Schnellsuche:

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Martīna Franca; Martinach; Martineau; Martinestie; Martinez Campos; Martinez de la Rosa

298

Martinach - Martinez de la Rosa.

fürsten durch den Papst u. a. Von Wert ist Martins Werk nur durch die zahlreichen Fortsetzungen, welche an verschiedenen Orten ihm beigefügt wurden. Herausgegeben ist es von Weiland in Pertz' "Monumenta Germaniae historica, Script.", Bd. 22.

Martinach, Ort, s. Martigny.

Martīna Franca, Stadt in der ital. Provinz Lecce, Kreis Taranto, mit schönen Kirchen und Palästen (darunter der Palast der Familie Caracciolo) und (1881) 14,454 Einw.

Martineau (spr. -noh), Miß Harriet, engl. Schriftstellerin, geb. 12. Juni 1802 zu Norwich in Norfolkshire, widmete sich, nachdem sie früh das Gehör unheilbar verloren, eifrigen Studien und trat sodann als Schriftstellerin auf; 1836 bereiste sie Nordamerika, später den Orient. Sie starb auf ihrem Landsitz bei Ambleside in Westmoreland 27. Juni 1876. Außer Erzählungen, Beschreibungen ihrer Reisen, Schriften belehrenden Inhalts über das Schul- und Armenwesen und Kinderschriften veröffentlichte sie als ihre Hauptwerke: "Illustrations of political economy" (Lond. 1832-34, 9 Bde.; neue Ausg. 1859), worin sie sich hauptsächlich gegen die sozialen Lehren ihres Landsmannes Malthus wendet und ihre Ideen in wirkungsvollen Erzählungen veranschaulicht; "Eastern life past and present" (1846, neue Ausg. 1875), ein Ergebnis ihrer orientalischen Reise; die treffliche "History of England during the thirty years' peace" (1851, 2 Bde.; deutsch, Berl. 1853-54, 4 Bde.); "Household education" (1849, neue Ausg. 1864); "England and her soldiers" (1859); "Health, husbandry and handicraft" (1861); "Biographical sketches" (1869, 4. Aufl. 1876). Mit Atkinson veröffentlichte sie die materialistischen "Letters on the laws of man's nature and development" (1851) und "Letters from Ireland" (1853). Auch ist ihre Übersetzung von Comtes "Philosophie positive" (1853) zu erwähnen. Ihre Autobiographie erschien 1876 in 3 Bänden. Vgl. Mrs. Miller, Harriet M. (Lond. 1884). - Ihr Bruder James M., geb. 21. April 1805 zu London, unitarischer Geistlicher, seit 1868 Professor am Manchester New College in London, ist ein gediegener theologischer Schriftsteller.

Martinestie (Martineschti), Dorf im rumän. Kreis Rimnicu-Sârat, am Rimnik, berühmt durch den Sieg der Russen unter Suworow und der Österreicher unter dem Prinzen von Koburg über die Türken 22. Sept. 1789.

Martinez Campos, Arsenio, span. General, geb. 1834, wurde auf der Generalstabsschule in Madrid ausgebildet, die er als Leutnant verließ, nahm im Generalstab O'Donnells 1859 am Kriege gegen Marokko teil und wurde in demselben zum Bataillonskommandeur befördert. 1864 ward er mit dem Rang eines Obersten zur Armee nach Cuba gesandt, wo er bis 1870 blieb. Nach Spanien zurückgekehrt, kämpfte er an der Spitze einer Brigade gegen die Karlisten im Norden, wurde nach der Abdankung des Königs Amadeus 1873 wegen seiner feindseligen Haltung gegen die Republik abgesetzt und verhaftet, aber 1874 wieder befreit und an die Spitze einer Division gestellt, mit der er Bilbao entsetzen half und als der erste am 1. Mai in die befreite Stadt einzog. Er befehligte hierauf in den Kämpfen von Estella (Ende Juni 1874) das dritte Korps gegen die Karlisten. Durch seine Tapferkeit und seine Erfolge erwarb er sich bei der Armee eine so große Popularität, daß er Ende 1874 in Sagunt den Prinzen Alfons von Bourbon zum König ausrufen konnte. Alfons XII. ernannte ihn zum Generalkapitän von Katalonien und zum Oberbefehlshaber der Nordarmee; durch den Sieg von Peña de Plata (im März 1876) über Don Karlos machte er dem Karlistenaufstand ein Ende und wurde zum Generalkapitän der Armee befördert. 1877 übernahm M. den Oberbefehl in Cuba, um den Aufstand daselbst zu unterdrücken. Er erreichte aber die Herstellung der Ruhe daselbst im Convenio von Camaguey nur durch bedeutende Zugeständnisse an die Insurgenten in Bezug auf politische und finanzielle Reformen in Cuba. Da der Ministerpräsident Canovas de Castillo die letztern besonders mißbilligte, so trat M. im März 1879 an die Spitze des spanischen Ministeriums, um die Genehmigung seiner cubanischen Politik seitens der Cortes zu erreichen. Da dieselbe verweigert wurde, legte M. das Präsidium des Kabinetts nieder, verband sich hierauf mit den Konstitutionellen, der sogen. dynastischen Opposition unter Sagasta, stürzte seinen Gegner Canovas 1881 und übernahm dann in dem neuen Ministerium das Portefeuille des Kriegs, das er bis 1883 behielt. 1887 wurde er zum Generalkapitän von Madrid ernannt.

Martinez de la Rosa, Don Francisco, span. Staatsmann und Dichter, geb. 10. März 1789 zu Granada, ward 1808 Professor der Philosophie und Litteratur an der Universität daselbst. Während der Erhebung gegen die Franzosen benutzten ihn die Cortes zu einigen diplomatischen Missionen, unter andern nach London, wo M. ein Jahr blieb und sich mit dem Konstitutionalismus vertraut machte. Von dort aus feierte er den heldenmütigen Widerstand der Stadt Saragossa durch das epische Gedicht "Zaragoza". 1813 trat er als Deputierter für Granada in die Cortes ein und wurde zum Präsidenten der Versammlung gewählt. Als eifriger Verteidiger der Konstitution wurde er nach der Rückkehr Ferdinands VII. ins Gefängnis gesetzt und nach zweijähriger Haft nach den Presidios von Gomera auf der afrikanischen Küste deportiert. Hier schrieb er sein Trauerspiel "Morayma". Riegos Aufstand führte ihn 1820 nach Madrid zurück, wo er wiederum zum Präsidenten der Cortes ernannt wurde. Seine gemäßigte Haltung war die Ursache, daß ihm der König im Februar 1822 den Vorsitz in einem neuen Ministerium übertrug; doch gelang es M. nicht, die absolutistische und liberale Partei zu versöhnen, und bei einem Volksaufstand entging er nur mit Not dem Tod. Er legte daher sein Portefeuille nieder, ging bei der französischen Invasion 1823 nach Italien und lebte dann in Paris und London mit litterarischen Arbeiten beschäftigt. 1833 nach Spanien zurückgekehrt und Anfang 1834 mit dem Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten und dem Vorsitz im Kabinett betraut, erließ er 10. April 1834 das Estatuto real, welches die Verfassung von 1812 von ihren radikalen Bestandteilen reinigte, konnte aber den Karlistenkrieg nicht beendigen, erlangte auch von Frankreich die erbetene Intervention nicht und legte daher im Juni 1835 sein Ministerium nieder. Er war nun eins der hervorragendsten Mitglieder der Moderados in der Kammer, zog sich aber nach dem vollständigen Sieg der Anhänger der Verfassung von 1812 nach Paris zurück, wo er später den Gesandtschaftsposten bekleidete, den er dann mit dem in Rom vertauschte. Nach Spanien zurückgekehrt, ward er 1843 Mitglied des Kabinetts Narvaez, trat aber mit diesem im Februar 1846 zurück und ging 1847 abermals als spanischer Gesandter nach Paris. 1851 zurückgerufen, nahm er seinen Sitz in den Cortes wieder ein. Fortan blieb er der Führer der gemäßig-^[folgende Seite]