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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Massenet - Mäßigkeitsvereine.

ereignisse und die edle Aufopferung Hohenlohes unterbrochen wurde, und lebte dann zurückgezogen auf seinem Landgut Bialokosz im Posenschen, das ihm der König geschenkt hatte. Am Befreiungskrieg nahm er nicht teil. Später ging er nach Württemberg und wurde eins der eifrigsten Mitglieder der ständischen Opposition. Gegen die öffentlichen Anklagen über sein Verhalten in dem unglücklichen Krieg 1806 schrieb er seine "Betrachtungen und Aufschlüsse über die Ereignisse der Jahre 1805 und 1806", denen die "Rückerinnerungen an große Männer" (Amsterd. 1808), die "Memoiren zur Geschichte des preußischen Staats unter Friedrich Wilhelm II. und III." (das. 1809-10, 3 Bde.) und die "Historischen Denkwürdigkeiten des preußischen Staats seit 1792" (das. 1809, 2 Bde.) folgten. Diese Werke sind nicht ohne Interesse, zeigen aber Massenbachs Charakterlosigkeit und Eitelkeit in ihrer vollen Blöße. Als er von Frankfurt a. M. aus, wo er 1817 lebte, von Friedrich Wilhelm III. den Ankauf der Fortsetzung seiner Memoiren forderte, wurde er auf Antrag der preußischen Regierung verhaftet, nach Küstrin gebracht und durch ein Kriegsgericht "wegen beabsichtigten Landesverrats und wegen Bekanntmachung von amtlichen Dienstschriften" im Sommer 1817 zu 14jähriger Festungsstrafe verurteilt. 1820 brachte man ihn von Küstrin nach Glatz, 1826 ward er vom König begnadigt; doch starb er schon 21. Nov. 1827 in Bialokosz. Sein ältester Sohn fiel 2. Mai 1813 bei Großgörschen.

Massenet (spr. mass'näh), Jules, franz. Komponist, geb. 12. Mai 1842 zu St.-Etienne (Loire), machte seine Studien am Pariser Konservatorium, wo in der Komposition Ambroise Thomas sein spezieller Lehrer war, erhielt 1863 für seine Kantate "David Rizzio" den großen Römerpreis und hat sich seitdem als einer der hervorragendsten Komponisten des jungen Frankreich bekannt gemacht. Wir nennen von seinen Werken: "Maria Magdalena" (biblisches Drama, 1873), "Eva" (Mysterium, 1875), "Die Erinnyen" (antikes Drama, 1873), "Die Jungfrau" (biblische Legende in vier Szenen) und zwei fünfaktige große Opern: "Der König von Lahor" und "Herodias"; ferner: die dreiaktige komische Oper "Don César de Bazan" (1872), fünf Orchestersuiten (darunter "Ungarische Suite" und "Scènes pittoresques"), Ouvertüren, Orchesterphantasien, Klavierstücke, Lieder etc. M. ist in der musikalischen Faktur durchaus modern; seine Bühnenwerke zeigen eine sehr sorgfältige Behandlung des Orchesters, das nur manchmal sich allzu selbständig geltend macht. Auch seine Rhythmik ist reich, seine Melodik dagegen arm. M. ist Mitglied des Institut de France und seit 1878 Kompositionsprofessor am Konservatorium.

Massénja, Fulbestaat, s. Massina.

Masserāno, Flecken in der ital. Provinz Novara, Kreis Biella, mit Ringmauern, einem Schloß (von 1634), erzbischöflicher Villa, Eisenindustrie, Steinbrüchen und (1881) 1127 Einw.

Massēter (Musculus m.), der Kaumuskel.

Masseur (franz., spr. -ssör), Kneter, s. Knetkur.

Massevaux (spr. mass'woh), s. Masmünster.

Massey (spr. mässi), 1) William Nathaniel, engl. Geschichtschreiber, geb. 1809, war seit 1844 Advokat in London, ward 1852 ins Parlament gewählt, wo er zu den Liberalen zählte, und 1855 zum Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern ernannt. 1865 Finanzminister für Indien geworden, gab er seinen Parlamentssitz auf, trat aber, als er 1872 nach England zurückkehrte, wieder ins Unterhaus. Er starb 27. Okt. 1881 in London. M. schrieb unter anderm: "History of England during the reign of George III." (Lond. 1860, 4 Bde.; 2. Aufl. 1865-66).

2) Gerald, engl. Dichter und Litterarhistoriker, geb. 29. Mai 1828 zu Tring in Hertfordshire von armen Eltern, arbeitete zuerst in einer Seidenspinnerei, dann als Strohflechter und wandte sich mit 15 Jahren nach London, wo er mit äußerster Anstrengung seine geistige Ausbildung förderte und zunächst die Gedichtsammlungen: "Poems and songs" (1846) und "Voices of freedom and lyrics of love" (1849) veröffentlichte. Als reifere Erzeugnisse folgten: "The ballad of babe Christabel" (1854), "Craigcrook castle" (1856), "Robert Burns: a centenary song" (1859), "Havelock's march" (1861) und "A tale of eternity" (1869). Die großen und tiefen Ideen der letzten Sammlung haben M. einen weiten Kreis von Lesern verschafft. Schon 1863 erhielt er einen Jahrgehalt aus der Zivilliste. Ein Ergebnis langjähriger Studien ist sein Werk "Shakespeare's sonnets" (1866, 2. erweiterte Aufl. 1872), worin er eine neue Theorie aufstellte, die auch von neuern Übersetzern der Sonette, Gelbcke (1867) und Krauß (1872), aufgenommen worden ist. M. ist Anhänger des Spiritismus, für den er durch Vorlesungen (1872 auch in Amerika) wirkte. Seine jüngsten Veröffentlichungen sind die mystisch-philosophischen Werke: "Book of the beginning" (1881, 2 Bde.) und "Natural genesis" (1883, 2 Bde.).

Maßgüter, Güter, für welche die Fracht nicht nach dem Gewicht, sondern nach dem Rauminhalt berechnet wird (Sperrgut).

Maßholder, s. Ahorn.

Massicot (franz., spr. -ko), s. Bleioxyd.

Massieren (franz.), kneten, s. Knetkur.

Massiges Gestein, Gestein ohne alle Parallel- oder Schichtstruktur, bei dem folglich die Mineralelemente nicht nach bestimmten Richtungen geordnet untereinander verbunden sind, wie bei Laven, Basalten, Doleriten, Phonolithen, Trachyten, Melaphyren, Porphyren, Diabasen, Dioriten, Syeniten und Graniten. Tritt ein solches ungeschichtetes Gestein in größerer Ausdehnung zusammenhängend auf, so bildet es ein Massiv. Vermieden wird der Ausdruck "massig" bei (grob) geschichteten Gesteinen, welche sehr mächtige, grobe Bänke bilden.

Mäßigkeitsvereine (Temperanzgesellschaften), Vereine, deren Mitglieder sich des Genusses geistiger Getränke (namentlich des Branntweins) gänzlich und für immer oder bis auf einen gewissen Grad zu enthalten verpflichten und zugleich der Trunksucht im allgemeinen entgegenzuarbeiten suchen. Der älteste Verein dieser Art war der 1517 von Sigismund v. Dietrichstein zu Graz in Steiermark gegründete St. Christophsorden. In der Neuzeit ging der Anstoß zur Bildung von Mäßigkeitsvereinen von Nordamerika aus, wo die Trunksucht zu Anfang des 19. Jahrh. jährlich mehr als 30,000 Opfer forderte. 1803 entstand in Boston der erste Verein zur Unterdrückung der Unmäßigkeit, und 1830 befanden sich in den Vereinigten Staaten schon 18 Staats- oder Zentralvereine und im ganzen 2200 Gesellschaften mit 170,000 Mitgliedern. In den folgenden Jahrzehnten gewannen die M. immer weitere Ausdehnung, und vielfach erhob man ihre Grundsätze zu Staatsgesetzen. Im Staat Maine wurde 1851 jeder Handel mit geistigen Getränken polizeilich verboten. Indessen hatte dieses Gesetz, das unter dem Namen Maine liquor law von vielen andern Bundesstaaten nachgeahmt wurde und noch jetzt zu Recht besteht, so wenig Erfolg, daß man bald wieder auf die Privatthätigkeit