts" gab er in deutscher Bearbeitung heraus (Heidelb. 1851). 1883 begann er mit andern das umfangreiche "Handbuch des öffentlichen Rechts der Gegenwart", worin er die Monographie über "Politik" (Freib. i. Br. 1884) lieferte.

Marquardt, Joachim, namhafter Altertumsforscher, geb. 19. April 1812 zu Danzig, gebildet daselbst, studierte seit 1830 in Berlin und Leipzig, wurde 1834 Lehrer am Friedrich Wilhelms-Gymnasium in Berlin, 1836 am Gymnasium in Danzig, 1850 Direktor des Friedrich Wilhelms-Gymnasiums in Posen, 1859 Direktor des Gymnasiums in Gotha und daneben 1862 Direktor der Sammlungen im Schloß Friedenstein. 1864 erhielt er die Ernennung zum Schulrat, 1880 zum Geheimen Oberschulrat. Er starb 30. Nov. 1882. M. hat sich besonders um die römischen Altertümer hochverdient gemacht. Sein Hauptwerk ist die Fortsetzung von W. A. Beckers "Handbuch der römischen Altertümer" (Bd. 3-5, Leipz. 1849-68), dessen 2. Auflage er mit Th. Mommsen durch ein fast völlig neues Werk ersetzte, zu dem er Bd. 4-6: "Römische Staatsverwaltung" (das. 1873-78; Bd. 4, 2. Aufl. 1881; die 2. Aufl. von Bd. 5 u. 6 wurde von andern besorgt), und Bd. 7: "Das Privatleben der Römer" (das. 1879-1882; 2. Aufl. von Mau, 1886), geliefert hat.

Marquenterre (spr. markangtähr), Landstrich im franz. Departement Somme, an der Meeresküste zwischen den Mündungen der Somme und der Authie, 200 qkm groß, ein durch Anschwemmungen und Eindeichungen ausgefüllter ehemaliger Strandsee mit fruchtbarem Boden, wird von der Eisenbahn Paris-Boulogne durchschnitten und hat Rue (s. d.) zum Hauptort.

Marques, Marqueß, s. Marquis.

Marquette (spr. -kétt), Stadt im nordamerikan. Staat Michigan, am Südufer des Obern Sees, 1849 angelegt, mit (1880) 4690 Einw., hat eine Taubstummenschule, Hochöfen und verschifft die in der Gegend gewonnenen Eisenerze.

Marquetterie (franz.), s. Marketerie.

Marqueur (franz.), s. Markeur.

Marquis (franz., spr. -kih, v. mittellat. marchensis oder Marchio, "Markgraf"), in Frankreich ein hoher Adelstitel, welchen der König verlieh oder bestätigte, wenn jemand Besitzer einer zum Marquisat erhobenen Herrschaft war. Die weibliche Form ist Marquise. Der M. steht zwischen Comte (Graf) und Duc (Herzog), wie in Spanien der Marques und in Italien der Marchese. In England führt ihn außer dem eigentlichen M. oder Marqueß, welcher