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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Maschinen

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Maschinen (Systematik, Geschichtliches).

einem noch zur Wahl stehenden Zweck verwendet werden soll) und zwar: 1) M. zur Aufnahme von Muskelkräften: Hebel, Kurbel, Haspel, Wellräder, Göpel, Lauf- und Tritträder, Tretscheiben, Tretbühnen; 2) M. zur Aufnahme von Elementarkräften: Wasserräder, Turbinen, Wassersäulenmaschinen, Windräder, Dampfmaschinen, Heißluft-, Gaskraft-, Petroleumkraftmaschinen, Federmotoren, elektromagnetische Kraftmaschinen. - B. M. zum Messen, Zählen und Regulieren (hier wird der Ort eines der Maschine angehörenden Teils derart geändert, daß entweder aus der Größe dieser Bewegung auf die Länge verflossener Zeit, die Menge ausgeflossener Flüssigkeit, die Intensität einer Kraft etc. geschlossen werden kann, oder daß durch diese Bewegung die Bewegung einer andern Maschine beschleunigt oder verzögert wird): Uhren, Umlauf-, Hub- und Schrittzähler, Rechenmaschinen, Registriermaschinen, Zeug-, Wasser- und Windmeßmaschinen, Planimeter, Meßräder, Manometer und Barometer, Dynamometer und Indikatoren, Geschwindigkeitsmesser, Wagen, Bremsen, Pendel, Zentrifugalpendel, Windfänge, Schwungräder. - C. Transmissionsmaschinen (zum Übertragen mechanischer Arbeit von einer Maschine auf eine andre): Wellenleitungen, pneumatische und hydraulische Transmissionen, Zahnräder-, Reibungsräder- u. Riemenrädergetriebe, Schnur- u. Seiltriebe, Sperr- und Hemmwerke. - D. Bewegungs- oder Transportmaschinen und zwar: 1) für feste Körper: Hebel, Keile, schiefe Ebenen, Hebeladen, Haspel, Flaschenzüge, Kräne, Winden, Aufzüge, Fahrkünste, vertikale und horizontale Seilförderungen, Seilbahnen, Baggermaschinen und Exkavatoren, Rammmaschinen, Düngerstreumaschinen, Reihensaat- und Steckmaschinen, Wagen, Lokomotiven, Straßenlokomotiven, Dampfwagen, Dampfschiffe, lenkbare Luftballons und Flugmaschinen; 2) für flüssige Körper: Kolben- und Zentrifugalpumpen, Pulsometer, Strahlpumpen, Ejektoren und Injektoren, hydraulische Widder, Wasserschrauben, Schnecken, Wurfräder, Pumpräder, Kastenräder, Eimerwerke, Tympanons etc.; 3) für luftförmige Körper: Luftpumpen, Kompressionspumpen, Kompressoren, Gebläse, Ventilatoren und Exhaustoren.

II. Formändernde M. (Fabrikationsmaschinen). A. M. zur Veränderung der Anordnung der Teile eines Körpers: Hammer- u. Walzwerke, Schmiedepressen, Nagel- und Nietpreßmaschinen, Blechbiegemaschinen, Molettierstühle, Kettenglieder- und Knopfmaschinen, M. zum Verfertigen und Setzen der Krempelzähne, Walk-, Wickel-, Spul-, Bürst-, Kratz-, Setz-, Klischier-, Rühr- und Ziegelmaschinen, Pflüge, Kultivatoren etc. - B. M., durch welche Körper eine Trennung ihrer Teile erfahren: Drehbänke, Hobel-, Fräs-, Feil-, Nutstoß-, Bohr-, Schraubenschneidemaschinen, Muttermaschinen, Scheren, Loch-, Durchschnitt-, Riffel-, Schleif-, Arrondier-, Gravier-, Reliefkopier-, Guillochiermaschinen, M. zum Kopieren runder Körperformen, Mahl- und Zerkleinerungsmaschinen, Säge-, Farbholzraspel-, Korkschneide-, Torfstech-, Spaltmaschinen, Lumpenschneider, Holländer, Stampfwerke, Kammschneide-, Rübenschneide-, Rübenreibe-, Häckselschneidemaschinen etc. - C. M., welche zur Trennung ungleichartiger Körper voneinander dienen: Siebe, Korn- und Samenreinigungsmaschinen, Beutel- und Sichtmaschinen, Grießputzmaschinen, Dreschmaschinen, Reisschälmaschinen, Wein-, Öl-, Zucker-, Torfpressen, Setzmaschinen, Rund- und Stoßherde, Hechel-, Wasch-, Filtriermaschinen, Zentrifugen, Buttermaschinen etc. - D. M., welche getrennte Körper verbinden: Spinn-, Web-, Bobbinet-, Wirk-, Strick-, Näh-, Stick-, Flecht-, Zwirn-, Seil-, Papier-, Schlicht-, Druck-, Paginier-, Blattbinde-, Stecknadel-, Knopf-, Niet-, Flaschenstöpsel-, Knetmaschinen etc.

[Geschichtliches.] Wann und wo die erste Maschine erfunden und verwendet wurde, wird sich nie ermitteln lassen, da die ältesten historisch bekannten Völker schon M., wenn auch von sehr primitiver Natur, gebrauchten. Nach Reuleaux ist es wahrscheinlich, daß das Bedürfnis des Feueranmachens die erste Maschine, den sogen. Feuerquirl, hervorrief. Es ist das ein runder Holzstab, der in senkrechter Stellung mit seinem untern spitzen Ende in eine Vertiefung eines auf dem Erdboden liegenden Holzstücks gesetzt und unter gleichzeitig nach unten gerichtetem Druck mit den Händen quirlartig so lange hin- und hergedreht wird, bis das Holz Feuer fängt. Durch Zuführung von Schleifmaterial (Sand) und Wasser zu der gedrehten Spitze war eine einfache Bohrmaschine erfunden. Weiter entwickelten sich aus dem Feuerquirl mit der Zeit alle diejenigen M., welche die Herstellung von Drehkörpern bezwecken, außer den Bohrmaschinen die Drehwippe, der Drehstuhl, die Drehbank, die Töpferscheibe, indem die hin- und hergehende Drehbewegung allmählich durch die dauernde Drehung nach einer Richtung ersetzt wurde. Uralt sind jedenfalls auch die M. zur Bewässerung von Ländereien, wie sie durch die Schöpfräder und Paternosterwerke der Chinesen und die Schwingbäume oder Kuduffs der Ägypter (ähnlich dem noch bei uns auf Dörfern gebräuchlichen Ziehbrunnen) repräsentiert werden; ferner M. zur Herstellung von Gespinsten und Geweben sowie die Getreidemahlmühlen. Daß die sogen. einfachen M., Hebel, Rolle, Keil, schiefe Ebene, schon in grauer Vorzeit zu großartigen Leistungen verwendet wurden, bezeugen die Baudenkmäler der alten Ägypter, Assyrer, Inder etc., wie anderseits aus vielen diese Denkmäler schmückenden Abbildungen das hohe Alter von Vorrichtungen zum Transport zu Wasser und zu Lande, Wagen, Ruder- und Segelschiffen hervorgeht. Bemerkenswert ist auch das außerordentlich frühe Auftreten der Wage. Sie ist schon Abraham bekannt und findet sich auf den ältesten Denkmälern der Ägypter abgebildet. Lange Zeit scheint der Mensch gebraucht zu haben, ehe er dazu überging, zum Betrieb von M. an die Stelle seiner Muskelkräfte diejenigen von Tieren oder gar Elementarkräfte zu setzen. Von den Elementarkräften wurden lange Zeit nur die Wasserkraft zum Betrieb von Wasserrädern, die Windkraft zum Fortbewegen von Segelschiffen und die Spannkraft elastischer Körper (Holz, Horn, Seile, Sehnen) zu Schußwaffen verwendet.

Die Entwickelung der M. ging in den ersten Jahrtausenden der Geschichte sehr langsam vorwärts, so daß um Christi Geburt außer den genannten M. nur etwa bekannt waren: Flaschenzüge, Haspel, Winden, Göpel, Wasserschrauben, Trommelräder, Kolbenpumpen mit Windkesseln, Keil-, Hebel- und Schraubenpressen (besonders zur Gewinnung von Wein und Olivenöl), Kollergänge zum Zerquetschen der Ölfrüchte, Lederblasebälge zum Anschüren des Feuers und eine Art Cylindergebläse zum Betrieb von Wasserorgeln, Wassermahlmühlen mit unterschlächtigen Rädern, die Schnellwage, ferner an M. für Kriegszwecke der Mauerbrecher oder Widder, der Enterhaken, die Armbrust, die Katapulten und Ballisten. Die Dampfkraft wußte man zu physikalischen Spielereien (zum Betrieb des Heronsballes und der Äo-^[folgende Seite]