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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Matt; Matta; Mattathīas; Matten; Matter; Matterhorn; Mattersdorf; Matteucci

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Matt - Matteucci.

rumänischen Dobrudscha, Distrikt Tultscha, am östlichsten Arm der hier vielfach gespaltenen Donau, 15 km östlich von Braila, mit 3000 Einw. Hier 6. April 1791 Gefecht zwischen den Russen und der Avantgarde der Türken unter Jussuf Pascha, die gänzlich zersprengt ward.

Matt, im Schachspiel s. v. w. tot, vom arab. mât, wie schachmatt von schâh mât (der König ist tot).

Matta, Mischungen aus Hirsekleie, Gersten-, auch wohl Maismehl und andern Substanzen, werden als Verfälschungsmittel für Gewürze in besondern Fabriken hergestellt und als Pfeffer-, Piment- und Zimtmatta in den Handel gebracht. Der Nachweis solcher Verfälschungen erfordert sachkundige mikroskopische Untersuchung.

Mattathīas (Mattatja), Priester von Modin in Palästina, Stammvater der Makkabäer (s. d.).

Matten, Decken aus biegsamen Pflanzenteilen, besonders aus Schilf, Rohr, Binsen, Baumbast, Stroh, Palmblättern etc., die wie Gespinste leinwandartig gewebt werden. Grobe M. dienen zum Verpacken, zum Bedecken von Pflanzen, feinere zum Belegen der Fußböden und Möbel, zu Vorhängen und zum Tapezieren der Wohnzimmer. Einen bedeutenden Industriezweig bildet in Rußland die Fabrikation der Lindenbastmatten (s. Bast). Schilfmatten werden besonders in Ostpreußen geflochten. In Frankreich stellt man Strohmatten von 0,5-1,5 cm Dicke dar, die mit einer Kette von Hanf, Leinwand oder verzinntem Eisendraht auf besondern Webstühlen gewebt und zum Bedecken der Reben, zur schnellen Errichtung von Zelten, Gartenlauben etc. benutzt werden. Statt des Strohs hat man auch Holzdrähte, wie sie in den Zündhölzchenfabriken angefertigt werden, benutzt und sie mit einer Kette von Garn verbunden. Diese M. eignen sich besonders zu Vorhängen an Fenstern, da sie das Licht durchlassen und doch die Wärme genügend abhalten; sie werden häufig bemalt und zeichnen sich durch gefälliges Ansehen aus. In Spanien webt man M. aus Binsen und Gräsern (Esparto) und benutzt dieselben besonders zum Auskleiden der Zimmer. Sehr verbreitet sind auch die holländischen Binsenmatten und die indischen Kokojamatten, die sich durch ihre Farben und ihre Flechtarbeit auszeichnen.

Matter, Jacques, philosophischer Schriftsteller, geb. 31. März 1791 zu Alteckendorf im Elsaß, ward 1832 Generalinspektor der Universität zu Paris und 1845 aller Bibliotheken Frankreichs, 1846 Professor am protestantischen Seminar in Straßburg, wo er 23. Juni 1864 starb. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Histoire de l'école d'Alexandrie" (Par. 1820; 2. Aufl. 1840-44, 3 Bde.); "Histoire critique du gnosticisme" (2. Aufl., Straßb. 1843-44, 3 Bde.; deutsch, Heilbr. 1833); "De l'influence des mœurs sur les lois et des lois sur les mœurs" (2. Aufl., Par. 1843; deutsch, Freiburg 1833); "De l'état moral, politique et littéraire de l'Allemagne" (Par. 1847, 2 Bde.; deutsch, Leipz. 1848, 2 Bde.); "Histoire de la philosophie moderne" (Par. 1854); "Philosophie de la religion" (das. 1857, 2 Bde.); "Morale ou philosophie des mœurs" (das. 1860); "Saint-Martin, le philosophe inconnu" (2. Aufl., das. 1864); "Emmanuel de Swedenborg" (das. 1863); "Le mysticisme en France au temps de Fénelon" (2. Aufl. 1866) u. a.

Matterhorn (Mont Cervin), das Haupt einer der vier mächtigsten Gruppen der Walliser Alpen, eine überaus schlanke Felsenpyramide von 4482 m Höhe, die auf der Grenze gegen Italien, westlich vom Monte Rosa, aufragt und die Dent Blanche (4364 m) und das noch höhere Weißhorn (4512 m) zu ebenbürtigen Nachbarn hat. Die Firnlager, welche die höhern Partien decken, nähren einen Fächer von Eisströmen; in das Matterthal hinunter steigt der Zmuttgletscher, in das Turtmanthal der Turtmangletscher, in das Val d'Anniviers der Moming-, Zinal- und Moirygletscher, in das Val d'Hérens der Ferpèclegletscher. Der Paß zwischen M. und Monte Rosa ist das Matterjoch (3322 m), der höchste unter den gebräuchlichen Alpenübergängen (auch St. Theodulspaß genannt); er verbindet Zermatt, den Hauptort des Walliser Matterthals, mit dem piemontesischen Val Tournanche (Dora Baltea). Die Bergbesteigungen im Gebiet des Matterhorns begann Zeller 1832 mit einem der Vorposten, dem Dreizenten- oder Schwarzhorn; aber erst als Tyndall das Weißhorn bezwungen (1861), begann der Glaube an die Unüberwindlichkeit dieser Felsnadeln zu wanken. Im August 1862 erstiegen die Engländer Kennedy und Wigram die Dent Blanche, 12. Aug. 1863 Hall die Dent d'Hérens, 8. Juli 1864 der Engländer Moore den Bouquetin oder Steinbock, 22. Aug. d. J. Leslie Stephen das Zinal-Rothorn. Am 16. Juni 1865 eroberte Whymper den Grand Cornier, und im Juli 1865 wurden die letzten Nadeln noch erklommen: am 6. das Gabelborn (Moore), am 14. das Theodulhorn (Abbé Gorret), und an demselben Tage geschah die erste, aber verhängnisvolle Ersteigung des Matterhorns selbst. Sie war das Werk einer englischen Gesellschaft: Whymper, Lord Fr. Douglas, Charles Hudson und Hadow, begleitet von drei Führern. Nachdem die Spitze glücklich erreicht war, verunglückte die Expedition auf dem Rückweg, und nur Whymper nebst zwei Führern entgingen der Katastrophe, die indessen nicht verhindert hat, daß das M. seither häufig bestiegen wurde. Die Besteigung, welche sowohl von Zermatt als von Breuil (im Val Tournanche) unternommen werden kann, ist neuerdings durch die Anlage von Schutzhütten, im O. beim Hörnli (3298 m) und im S. an der sogen. Krawatte (4122 m), sowie durch das Anbringen von Ketten zum Emporklettern etwas erleichtert worden. Vgl. Whymper, Scrambles amongst the Alps (deutsch, Braunschw. 1872); Conway, The Zermatt pocketbook (Lond. 1881); Studer, Über Eis und Schnee, Bd. 2 (Bern 1870).

Mattersdorf (Nagy-Márton), Markt im ungar. Komitat Ödenburg, an der Wiener-Neustadt-Ödenburger Bahnlinie, mit (1881) 3464 Einw. und Weinbau. Unfern die alte Ritterfeste Forchtenstein.

Matteucci (spr. matte-úttschi), 1) Carlo, Physiker, geb. 20. Juni 1811 zu Forli, studierte in Bologna und Paris Mathematik, ward 1832 Professor der Physik in Bologna, 1838 in Ravenna, wo er auch eine Fabrik chemischer Produkte leitete, und 1840 in Pisa. Er bearbeitete namentlich galvanische Fragen und lieferte Untersuchungen über die Zitterrochen. Auch magnetische Untersuchungen und Arbeiten über Induktionselektrizität und Telegraphie beschäftigten ihn wiederholt. 1848 wurde er Senator und begleitete die toscanische Armee nach der Lombardei; 1860 übernahm er die Leitung des italienischen Telegraphenwesens und später auch die der meteorologischen Institute. 1862 erhielt er das Portefeuille des öffentlichen Unterrichts im Ministerium Rattazzi, trat aber nach wenigen Monaten wieder zurück, wirkte dann am wissenschaftlichen Institut zu Florenz, ward Vizepräsident des Oberstudienrats und starb 25. Juni 1868. Er schrieb: "Lezioni di fisica" (4. Aufl., Pisa 1851, 2 Bde.); "Lezioni sui fenomeni fisico-chimici dei corpi viventi" (2. Aufl., das. 1846); "Manuale