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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mauren; Maurenbrecher; Maurenkappe; Maurepas

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Mauren - Maurepas.

"Memoiren" der Berliner Akademie (1746), der die Gesetze der Bewegung und Ruhe nach dem Prinzip der kleinsten Wirkung behandelte, verwickelte ihn in eine längere litterarische Fehde, in der auch Voltaire auf die Seite seiner Gegner trat, wodurch ihm der Aufenthalt in Berlin in dem Maß verleidet wurde, daß er 1758 nach Basel übersiedelte, wo er, schon längere Zeit brustkrank, 27. Juli 1759 starb. M. war mit einem lebhaften Geist und viel Witz ausgestattet und verband hiermit ein liebenswürdiges Benehmen; doch war er auch nicht frei von Selbstliebe und Eitelkeit, die leicht verletzt werden konnten. Seine Werke, philosophischen und mathematischen Inhalts, erschienen in 4 Bänden Paris 1752 und Lyon 1768. Vgl. Beaumelle, Vie de M. (Par. 1856).

Mauren (Mohren; Morisken, span. Moros), ein Mischvolk aus arabischen und andern Elementen, welches gegenwärtig den Hauptbestandteil der Städtebevölkerung von Marokko, Algerien und Tunis bildet und in andern Verhältnissen auch in Senegambien und Ceylon zu finden ist. Ursprünglich aber wurde dieser Name (nach dem phönikischen Mauharin) von den Römern den Bewohnern der Atlasgegenden, d. h. Berbern, gegeben und ihr Land danach Mauretanien (s. d.) genannt. In der Folge kam dasselbe unter die Herrschaft der Vandalen, deren Reich 534 wieder durch Belisar gestürzt wurde. Als die Sarazenen (Araber) ihre Eroberungen im 7. Jahrh. auch über diesen Teil Afrikas ausbreiteten, ging der Name M. auf die aus M. und Arabern gemischte Bevölkerung der Städte des Atlasgebiets, besonders der Küste, über und wurde, als die Araber 711 von Afrika nach Spanien vordrangen, von den Spaniern auf diese selbst (los Moros) übertragen, während die echten, unverfälschten Nachkommen der alten M. sich in die Gebirge zurückzogen und den Namen Berber (Amazirghen) annahmen. Die Mauro-Araber brachten Wissenschaften und Künste nach Spanien, und während noch der größte Teil des übrigen Europa in Barbarei versunken war, blühten in Cordova, Granada und andern maurischen Städten Gelehrsamkeit und Künste, namentlich die Baukunst und Dichtkunst. Aber die Teilung des Landes unter verschiedene Regenten (in die Reiche Saragossa, Toledo, Valencia, Brighuega, Malaga, Murcia, Denia etc.) und deren Uneinigkeit schwächten sie so, daß sie den unaufhörlichen Angriffen der neuentstandenen christlichen Königreiche in Spanien nicht mehr widerstehen konnten und zuletzt auf das Königreich Granada beschränkt waren. Ferdinand der Katholische eroberte 1492 auch dieses und machte dadurch der beinahe 800jährigen Herrschaft der M. in Spanien ein Ende. Ein Teil der M. ging nach Afrika, die meisten aber blieben in Spanien, wo sie wenigstens äußerlich zum Christentum übertraten und unter dem Namen Morisken als fleißige, ruhige Unterthanen lebten, bis die aus Glaubensfanatismus hervorgegangenen Bedrückungen unter Philipp II. 1568-70 einen bewaffneten Aufstand der Morisken in Granada hervorriefen, nach dessen Dämpfung über 100,000 derselben vertrieben wurden. Die übrigen, wenige noch heute vorhandene Reste in den Gebirgen Granadas ausgenommen, traf unter Philipp III. 1609 gleiches Schicksal; ½ Mill. Morisken verließen damals Spanien und kehrten nach Afrika zurück. Vgl. Rochau, Die Moriskos in Spanien (Leipz. 1853). Gegenwärtig nennt man M. in Nordafrika die in den Städten als Kaufleute angesessenen Araber, deren Blut teils mit berberischem, teils aus dem langen Aufenthalt in Spanien von weiblicher Seite mit spanischem Blut gemischt ist. Sie zeichnen sich alle durch edle, regelmäßige Gesichtszüge, denen ein schöner Bart besonders würdigen Ausdruck verleiht, weiße Hautfarbe, aber auch durch Neigung zu Fettleibigkeit aus, was sie von reinen Arabern und Berbern unterscheidet. Ihre Sprache ist das sogen. westliche Arabische, mit vielen berberischen und spanischen Wörtern vermischt. Ebenso werden als M. bezeichnet die nördlich vom Senegal wohnenden Trarsa, Brakna und Duaisch, welche zur Hälfte aus Schwarzen, zur andern Hälfte aus arabischen und berberischen Mischlingen und einigen reinen Arabern und Berbern bestehen. Diese M. haben dieselben charakteristischen Körper- und Geisteseigenschaften wie ihre nördlichern Verwandten, zeichnen sich aber, da sie ein entbehrungsvolles Hirten- und Kriegerleben führen, durch Gewandtheit und Zähigkeit aus; sie neigen auch nie zu Fettleibigkeit, vielmehr sind sie stets hager, aber auch außerordentlich unreinlich. Diese M. zerfallen in vier Kasten: die Krieger oder Hassan, die Marabut oder Tolba, beide als das erobernde Volk von alter mohammedanischer Abstammung weit über den andern stehend, die Asunug oder Lameh, Nachkommen der unterworfenen Urbevölkerung, und endlich die kriegsgefangenen Sklaven, deren Los ein sehr hartes ist. Endlich nennt man M. in Ceylon die Nachkommen arabischer Abenteurer und singhalesischer Mütter, welche in der Zahl von 160,000 Köpfen jetzt den größten Teil des Handels zwischen den Europäern und den Eingebornen vermitteln. Wahrscheinlich kamen sie hierher direkt aus dem südlichen Arabien und hatten bereits im 14. Jahrh. den ganzen Handel der Insel in ihren Händen, im 16. Jahrh. waren sie sogar die eigentlichen Herren des Landes, welche die Herrscher nach ihrem Willen ein- und absetzten. Durch die Ankunft der Europäer ging ihnen zwar ihr politisches, nicht aber ihr kommerzielles Übergewicht verloren.

Maurenbrecher, Karl Peter Wilhelm, deutscher Historiker, geb. 21. Dez. 1838 zu Bonn, Sohn des Staatsrechtsgelehrten Professors Romeo M. (gest. 1843), studierte Geschichte in Bonn, Berlin und München unter Ranke und v. Sybel, promovierte im Februar 1861 zu Bonn mit einer Dissertation: "De historicis X. seculi scriptoribus, qui res ab Ottone Magno gestas memoriae tradiderunt", habilitierte sich 1862 daselbst als Privatdozent, hielt sich 1862 bis 1863 zu Simancas in Spanien zum Behuf archivalischer Studien auf, wurde 1867 als Professor der Geschichte nach Dorpat, 1869 nach Königsberg, 1877 nach Bonn und 1884 nach Leipzig berufen. Er schrieb: "Karl V. und die deutschen Protestanten 1545-55" (Düsseld. 1865); "England im Reformationszeitalter" (das. 1866); "Don Karlos" (2. Aufl., Berl. 1876); "Studien und Skizzen zur Geschichte der Reformationszeit" (Leipz. 1874); "Königtum und Verfassung in Preußen" (Bonn 1878); "Geschichte der katholischen Reformation" (Nördling. 1880, Bd. 1); "Die preußische Kirchenpolitik und der Kölner Kirchenstreit" (Stuttg. 1881). Seit 1881 redigiert er das "Historische Taschenbuch" (6. Folge).

Maurenkappe (Morion), s. Helm.

Maurepas (spr. moröpá), Jean Frédéric Phélippeaux, Graf von, franz. Staatsmann, geb. 9. Juli 1701 zu Paris, Sohn Jérômes, Grafen von M., Ministers und Staatssekretärs, übernahm von seinem Vater, der 1715 abdanken mußte, dessen seit 1610 in der Familie erblich gebliebene Stelle, deren Geschäfte einstweilen sein Schwiegervater, der Marquis de Lavrillière, besorgte. Als der Marquis 1725 starb, übernahm M. selbst sein Amt, das die Verwaltung meh-^[folgende Seite]