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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Marquise; Marr; Marrah; Marrānen; Marrast; Marron; Marrons; Marrubĭum; Marrucīner; Marryat; Mars

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Marquise - Mars (Gott).

nach dem Herzog und vor dem Grafen rangiert, der älteste Sohn eines Herzogs.

Marquise (franz., spr. markihs'), die Gemahlin eines Marquis (s. d.); s. auch Markise.

Marquise (spr. markihs'), Stadt im franz. Departement Pas de Calais, Arrondissement Boulogne, an der Slack und der Nordbahn (Paris-Calais), mit großen Marmorbrüchen, Kalkbrennerei, bedeutenden Eisenwerken und (1881) 3902 Einw.

Marr, Heinrich, Schauspieler, geb. 30. Aug. 1797 zu Hamburg, kämpfte in den Befreiungskriegen mit gegen Frankreich, widmete sich, zurückgekehrt, der Bühne und debütierte 1815 am Hamburger Stadttheater. Nach verschiedenen Engagements in Lübeck, Kassel, seit 1820 in Hannover, seit 1827 in Braunschweig, ging er 1837 an das Wiener Burgtheater über, zu dessen Zierden er bis 1847 gehörte, fungierte dann kurze Zeit als Oberregisseur am Leipziger Stadttheater, wirkte von 1848 an am Thaliatheater in Hamburg und folgte 1852 einem Ruf als artistischer Direktor des Hoftheaters nach Weimar. Infolge eines Zerwürfnisses mit dem Hof kehrte er 1857 an das Thaliatheater in Hamburg zurück und starb daselbst 16. Sept. 1871. In seiner Doppelstellung als Schauspieler und Regisseur gleich bedeutend, gehörte M. der alten Schule in der Schauspielkunst an und strebte in seiner Darstellung nach der von der Kunst verklärten Natur. Im bürgerlichen Drama hat er seine größten Triumphe gefeiert. Als Schriftsteller bethätigte er sich durch Essays und Bearbeitungen von Dramen (z. B. "Bajazzo und seine Familie").

Marrah (Dschebel M.), Gebirgsmassiv in Dar Fur (s. d.), von welchem die Gewässer der Landschaft nach allen Richtungen abfließen. Seine größte Höhe erreicht das Gebirge mit 1830 m; es enthält zahlreiche ehemals als Gefängnisse benutzte Höhlen und Lager von Antimon, die früher bearbeitet wurden.

Marrānen, s. Marannen.

Marrast (spr. marást), Armand, franz. Journalist, geb. 5. Juni 1801 zu St.-Gaudens (Obergaronne), ward sehr früh Lehrer der Beredsamkeit am Collège zu Orthez und ging 1827 nach Paris, wo er als Journalist auftrat. An der Julirevolution 1830 nahm er thätigen Anteil und wurde sodann Oberredakteur der "Tribune", des leidenschaftlichsten Organs der republikanischen Partei. In den Aprilprozeß von 1834 verwickelt, floh er 1835 aus dem Gefängnis nach London, wo er mit Dupont die unvollendet gebliebenen "Fastes de la révolution française" (1835) herausgab. Infolge der Amnestie von 1838 nach Frankreich zurückgekehrt, übernahm er die oberste Leitung des "National" und ward im Februar 1848 Mitglied der provisorischen Regierung und im März Maire von Paris. In der Konstituierenden Versammlung, für die er von vier Departements gewählt worden war, führte er vom Juli 1848 bis Mai 1849 das Präsidium und hatte den größten Anteil an dem Zustandekommen der neuen republikanischen Verfassung. Darauf trat er ins Privatleben zurück und starb 10. März 1852 in Paris.

Marron, s. v. w. Anilinbraun, s. Anilin, S. 591.

Marrons (spr. -róng), s. v. w. Maronneger.

Marrubĭum Tourn. (Andorn), Gattung aus der Familie der Labiaten, ausdauernde, oft filzig oder wollig behaarte Kräuter mit runzeligen, gekerbten oder eingeschnittenen Blättern und meist dicht- und vielblütigen Scheinquirlen in Laubblattachseln. 30 Arten in Europa, Nordafrika, besonders im gemäßigten Asien. M. vulgare L. (Mariennessel, Berghopfen, weißer Dorant, Helfkraut), in Europa und Mittelasien, eingewandert in Amerika, hat 50 cm hohe, weißfilzige Stengel, rundlich-eiförmige, ungleich gekerbte, filzig behaarte Blätter und kleine, weiße Blüten. Das Kraut schmeckt stark bitter und etwas scharf aromatisch; es enthält wenig ätherisches Öl, kristallisierbares, bitteres Marrubiin und Gerbsäure. Man benutzte Andorn, Prasion der Griechen, früher als Heilmittel, während er jetzt obsolet ist.

Marrucīner (lat. Marrucini), kleines tapferes Volk des sabellischen Stammes in Samnium, am rechten Ufer des Flusses Aternus (jetzt Pescara). Die Hauptstadt war Teate (jetzt Chieti). Sie wurden in den mit 343 v. Chr. beginnenden Samniterkriegen unterworfen, nahmen aber an dem Bundesgenossenkrieg (91-89) teil, in welch letzterm sie 89 von Sulpicius geschlagen wurden, und erhielten infolge desselben das römische Bürgerrecht.

Marryat (spr. märrĭätt), Frederick, engl. Romanschriftsteller, geb. 10. Juli 1792 zu London, trat 1806 in den Seedienst, focht mit Auszeichnung unter Lord Cochrane, diente darauf in dem amerikanischen Krieg (1812-14), wurde 1815 Kommandeur von St. Helena, ging 1823 als Befehlshaber der Korvette Larne nach Ostindien, erhielt das Kommando über die gegen die Birmanen verwandte Flottille und erwarb sich in der Expedition gegen Rangun die Ernennung zum Flottenkapitän und Ritter des Bathordens (1825). Er lebte fortan meist in England schriftstellerisch beschäftigt und starb 2. Aug. 1848 zu Langham in der Grafschaft Norfolk. Seine zahlreichen Seeromane, die sämtlich ins Deutsche übersetzt worden sind, zeichnen sich durch treue Auffassung des Lebens und leichte, gewandte Darstellung aus; das humoristische Element in denselben erinnert vielfach an Smollet. Er verfaßte außerdem für die Handelsmarine einen "Code of signals" (Lond. 1840) und veröffentlichte eine Beschreibung seiner Reise durch Amerika: "Diary in America" (1839, 3 Bde.). - Seine Tochter Florence, verehelichte Roßchurch, geb. 9. Juli 1837 zu Brighton, hat sich ebenfalls als Novellistin einen Namen gemacht. Sie debütierte mit "Love's conflict" (1865, 3 Bde.) und ließ seitdem in rascher Folge bis in die neueste Zeit eine große Reihe andrer Romane erscheinen. Seit 1872 ist sie an der Redaktion der "London Society" beteiligt. Auch veröffentlichte sie eine Biographie ihres Vaters: "Life and letters of Captain M." (1872, 2 Bde.).

Mars (auch Mamers, Mavors), neben Jupiter der Hauptgott der alten Italer, dessen Dienst namentlich bei den Latinern und Römern uralt war. Doch ist seine ursprüngliche Naturbedeutung nicht sicher. Die einen (Preller) fassen ihn als Gott des "männlichen Naturtriebes", die andern (Roscher) als Gott der Sonne auf. Er war ein Sohn der Juno, die ihn infolge der Berührung einer wunderbaren Frühlingsblume gebar, und galt den Römern als Vater des Romulus und Remus (durch Rea Silvia) für den Ahnherrn des ganzen Volkes. Ihm war der erste Monat des alten römischen Jahrs (der Frühlingsmonat März) geweiht. In dem uralten Liede der Arvalbrüder bei dem Maifest der Dea Dia wurde M. um Hilfe und Schutz angerufen; ebenso betete man zu ihm früher bei der Flurweihe (Ambarvalien), Familie, Feld und Viehstand zu segnen und vor Krankheit, Unwetter und anderm Schaden zu bewahren, und bei dem Fest am 15. Okt. (s. unten) opferte man ihm ein Pferd zum guten Gedeihen der Aussaat. Durch einseitige Auffassung seines Wesens ward er dann allmählich zum Kriegsgott schlechthin und in der spätern Zeit vollständig mit dem griechischen Ares (s. d.) identi-^[folgende Seite]