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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Matthieugrün; Matthiŏla; Matthisson

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Matthieugrün - Matthisson.

ihm die Abgeordneten seiner Erbländer die zur Kriegführung nötigen Mittel versagten, Frieden schließen. Überdies kränkelnd, willigte er, dem Drängen der übrigen Glieder des österreichischen Hauses nachgebend, in die Krönung des bigotten Erzherzogs Ferdinand, nachmaligen Kaisers Ferdinand II., zum König von Böhmen (1617) und von Ungarn (1618). Zwar hatte dieser versprochen, sich bei Lebzeiten des Kaisers aller Einmischung in die Regierung zu enthalten; allein in den kirchlichen Angelegenheiten gewährte man doch bald seinen Einfluß. Die Unierten hintertrieben daher 1618 Ferdinands Wahl zum römischen König, und in Böhmen brachen 28. Mai 1618 jene Unruhen aus, welche das Vorspiel des Dreißigjährigen Kriegs wurden. M. gelang es nicht mehr, die Unruhen zu unterdrücken. Er starb 20. März 1619. Vermählt war er seit 1611 mit Anna, der Tochter seines Oheims, des Erzherzogs Ferdinand; doch blieb die Ehe kinderlos.

2) M. Corvinus, der Große, König von Ungarn, zweiter Sohn des Joh. Hunyades, geb. 27. März 1443 zu Klausenburg in Siebenbürgen, kam nach seines Vaters Tod in die Hände des Königs Wladislaw von Böhmen, der ihn zu Wien und Prag gefangen hielt, und ward nach dessen Tod (1457) trotz alles Widerstrebens des Palatins und mehrerer Magnaten 24. Jan. 1458 zum König von Ungarn gewählt. Allein der Oberfeldherr Johann Giskra von Brandeis verweigerte ihm den Gehorsam und bot die Krone dem König von Polen an, während die Feinde des Hauses Hunyades den Kaiser Friedrich III. einluden (1459), sich krönen zu lassen. Die Spaltung seiner Gegner erleichterte M. aber den Sieg. Während er die Magnaten durch Versprechungen gewann, schlug er die Böhmen aus Oberungarn hinaus und focht gegen die Türken wie gegen Friedrich III. zugleich mit wechselndem Glück. Letzterer verzichtete endlich 19. Jan. 1463 gegen 60,000 Dukaten auf die ungarische Krone. Nun erst ließ sich M. in Stuhlweißenburg 29. März 1464 feierlich krönen. Der innern Unruhen ward er durch entschlossenes Handeln bald Herr, und den Türken machte er sich durch ein trefflich organisiertes Korps von 6000 Mann stehender Truppen furchtbar. Auch stärkte er sich durch ein Bündnis mit Venedig. Als die Türken endlich um Frieden nachsuchten, wies er sie zunächst an die Grenzen seines Reichs zurück und gestand ihnen erst, nachdem er sich den Besitz Bosniens 1462, der Moldau und Walachei 1467 gesichert hatte, einen Waffenstillstand auf fünf Jahre zu. 1481 half er die Türken aus Otranto vertreiben. Aus Eroberungslust beteiligte er sich an dem Kreuzzug gegen seinen Schwiegervater, den hussitischen Böhmenkönig Georg Podiebrad, bemächtigte sich Schlesiens, Mährens und der Lausitz (1468-78), besiegte den König Wladislaw von Polen und zwang ihn zum Frieden zu Olmütz, der letzterm Böhmen und M. Mähren sicherte. Die Hilfe, welche Friedrich III. den Polen in diesem Kriege geleistet hatte, entzündete einen neuen Krieg zwischen M. und dem Kaiser, in welchem ein großer Teil von Österreich und 1485 auch Wien in M.' Hand fiel; hier starb dieser 6. April 1490 eines so plötzlichen Todes, daß man seine zweite Gemahlin, Beatrix, und den Magnaten Stephan Zápolya (s. d.) gerüchtweise beschuldigte, ihn vergiftet zu haben. M. war ein Freund der Wissenschaften und Künste. So hatte er in Florenz stets vier Schreiber im Sold, welche ihm die Schriften der Klassiker kopieren mußten. Auch sammelte er in Griechenland die Überreste der von den Türken zerstörten Bibliotheken. Seine kostbare Bibliothek (Corvina) ward bei der Eroberung Ofens durch die Türken 1526 zerstreut; dürftige Reste (35 Werke) gab der Sultan 1877 der ungarischen Regierung zurück. Er stiftete die Universität Ofen, errichtete eine Sternwarte, gründete in seinem Schloß eine Buchdruckerei und zog eine große Anzahl fremder Gelehrten, Künstler und Handwerker in das Land. Schon bei seiner Thronbesteigung hatte er eine Reihe vortrefflicher Gesetze gegeben; allein sie waren bei den fortdauernden Kriegen nicht zur Ausführung gekommen, daher er auf dem Reichstag zu Ofen 1486 das "große Gesetz" (Decretum magnum) entwerfen ließ. Bei alledem war seine Regierung willkürlich und gewaltthätig, und er vergeudete in prächtigen Hoffesten, was durch harten Steuerdruck zusammengebracht war, vorzüglich seit seiner zweiten Vermählung mit Beatrix, einer Prinzessin von Neapel (1477). Beide Ehen M.' waren kinderlos. Sein natürlicher Sohn Johannes Corvinus, dem M. die Legitimität zu verschaffen bemüht war, der bedeutende Würden bekleidete und auch unter den Thronkandidaten war, entsagte zu gunsten Wladislaws (s. d.) von Böhmen und starb 1504. Vgl. Feßler, M. Corvinus (Bresl. 1806, 2 Bde.); Fischer, König M. Corvinus und seine Bibliothek (Wien 1878); Schober, Die Erwerbung Niederösterreichs durch M. Corvinus (das. 1879). Das Hauptwerk über M. ist das vom Grafen J. ^[Jozsef] Teleki: "Hunyadiak kora" ("Das Zeitalter der Hunyadis", 1852 ff., 12 Bde.; unvollendet).

Matthieugrün (spr. matjö-), s. Chromhydroxyd.

Matthiŏla R. Br. (Levkoje), Gattung aus der Familie der Kruciferen, ein- oder zweijährige Kräuter oder Halbsträucher mit oblongen oder linealischen, ganzen oder buchtigen Blättern, großen, meist purpurnen Blüten in Trauben und linealischen, stielrunden oder zusammengedrückten Schoten. Etwa 30 Arten in West- und Südeuropa und Westasien. Die Sommerlevkoje (M. annua Sweet), Sommergewächs in Südeuropa und dem Orient, wird 30-40 cm hoch; die Blätter sind lanzettförmig, grau behaart, stumpf, meist ganzrandig, die Schoten drüsenlos, behaart, spitz. Man kultiviert sie wegen ihres Wohlgeruchs in zahlreichen Varietäten und hat sie auf so hohe Stufe blumistischer Vollkommenheit gebracht, daß ihr der erste Rang unter allen Sommerblumen gebührt. Ebenso die Winterlevkoje (M. incana R. Br.), eine perennierende Pflanze aus den Mittelmeerländern, welche 60-120 cm hoch wird, lanzettförmige, ganzrandige, stumpfe, weiß behaarte Blätter und zusammengedrückte, abgestutzte Schoten besitzt. Die Levkojenkultur ist ein wichtiger Zweig der Handelsgärtnerei und wird besonders in Erfurt stark betrieben. Vgl. Ziegler, Die Kultur der Levkojen (Königsb. 1875).

Matthisson, Friedrich von, Dichter und Schriftsteller, geb. 23. Jan. 1761 zu Hohendodeleben bei Magdeburg als Sohn eines Predigers, besuchte die Schule zu Klosterberge und widmete sich dann in Halle dem Studium der Theologie, das er aber bald mit dem der Philologie und schönen Litteratur vertauschte. Nachdem er einige Zeit als Lehrer am Philanthropin zu Dessau gewirkt, ging er als Informator mit den jungen Grafen Sievers aus Livland auf Reisen und hielt sich mit ihnen in Hamburg, Eutin, Heidelberg und Mannheim auf. Nach zweijährigem Aufenthalt bei seinem Freund Viktor v. Bonstetten zu Nyon am Genfer See nahm er 1790 die Stelle eines Erziehers bei einem reichen Kaufmann in Lyon an. 1794 zum Vorleser und Reisebegleiter der Fürstin Luise von Anhalt-Dessau berufen, bereiste er mit der-^[folgende Seite]