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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Mattiacum - Maubeuge.

selben in den folgenden Jahren Italien, die Schweiz und Tirol. Der Landgraf von Hessen-Homburg ernannte ihn zum Hofrat, der Markgraf von Baden 1801 zum Legationsrat. Vom König von Württemberg 1812 nach Stuttgart berufen, war er hier als Theaterintendant und Oberbibliothekar thätig, ward geadelt, trat 1828 außer Dienst und zog sich 1829 nach Wörlitz zurück, wo er 12. März 1831 starb. Seine "Gedichte" (Bresl. 1787; 15. Aufl., Zürich 1851; neu hrsg. von Kelchner, Leipz. 1874) fanden bei den Zeitgenossen enthusiastische Bewunderung und selbst das Lob Schillers. Die Lebendigkeit der Beschreibungen und die Glätte der Form verdienten in der That eine gewisse Beachtung. Die Empfindung aber, welche den Gedichten zu Grunde lag, war zumeist schwächlich und unwahr, und die erstrebte Eleganz des Ausdrucks ging oft in die frostigste Künstelei über. Matthissons "Schriften" erschienen in einer Ausgabe letzter Hand in 8 Bänden (Zürich 1825-29; dazu Bd. 9: Biographie von Döring, 1833). Seine "Erinnerungen" (Zürich 1810-16, 5 Bde.) geben nicht uninteressante Notizen über Gegenden und berühmte Männer. Seinen "Litterarischen Nachlaß" veröffentlichte Schoch (Berl. 1832, 4 Bde.).

Mattiacum, lat. Name von Wiesbaden.

Mattiaker (Mattiăci), eine zu den Katten gehörige german. Völkerschaft, zwischen Rhein, Main und Lahn wohnhaft und den Römern frühzeitig unterworfen, welche in ihrem Land Silberbergwerke besaß. Daselbst befanden sich auch berühmte heiße Quellen, die Aquae Mattiacae, das heutige Wiesbaden. Der Name der M. verschwindet früh aus der Geschichte. Vgl. Reuter, Die Römer im Mattiakerland (Wiesbad. 1884).

Mattieren, technische Operation, durch welche Metall und Glas ganz oder stellenweise mit einer feinkörnigen, matten Oberfläche versehen wird. Dieselbe besteht je nach der Natur des Materials in der Anwendung von Säuren, nassem Sand, Schmirgel oder des Sandstrahlgebläses. Vgl. Vergolden etc.

Matto Grosso, Provinz, s. Mato Grosso.

Mattoon (spr. mattuhn), Stadt im nordamerikan. Staat Illinois, Grafschaft Coles, im SO. von Springfield, mit Eisenbahnwerkstätten und (1880) 5737 Einw.

Mattra (Muttra, Mathura), Hauptstadt des gleichnamigen Distrikts der britisch-ind. Nordwestprovinzen, am rechten Ufer der Dschamna, ist Knotenpunkt der East Indian- und Radschputanabahn und hat (1881) 47,483 Einw. M. wird als Geburtsort Krischnas und Schauplatz seiner Thaten jährlich von 100,000 Hindupilgern besucht. Schon Ptolemäos, Arrian und Plinius bekannt, wurde M. um 400 n. Chr. das Zentrum des Buddhismus; später haben mohammedanische Eroberer es wiederholt geplündert und zerstört. Die jetzigen hervorragenden Gebäude stammen alle aus der mohammedanischen Periode oder sind neuen Datums; ein von Bankiers der Dschainasekte errichteter Tempel ist besonders prächtig. Die moderne Stadt enthält die Regierungsgebäude, Tribunal, Gefängnis, Hospital, eine anglo-indische Schule und ist Sitz einer evangelischen und einer katholischen Mission.

Mattschleifen, s. v. w. Mattieren (s. d.).

Mattu, Negervolk, s. Mittu.

Matuanlin, chines. Gelehrter, lebte von 1245 bis 1322 und ist berühmt als Verfasser der großen Encyklopädie "Wenhianthongkhao", welche 348 Bände umfaßt (s. Chinesische Litteratur, S. 32).

Matura, Hafenstadt auf der Südküste Ceylons, mit 18,636 Einw. und Ausfuhr von Edelsteinen.

Matureszieren (lat.), reifen; maturieren, reif machen, beschleunigen; Maturität, Reife.

Maturin, Sektion des Staats Bermudez der Bundesrepublik Venezuela, liegt westlich vom Delta des Orinoko und besteht fast ganz aus Llanos. Sie hat ein Areal von 33,945 qkm (616,5 QM.) mit (1873) 47,863 Einw. Die Hauptstadt M. liegt in einer Tiefebene am schiffbaren Guarapiche, hat Kakaobau und (1883) 14,743 Einw. Der Hafen der Stadt (Cano Colorado) liegt 40 km unterhalb. Die Ausfuhr belief sich 1883/84 auf 1,041,634 Bolivares.

Maturitätsexamen, s. v. w. Abiturientenexamen, s. Entlassungsprüfung.

Matuschka (russ.), Mütterchen.

Matūta (Mater Matuta), altital. Gottheit des Frühlichts, auch der Geburt, eine segensreiche, gute Göttin, zu deren Ehren die Matralien ("Fest der Mütter") alljährlich 11. Juni gefeiert wurden. Die M. wurde von den Römern auch mit der griechischen Leukothea (s. d.) identifiziert, wie ihr italischer Genosse Portunus mit dem Palämon oder Melikertes.

Matutīne (lat.), die Frühmesse, Mette.

Matz, s. Quark.

Matzen, der dünne, aus Wasser und Mehl bereitete Osterkuchen der Juden (v. hebr. mazâh, Plural mazzot, süßes, d. h. ungesäuertes, Brot). Vgl. Azyma.

Mätzner, Eduard Adolf Ferdinand, namhafter Philolog, besonders der neuern Sprachen, geb. 25. Mai 1805 zu Rostock, studierte dort und in Greifswald Theologie, später in Heidelberg Philologie, wirkte von 1830 an als Gymnasiallehrer zu Berlin und Bromberg und übernahm 1838 die Direktion der Luisenschule in Berlin, welche Stelle er noch jetzt bekleidet. Auf dem Gebiet des klassischen Altertums veröffentlichte er: "De Jove Homeri" (Berl. 1834), Ausgaben der Reden des Antiphon (das. 1838) und Dinarchos (das. 1842) u. a. Sodann wandte er sich dem Studium der vergleichenden Sprachwissenschaft, namentlich der geschichtlichen Erforschung des Französischen und Englischen, zu. Er veröffentlichte: "Syntax der neufranzösischen Sprache" (Berl. 1843-45, 2 Bde.); "La nobla leyczon", mit Einleitung, Übersetzung und Anmerkungen (das. 1845); "Altfranzösische Lieder, mit Bezugnahme auf die provençalische, altitalienische und mittelhochdeutsche Liederdichtung" (das. 1853); "Französische Grammatik mit besonderer Berücksichtigung des Lateinischen" (3. Aufl., das. 1884); "Englische Grammatik" (3. Aufl., das. 1880-85, 3 Bde.), in welchem Werk die Wort- und Satzformen des Neuenglischen geschichtlich aus dem Angelsächsischen und Altenglischen entwickelt sind; "Altenglische Sprachproben" (das. 1867-69, 2 Tle.) und im Anschluß an letzteres Werk das "Altenglische Wörterbuch" (das. 1872 ff.).

Ma-u, Feldmaß in China, à 4 Kióh = 6,73 Ar.

Mauá (Porto da M.), Ort, s. Petropolis.

Maubeuge (spr. mobösch, lat. Malbodium), Stadt und Festung zweiten Ranges im franz. Departement Nord, Arrondissement Avesnes, an der Sambre und der Nordbahn, mit (1886) 4187 Einw., Fabrikation von Rübenzucker, Blechwaren und Nägeln, Baumwollspinnereien, Leinwandbleichen, bedeutendem Handel mit Steinkohlen, Getreide, Schiefer, Marmor etc., einem Kommunalcollège und einer Handelsschule. - M. wird schon im 7. Jahrh. genannt; zu Frankreich kam es erst 1678 durch den Frieden von Nimwegen, wurde durch Vauban befestigt, aber im Juli 1814 von den Preußen erobert. Neuerdings wurde die Festung durch sechs neue Forts verstärkt. M. ist Geburtsort des Malers Mabuse.